Willich/Aachen - Pfarrer unter Missbrauchsverdacht

Pfarrer unter Missbrauchsverdacht

Von: Peter Korall
Letzte Aktualisierung:

Willich/Aachen. Dem Pfarrer Georg K. aus Willich soll in Südafrika der Prozess gemacht werden. Nach Angaben der Ermittler hat er sich im Februar 2008 mehreren Jungen unsittlich genähert.

Nach Informationen des „Spiegel” soll er sich bei einem Vorbereitungscamp zur Kinderkommunion unter die Bettdecke der Kinder gedrängt haben. „Ich wollte die Kinder nur zur Ruhe und zum Schlafen bringen”, habe K. sich verteidigt.

Nach unseren Informationen musste er seinen Ausweis abgeben und darf das Land nicht verlassen. 2008 hatte er den Leiter der Ermittlungen gebeten, ihm seinen Reisepass auszuhändigen. Er wolle zur Hochzeit seines Bruders nach Deutschland reisen. Das wurde ihm mit Hinweis auf die Fluchtgefahr verwehrt. Die Kirche suspendierte ihn von allen Ämtern.

In Deutschland werden auch an seiner alten Wirkungsstätte Vorwürfe laut. Ein heute 20-Jähriger aus einer Gemeinde im Kreis Viersen berichtete gegenüber unserer Zeitung, dass er sich Annäherungsversuchen von K. konsequent widersetzt habe. Seinen Eltern fiel nichts auf.

„Gegen Saunagänge in eine öffentliche Sauna fand ich nichts einzuwenden”, sagte der Vater. Den Sohn allerdings in die privaten Räume in Nettetal-Lobberich einzuladen, das sei eindeutig zu weit gegangen. Er, der Vater, habe das so auch nicht mitbekommen: „Ich würde Herrn K. heute gerne fragen, was er sich dabei gedacht hat.”

Der heute 20-Jährige war im Frühsommer 2006 auf Anregung von K. mit dem Pfarrer einer Gruppe Jugendlicher in die Ferien nachgereist. „Komisch” sei es bei einer Zwischenübernachtung geworden - im Doppelbett. „Ich habe kaum ein Auge zugemacht, weil Herr K. sich sehr breit gemacht hatte und wohl auf Körperkontakt aus war”, sagt der junge Mann. Da er sehr wachsam gewesen sei, sei es zu keinem Zwischenfall gekommen. „Aber es war nicht sehr angenehm.” Als er sich für die Rückfahrt einen Platz im Bus mit den anderen Jugendlichen sicherte, habe der Pfarrer sehr wütend reagiert.

Der „Spiegel” berichtete am Montag davon, dass K. mehrfach mit einem „Patensohn” auftauchte. Unter anderem beim Cäcilienfest in einer Gaststätte in Lobberich. Hier sei aufgefallen, wie überaus vertraulich beide miteinander umgegangen seien. Nach Informationen des Magazins habe der Pfarrgemeinderat schon bald nach dem Amtsantritt die Bistumszentrale in Aachen über die fragwürdigen Besuche der Ministranten in der Pfarrhaussauna informiert.

In einer schriftlichen Stellungnahme des Bistums heißt es dazu: „Dem Bistum Aachen liegen keine Erkenntnisse vor, dass Pfarrer Georg K. während seiner Pfarrtätigkeit im Bistum Aachen Minderjährige missbraucht hat.” Gleichzeitig hat die Kirche aber reagiert und einen unabhängigen Ermittler eingesetzt, bei dem die Gläubigen sich melden und Hinweise geben können.

Geleitet wird diese Kommission von Hans-Willi Winden, Leiter der Bischöflichen Maria-Montessori-Gesamtschule in Krefeld. „Es hat vor Jahren mal einen anonymen Hinweis gegeben”, erklärte Bistums-Sprecher Franz Kretschmann. Aber man könne solchen Spekulationen nicht so nachgehen, wie konkreten Hinweisen.
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