Köln - Pfusch beim Kölner U-Bahn-Bau: Ermittlungen auch in Bayern

Pfusch beim Kölner U-Bahn-Bau: Ermittlungen auch in Bayern

Von: dpa
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U-Bahn-Pfusch - Ermittlungen ausgeweitet
Die U-Bahn Baustelle am Chlodwigplatz mit dem Severinstor in Köln. Foto: dpa

Köln. Nach dem Pfusch beim Kölner U-Bahn-Bau weitet sich der Skandal nach Bayern aus. Ein Sprecher der Kölner Staatsanwaltschaft bestätigte am Samstag, dass es Hinweise auf gefälschte Arbeitsprotokolle bei den Bauarbeiten an der ICE- Hochgeschwindigkeitsstrecke Nürnberg-München gebe.

Daher sollen nun auch die bayerischen Behörden ermitteln. Kölner Fahnder hatten am Freitag die Arbeitsgemeinschaft der Baufirmen für den Kölner U- Bahnbau durchsucht. Anschließend hatte die Staatsanwaltschaft die Mannheimer Baufirma Bilfinger Berger über den Verdacht auf Manipulationen beim Bau der ICE-Trasse informiert.

Bilfinger Berger hat angekündigt, die Arbeiten an der ICE-Trasse zu untersuchen. „Wir wollen sicherstellen, dass alle Projekte, in denen ähnliche Technologien verwendet wurden, korrekt ausgeführt worden sind”, sagte Vorstandschef Herbert Bodner. Die Hinweise auf den möglichen Pfusch stammen nach Angaben des Kölner „Express” (Samstag) aus der Vernehmung eines ehemaligen Bauleiters des Unternehmens.

Ein Sprecher der Staatsanwaltschaft München I sagte, die Ermittlungsbehörde werde nun prüfen, ob im eigenen Zuständigkeitsbereich etwas vorgefallen ist. Wegen der Länge der Bahnstrecke könnten allerdings auch andere bayerische Staatsanwaltschaften oder auch die Behörde am Bilfinger-Berger-Sitz in Mannheim zuständig sein. Die insgesamt 171 Kilometer lange Trasse war 2006 fertiggestellt worden. An der rund 3,6 Milliarden Euro teuren Strecke wurde insgesamt acht Jahre gebaut.

Beim Kölner U-Bahn-Bau deutet inzwischen vieles daraufhin, dass an mehreren Baustellen vorgesehene Befestigungsanker nicht oder falsch eingebaut wurden. Die zugehörigen Bauprotokolle wurden vermutlich anschließend gefälscht. Nicht eingebaute Anker wurden Berichten zufolge schwarz verkauft.

Inzwischen mehren sich auch Berichte, nach denen die Bauaufsicht geschlampt haben soll. Unter Bezug auf die Ermittler schreibt das Magazin „Focus”, dass entgegen allen Regeln der Bauherr, die Kölner Verkehrsbetriebe (KVB), am Waidmarkt und am Heumarkt selbst die Bauüberwachung ausgeübt hätten. Nach Aussagen etlicher Bauarbeiter „war faktisch keinerlei Bauaufsicht vor Ort”. Eigentlich sei dies überall auf den jeweiligen Baustellen der Fall gewesen, habe ein Zeuge bereits im vergangenen Juni nach dem Einsturz des Stadtarchivs der Polizei gesagt.

Die für den U-Bahn-Bau in Nordrhein-Westfalen zuständige Düsseldorfer Bezirksregierung fordert daher Änderungen an den Bestimmungen zur Bau-Aufsicht. Knapp ein Jahr nach dem Einsturz des Kölner Stadtarchivs gebe es immer noch keine gesetzliche Regelung, die eine grundsätzliche Trennung von Bauaufsicht und Bauausführung gewährleiste. Das kritisierte der Verkehrsdezernent der Bezirksregierung, Matthias Vollstedt, in einem Interview mit dem WDR- Magazin „Westpol”. Laut dem Magazin lehnt die Landesregierung Änderungen an den Bestimmungen bislang ab. Der U-Bahn-Bau gilt als Ursache für den Einsturz des Stadtarchivs.

Nach Angaben aus Ermittlerkreisen sollen die Stadt, deren Firmentochter KVB und die Arbeitsgemeinschaft Alarmsignale vor dem Einsturz des Stadtarchivs übersehen haben. Immer wieder habe den U- Bahn-Bauern am Waidmarkt der Einbruch von Grundwasser zu schaffen gemacht. Seit Herbst 2008 traten laut Werkprotokollen massive Wasserprobleme in der Baugrube auf, schreibt der „Focus”.

Weder Bauleiter noch Bauaufsicht informierten aber den zuständigen Prüfstatiker. Stattdessen hätten die U-Bahn-Spezialisten illegal zahlreiche Brunnen eingesetzt, um das Wasser abzupumpen. Am Ende sollen 23 Brunnen in der Grube gewesen sein, aber nur vier seien genehmigt gewesen. Die Staatsanwaltschaft wollte diese Angaben am Samstag weder bestätigen noch dementieren.

An einem der U-Bahn-Schächte war das Stadtarchiv am 3. März 2009 eingestürzt. Hier ermittelt die Staatsanwaltschaft wegen fahrlässiger Tötung gegen Unbekannt, weil zwei Menschen ums Leben kamen. Die Station Waidmarkt, in deren Nähe das Stadtarchiv eingestürzt war, wurde inzwischen weitgehend geflutet und damit stabilisiert. Die Kölner haben Befürchtungen, dass mit der Schneeschmelze und einem Hochwasser im Rhein das Grundwasser steigt und Druck auf die Wände der U-Bahnstationen ausübt. Nach Angaben der Schifffahrtsbehörden ist in den nächsten Tagen aber kaum ein Ansteigen der Rheins zu erwarten.

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