Köln - Pflegerin verklagt Chirurg: Urteil im „Zwitterprozess” möglich

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Pflegerin verklagt Chirurg: Urteil im „Zwitterprozess” möglich

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Köln. Acht Wochen nach Beginn des „Zwitterprozesses” will das Kölner Landgericht am kommenden Mittwoch seine Einschätzung in dem aufsehenerregenden Zivilprozess geben. Es sei möglich, dass das Gericht bereits sein Urteil verkünde, sagte ein Sprecherin.

Es könne aber auch zu einem sogenannten Beweisbeschluss kommen, wenn das Gericht noch weiteren Informationsbedarf sehe und etwa Zeugen oder Gutachter laden wolle. Eine Krankenpflegerin hatte nach langem Leidensweg als Zwitter und unfreiwilligem Leben als Mann am 12. Dezember 2007 einen Chirurgen verklagt (AZ: 25 O 179/07).

In dem bundesweit beispiellosen Fall verlangt die Klägerin 100.000 Euro Schmerzensgeld, da der ehemalige Mediziner einer Kölner Klinik ihr vor 30 Jahren intakte Eierstöcke und Gebärmutter ohne vorherige Aufklärung entfernt habe. Das Gericht hatte zu Prozessbeginn von einem besonders schwierigen und problematischen Fall gesprochen. Der Vorsitzende Richter Dietmar Reiprich betonte, für die Rekonstruktion des lange zurückliegenden Falls fehlten viele Akten, vor allem der wichtige OP-Bericht.

Die intersexuelle Klägerin selbst - sie nennt sich Christiane und fühlt sich „eher weiblich” - kritisierte zu Prozessbeginn, ihre medizinische Behandlung durch mehrere Ärzte sei eine „einzige Katastrophe” gewesen. Ihr Rechtsanwalt Georg Groth sieht den beklagten Chirurgen nicht als den allein Verantwortlichen für das Schicksal seiner Mandantin. Wegen der Verjährungsfristen sei aber nur noch der Arzt zu belangen.

Die Klägerin war bei ihrer Geburt wegen nicht eindeutiger äußerer Geschlechtsorgane - eine vergrößerte Klitoris wurde als Penis angesehen - fälschlicherweise als Junge vermerkt worden. Das Kind wurde von den Eltern als Junge groß gezogen, zeigte in der Pubertät auch männliche Entwicklungen wie Bartwuchs. Es kam aber zu vielen gesundheitlichen Problemen, das Wachstum endete mit 14 Jahren. Erst mit 17 Jahren wurde bei einer Blinddarm-OP entdeckt, dass „Thomas” über Gebärmutter und Eierstöcke verfügte. Ein Jahr später kam es zu der folgenschweren OP in Köln.

Nach Ansicht der Klägerin hätte der Chirurg diese sofort abbrechen müssen, als er sah, dass die inneren weiblichen Geschlechtsorgane voll entwickelt und intakt waren. Mit dem Eingriff sei sie biologisch unumkehrbar zum Mann gemacht worden.

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