Aachen - Per pedes den Straßen der Römer folgen

Per pedes den Straßen der Römer folgen

Von: Katja Laska
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Unauffällig: Das Kennzeichensystem ist auch auf Bäumen wie hier in Köln zu finden. Foto: Gullert

Aachen. Alle Wege führen nach Rom. So sagt man. Doch die Römer selbst kannten in der Antike noch einen weiteren Verkehrsknoten­punkt: Köln. Die beiden römi­schen Staatsstraßen Via Belgica und Agrippastraße verbanden da­mals die Provinz Niedergermanien mit der Hauptstadt Köln, mit ande­ren Provinzen und schließlich auch mit Rom.

„Viele Wege führ­ten nach Köln und von Köln weg“, sagt der Vorsitzende des Vereins für Denkmalpflege und Land­schaftsschutz (RVDL) Heinz Gün­ter Horn. So verlief die Via Belgica von Köln über Aachen bis Antwer­pen. Sie kann nun von Geschichts- ­und Archäologiebegeisterten er­kundet werden.

Dank der Initiative „Erlebnis­raum Römerstraße“ wurde die gut erhaltene Route freigelegt. Die Eu­ropäische Union, der RVDL, das Amt für Bodendenkmalpflege des Landschaftsverbands Rheinland (LVR) und 18 Kommunen der Re­gion haben seit 2007 daran gear­beitet, „die römischen Straßen für Besucher erlebbar und befahrbar zu machen“, sagt Horn.

VIA hilft bei der Orientierung

Das Ergebnis jahrelanger Überle­gungen, Verhandlungen und Bau­arbeiten ist eine neue Wander- und Fahrradroute durch die Region. Ein einheitliches Kennzeich­nungssystem aus schwarzen Tafeln mit weißer Aufschrift und weißen Banderolen, auf denen das Wort VIA (lat. für Weg) steht, hilft bei der Orientierung. Entlang der Stre­cken geben Informationszentren, überdachte Rastplätze, sogenannte Mansiones, und Infotafeln Aus­kunft über die Sehenswürdigkei­ten.

Die Reise über die Via Belgica beginnt im Römisch-Germanischen Museum in Köln, wo Besucher die Römerstraße an mehreren Stellen nacherleben können. Direkt in der Eingangshalle gibt ein Bildschirm erste Informationen zu den anti­ken Wegen. Im ersten Stock befin­det sich außerdem ein römischer Reisewagen und die Peutingersche Tafel, eine Mappe, auf der die Reisewege der Römer nachgezeichnet sind.

Über die Aachener Straße in der Kölner Innenstadt geht es dann zu Fuß oder mit dem Fahrrad vorbei an ersten Meilentaktungen, die die Entfernung zum Startpunkt in Köln angeben, weiter in Richtung Bergheim. Auf dem Weg in die Stadt, am Rand des Königsdorfer Forsts, liegt der einzige militärische Straßenposten der Römer, bei dem die Wall- und Grabenanlage noch zu sehen sind. Direkt an der Route steht außerdem der alte Kirchturm der Gemeinde Thorr, die heute zu Bergheim gehört.

Weitere Sehenswürdigkeiten sind etwas abseits der Route zu sehen: Schloss Paffendorf, das Aachener Tor mit Stadtbefestigung und die Zivericher Mühle. In Elsdorf wohnten im ersten Jahrhundert nach Christus schon Römer. Auf der Strecke lassen sich noch heute Überreste dieser Straßensiedlung erkennen.

Auch in Aldenhoven, der nächsten Station auf der Strecke, sind viele Überreste aus römischer Zeit zu sehen. Im Zentrum stehen Teile einer alten Befestigungsanlage aus dem Mittelalter. In Jülich, wo die Römer rund um den heutigen Marktplatz siedelten, kann das Fahrrad wieder mal für längere Zeit abgestellt werden. In der Zitadelle einem Bestandteil der mittelalterlichen Festung der Stadt, erleben die Besucher die Via Belgica im Wandel der Zeit. Das in der Zitadelle eingerichtete Museum zeigt auch einen Originalen Profilschnitt der antiken Straße.

Nach einer kurzen Reise durch die Zeit geht es weiter nach Baesweiler. Die Stadt hat eine 7000 Jahre alte Siedlungsgeschichte. Von Ost nach West durchquert die Via Belgica das Stadtgebiet. Die Route verläuft dabei nördlich und südlich der römischen Straße und kreuzt diese an einer Stelle. Über Teile des Haldenrundweges erreicht man das direkt an der Via Belgica gelegene Mansio mit Informationstafeln. Von dort führt die Route über einen Radweg nach Übach-Palenberg.

Die letzte Station auf der ursprünglichen Route der Römerstraße ist das heutige Übach-Palenberg. Hier entstand dank des Flusslaufs der Wurm, der die Via Belgica kreuzte, eine römische Straßensiedlung am Ufer. Vom ersten bis vierten Jahrhundert nach Christus lebten dort die Römer. Teile der alten Route verlaufen oberhalb des Herbacher Waldes in Übach.

Neben römischen Spuren gibt es dort eine weitere Sehenswürdigkeit: der Wasserturm der Grube Magnus von 1912. Zwischen Pa­lenberg und Marienburg haben Ar­chäologen die Grundmauern eines römischen Gutshofs ausgegraben. Das dazugehörige römische Bade­haus kann besichtigt werden.

Trasse als Weltkulturerbe?

„Unser Projekt findet an der nie­derländischen Grenze sein Ende“, erklärt Projektleiterin Nora Andri­kopoulou. Etwa 7,5 Millionen Euro hat der „Erlebnisraum Römer­straße“ die Beteiligten insgesamt gekostet, wobei 50 Prozent aus der EU-Förderung und 30 Prozent aus der Städteförderung kamen. Mit 20 Prozent haben sich die Kommunen am infrastrukturellen Projekt beteiligt.

Doch es scheint kein Ende in Sicht zu sein, denn es sollen wei­tere Römerstraßen in den „Erleb­nisraum“ eingebunden werden, zum Beispiel die Limesstraße. Sie verläuft durch Bonn und hat ihren Ursprung in Rheinland-Pfalz. Wir möchten, dass diese Trasse Welt­kulturerbe wird, und wir die Li­messtraße 2018 in den „Erlebnis­raum Römerstraße“ einbinden können“, sagt Horn. Ein gemeinsamer Antrag zusam­men mit Vertretern der Nieder­lande und aus Rheinland-Pfalz soll 2017 bei der EU eingereicht wer­den.

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