Pax-Bank-Prozess: Linksextreme Bankräuberin verurteilt

Von: Marlon Gego
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Die Hauptangeklagte Lisa D. beim Betreten des Gerichtssaals. Die linksextreme Austro-Italienerin soll Anführerin der wahrscheinlich fünfköpfigen Bande gewesen sein. Foto: Ralf Roeger
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Der mitangeklagte Anarchist Aderito S. N. (59) aus Portugal wurde wegen Zweifeln an seiner Beteiligung am Überfall freigesprochen.
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Nach der Auswertung der DNA-Spuren und des Videomaterials bestanden laut Gericht „keine vernünftigen Zweifel“ an der Täterschaft der Angeklagten. Foto: Ralf Roeger
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Großer Andrang herrschte am Tag der Urteilsverkündung vor dem Gericht. Es kam sogar zu einem Handgemenge zwischen einem Sympathisanten der Angeklagten und einem Reporter. Foto: Ralf Roeger
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Papierberge: Die Prozessakten auf einem Wagen im Aachener Landgericht. Foto: Ralf Roeger
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Beim Überfall auf die Pax-Bank in Aachen soll die Bande am 19. November 2014 die 17 Bankangestellten und zwei Putzfrauen in ihre Gewalt gebracht und 425.410 Euro erbeutet haben. Foto: Ralf Roeger

Aachen. Die 36 Jahre alte Lisa D. ist am Mittwoch wegen des Überfalls auf die Pax-Bank in Aachen am 19. November 2014 vom Aachener Landgericht zu siebeneinhalb Jahren Haft verurteilt worden.

Das Gericht sah es als erwiesen an, dass die linksextreme Austro-Italienerin Anführerin einer wahrscheinlich fünfköpfigen Bande war, die 17 Bankangestellte und zwei Putzfrauen in ihre Gewalt gebracht und dann 425.410 Euro plus ausländische Devisen im Wert von einigen Tausend Euro erbeutet hatte.

Der mitangeklagte Anarchist Aderito S.N. (59) aus Portugal wurde wegen Zweifeln an seiner Beteiligung am Überfall freigesprochen. Nach fast einem Jahr in Untersuchungshaft durfte er das Landgericht am Mittwoch als freier Mann entlassen.

Handgemenge mit WDR-Reporter

Nach der eineinhalbstündigen Urteilsverkündung kam es im Publikum zu Tumulten, in spanischen Sprechchören beschimpften viele der Zuschauer die fünf Richter, vor dem Gerichtssaal kam es zu einem Handgemenge zwischen einem Sympathisanten der Angeklagten und einem Reporter des WDR. Doch die Wachtmeister des Landgerichts und die Polizei waren gut vorbereitet, die Lage war schnell wieder beruhigt.

Der Vorsitzende Richter Hans-Günter Görgen begründete Lisa D.s Verurteilung damit, dass nach der Auswertung der DNA-Spuren und des in der Pax-Bank während des Überfalls entstandenen Videomaterials „keine vernünftigen Zweifel“ an D.s Täterschaft bestünden. Kleidung, Schal, Perücke und Brille, die die Täterin während des Überfalls getragen hatte, waren kurz nach dem Überfall von zwei Kehrmännern nahe der Bank in einer Tasche gefunden worden. An diesen Kleidungsstücken befanden sich DNA-Spuren, die ein Sachverständiger eindeutig Lisa D. zugeordnet hatte.

Anders bei Aderito S.N.: Zwar wurde auch seine DNA am Tatort sichergestellt, allerdings befand sie sich an einem Schraubenzieher, den einer der Täter im Tresorraum der Pax-Bank liegengelassen hatte. Zweifelsfrei erwiesen sei lediglich, sagte Görgen, dass Aderito S.N. während des Überfalls nicht im Tresorraum gewesen war und jemand anders den Schraubenzieher dort verwendet hatte. Wann und wie S.N.s DNA auf das Werkzeug gekommen ist, sei nicht festzustellen gewesen.

„Zehn Prozent Zweifel reichen“

Dass Aderito S.N. freigesprochen wurde, bedeute allerdings nicht, dass das Gericht von seiner Unschuld überzeugt sei. „Aber nur zehn Prozent Zweifel reichen“, sagte Richter Görgen, „um den Grundsatz in dubio pro reo anzuwenden“: im Zweifel für den Angeklagten. Lisa D.s Verteidiger kündigte an, wahrscheinlich Revision einlegen zu wollen. In dem Fall müsste sich der Bundesgerichtshof noch einmal mit dem Fall beschäftigen.

Die Aachener Staatsanwaltschaft ist mehr denn je überzeugt, dass der Überfall auf die Pax-Bank zu einer Serie von drei Banküberfällen zählt, die Mitglieder der linksextremen Hausbesetzerszene Barcelonas in Aachen begangen hatten, um damit die Szene zu finanzieren.

Sowohl Lisa D. als auch Aderito S.N. gehören dieser Hausbesetzerszene an, ebenso Lianne Z., die vergangenen Dezember vom Aachener Landgericht allerdings freigesprochen worden war. Sie stand im Verdacht, im Sommer 2013 mit zwei bislang unbekannten Mittätern eine Filiale der Aachener Bank ganz in der Nähe der Pax-Bank überfallen zu haben.

Ein Überfall auf eine andere Filiale der Aachener Bank 2012 ist völlig ungeklärt. Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft und des Landeskriminalamtes in Düsseldorf dauern an.

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