Patent: Öcher Karlswurst soll Printe den Rang ablaufen

Von: Robert Esser
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Karlswurst eifert Aachener Pri
Karlswurst eifert Aachener Printe nach: Die Fleischer mit ihrem Obermeister Wolfgang Flachs (2.v.r.) haben europäische Patente durchgesetzt - und starten die Vermarktung. Foto: R. Esser

Köln. Zwischen Erfindungen wie Pizza am Stiel und Kuchen aus dem Toaster lassen Aachens Metzger auf der Ernährungsmesse Anuga aus der Printenstadt gerade eine Wursthochburg erwachsen.

Das klingt kurios, wurde aber am Dienstag in Köln unter den Augen des eigentlich Fleisch-skeptischen grünen NRW-Landwirtschaftsministers Johannes Remmel tatsächlich so kundgetan. Denn Nordrhein-Westfalen hat außer Dortmunder Bier, Kölsch und der Aachener Printe keinerlei europäische Patente in Sachen „Geo-Schutz” zu bieten.

„Nach mehr als vier Jahren gelingt es uns jetzt, den Öcher Puttes, die Karlswurst und die Aachener Weihnachtsleberwurst patentieren zu lassen”, freut sich Obermeister Wolfgang Flachs. So soll der Westzipfel als offizielles Zentrum regionaler Fleischverarbeitungskunst zu weltweit renommierten Marken wie Champagner, Mailänder Salami und Parma-Schinken aufschließen. „NRW ist in Sachen Ernährung mit 800.000 Arbeitsplätzen von Saatgut bis Fastfood ein schlafender Riese”, sagt Otto A. Strecker. Er betreut für die Landesregierung das Projekt „Ernährung.NRW”. Italiener, Franzosen und Spanier seien den Deutschen in Sachen regionaler Vermarktung meilenweit voraus, klagt er.

„Und dies können wir mit den drei neuen Patenten aus Aachen durchaus ändern - denn viel mehr als Printen und Köln gibts aus dem Westzipfel nicht”, sagt Strecker. Bislang. Denn jetzt sollen die Produkte aus der Kaiserstadt die regionale Vermarktung ankurbeln: der Öcher Puttes als etablierte Blutwurst-Variante, die Aachener Weihnachtsleberwurst nach einer edlen Rezeptur aus dem 19. Jahrhundert und die Karlswurst mit Kräutern, die im 1200 Jahre alten Kräuter-Büchlein aus Kaiser Karls Garten gelistet sein müssen. Die Leberwurst sei Aachens „fleischgewordene Printe” lobte Aachens Oberbürgermeister Marcel Philipp bereits.

Und Lambertz-Inhaber Hermann Bühlbecker freut sich mit: „Nürnberg hat es ebenfalls geschafft, für Rostbratwürste und Lebkuchen bekannt zu werden”, sagt er. Dass die Aachener Weihnachtsleberwurst dank Ingredienzien wie Kardamom, Anis und Koriander sowieso ein printenähnliches Aroma besitzt, hilft da natürlich. Es reicht aber nicht. „Der Fleischmarkt ist hart umkämpft, jetzt muss das Marketing mit den Aachener Namensrechten angeschoben werden und das Produkt europaweit verfügbar gemacht werden”, rät Printen-Spezialist Bühlbecker. Seine Marken-Printen und Backwaren - bald auch die neue „Filmlegendendose mit legendärem Gebäck” - sind auf dem kompletten Weltmarkt platziert.

86 Prozent der 6596 Aussteller auf der Anuga kommen aus dem Ausland. Für die Aachener Wurstambitionen dürfte die Ernährungsplattform auf 284.000 Quadratmetern und mit Zehntausenden Besuchern groß genug sein. Die Messefläche entspricht etwa 50 Fußballplätzen. Der Ausstellungsbereich der Aachener Metzger auf der Kölner Messe misst hingegen gerade mal so viel wie ein Fußballtor. Aber da will schließlich jeder Spieler hin. Das wollen die Fleischer messerscharf erkannt haben.
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