Aachen - Pflege-TÜV: Bei schlechten Gerüchen skeptisch sein

Pflege-TÜV: Bei schlechten Gerüchen skeptisch sein

Von: Sabine Rother
Letzte Aktualisierung:
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Andrea Amen ist Teamleiterin im Pflegestützpunkt NRW in Aachen.

Aachen. Das passende Pflegeheim für das Alter – die berühmte „Nadel im Heuhaufen“? Was ist von den Qualitätsaussagen zu halten, mit denen die Einrichtungen werben? Suchende hoffen auf die Einschätzungen vom Pflege-TÜV, das heißt, auf die Qualitätsprüfungen, die die Pflegekassen durch den Medizinischen Dienst der Krankenversicherung (MDK) und die Privaten Krankenversicherungen durch ihren Prüfdienst vornehmen.

Ist diese Qualitätsprüfung bei den ambulanten und stationären Pflegeeinrichtungen nützlich oder eher irreführend? Wenn eine Qualitätsprüfung sinnvoll sein soll, dann müsste sie anders aussehen. Es gibt einiges, was der Pflege-TÜV in Heimen nur selten überprüft. Pflegeexpertin Andrea Amen fordert mehr Lebensqualität.

In welcher Weise erfolgt zurzeit die Überprüfung, und wie könnte sie sinnvoller sein?

Eine Qualitätsprüfung bei Pflegeheimen und ambulanten Diensten orientiert sich unter anderem an Versorgungsstrukturen, Dokumentationen, hauswirtschaftlichen und sozialen Leistungen. Andrea Amen (54), Leiterin des Pflegestützpunktes NRW in Aachen, sieht dabei bereits Änderungsbedarf. „Man sollte sich zum Beispiel dringend die Wundversorgung in einer Pflegeeinrichtung ansehen, das ist sehr wichtiges Kriterium, steht aber nicht auf der Liste der Prüfer“, sagt sie.

Gibt es andere Dinge die man im Rahmen einer solchen Überprüfung stärker beachten sollte?

Ein Kriterium sind die räumlichen Gegebenheiten. „Vielfach gibt es noch Bäder mit Badewannen, die aber als Abstellkammern genutzt werden“, weiß Andrea Amen. „Das finde ich sehr schade, denn es gibt durchaus Einsatzmöglichkeiten wie Entspannungsbäder oder medizinische Bäder, die alten Menschen guttun. Natürlich bedeutet das mehr Arbeit.“ Auch die Sauberkeit in einer Einrichtung muss gewährleistet sein – herumliegende Lappen oder Putzutensilien sollte es nicht geben. Klassische Prüfbereiche zur Pflegequalität betreffen die Versorgung der Heimbewohner mit Flüssigkeit und eine Mobilisation. „Selbst wenn jemand nur einmal am Tag das Bett verlassen kann, tut ihm das schon sehr gut“, betont die Beraterin.

Wie kann man als Laie ein Gespür für Mängel entwickeln?

Hier setzt Andrea Amen auf spontane Eindrücke. „Warum verlassen wir uns nicht stärker auf unsere Sinne“, meint die erfahrene Beraterin. „Wenn ich eine Einrichtung betrete, muss es frisch und angenehm riechen, nicht muffig und undefinierbar schlecht.“ Die Ursachen für solche alarmierenden Gerüche sind vielfältig – und es geht nicht nur um Urin und Windeln. „Dass es schlecht riecht, stellt jeder Laie fest, als Profi in einer Gruppe von Qualitätsprüfern weiß man aber auch, wie eine nicht gut versorgte Wundstelle riecht. Solchen Dingen muss man nachgehen.“

Welche Beobachtungen sind wichtig, wenn man sich in einem Haus umschaut, in dem man einen Angehörigen unterbringen möchte?

Ein häufiges Bild in Pflegeheimen: Bewohner sitzen, häufig im Rollstuhl, und schauen vor sich hin, wirken lethargisch, still. Hier fordert die Expertin Hinwendung und Ansprache durch das Personal. „Wenn man nach einer Runde durch das Haus diese Menschen immer noch in unveränderter Haltung sieht, stimmt etwas nicht“, betont sie.

Gibt es Kriterien für die Lebensqualität und spielt sie in Heimen überhaupt noch eine Rolle?

Mit Vielfalt und Ideen kann ein Pflegeteam den Bewohnern Abwechslung bieten. Amen: „Ich weiß, dass das angesichts des Personalmangels oft schwierig ist, aber man kann sich etwas einfallen lassen.“ Nicht überall ist es möglich, Tiere zu halten, aber sie verbreiten oft große Freude – selbst bei denen, die bereits unter einer fortgeschrittenen Demenz leiden. „Ich kenne ein Heim, da bringt der Heimleiter seinen Hund mit, das ist wunderbar“, erzählt die Pflegeberaterin. „Andere Häuser arbeiten mit Therapiehunden.“

Wie kann man die Atmosphäre eines Hauses erspüren?

Wenn es eine Cafeteria oder einen Bereich gibt, wo man sich hinsetzen, vielleicht sogar etwa trinken kann, sollte man das auch tun. „Und dann nur aufmerksam beobachten, was sich tut, wie man einander begegnet“, rät Andrea Amen. Sehr schnell bemerke der Besucher, ob das Heim mit Leben erfüllt ist oder nur bedrückte Stille herrscht.

Was für Heimkonzepte gibt es?

Die sind inzwischen tatsächlich sehr unterschiedlich. „Das Heim hat eine Menge mit dem Leben zu tun, das jemand gelebt hat“, weiß die Expertin. Die aktivierende Pflege etwa gehe Wege, die manche Angehörige zunächst nicht verstehen oder sogar ablehnen. „Als in einem Pflegeheim die Bewohner gemeinsam am Tisch mit dem Finger nach ihrem Essen griffen, waren manche Besucher schockiert, aber das war ein sehr gutes Projekt mit dementen Menschen – und es funktionierte.“

Wie kann man auf Erfahrungen von Leuten zurückgreifen, deren Angehörige bereits in der Einrichtung leben, für die man sich interessiert?

Hier ist der Heimbeirat, bestehend aus Angehörigen und Heimbewohnern, ein Ansprechpartner. „Die Kontaktdaten hängen auch aus“, sagt Andrea Amen. „Man sollte einen Termin ausmachen.“

Was raten Sie Heimleitungsteams?

„Die Heimleitung sollte offen sein für Neues und sich ein Netzwerk schaffen“, betont Andrea Amen. „Das hilft.“

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