Pannen bei Festnahme der Sauerland-Gruppe

Von: dpa
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Daniel S. Sauerland-Prozess
Daniel S. wird die Mitgliedschaft in einer Terrorvereinigung und versuchter Mord vorgeworfen. Foto: ddp

Düsseldorf. Bei der Festnahme der mutmaßlichen Terroristen der Sauerland-Gruppe im Herbst 2007 hat es massive Kommunikationspannen unter den Einsatzkräften gegeben.

Der Funkkontakt sei bei der Verfolgung des geflüchteten Daniel Schneider abgebrochen, sagten beteiligte Polizisten am Dienstag als Zeugen vor dem Düsseldorfer Oberlandesgericht.

Vier Beamte konnten Schneider schließlich überwältigen und ihm die Dienstwaffe eines Polizisten wieder entwinden, die er zuvor einem Beamten im Nahkampf aus der Pistolentasche gerissen hatte.

Als Konsequenz hätten die Beamten inzwischen bessere Waffenhalterungen bekommen, sagte eine Polizistin.

Es habe Probleme gegeben, den Einsatzleiter zu verständigen, sagte die Kriminalkommissarin, die gemeinsam mit ihrem Kollegen Schneider zu Fuß verfolgt hatte. Schneider war vor den Augen des Polizeikommandos barfuß aus einem Ferienhaus im sauerländischen Oberschledorn geflohen, zwei Komplizen wurden dort festgenommen.

Einer der Beamten sei noch auf die Straße gelaufen und habe gerufen: „Habt Ihr ihn?”. Das erinnerte der Leiter der Einsatzgruppe des Bundeskriminalamts (BKA), die einen Absperrring um das Haus gebildet hatte. Erst dadurch sei ihm klar geworden, dass Schneider entwischt war.

Und erst die Hilferufe einer Kommissarin machten ihm deutlich, dass bereits Kollegen hinter Schneider her waren. Denn der Funk habe nicht funktioniert.

Im Gegensatz zu einem ihrer Kollegen sagte die Polizistin, sie habe bei dem Handgemenge nur einen Schuss gehört. Der ging nach übereinstimmenden Aussagen der Beteiligten ins Leere.

Anders als ihr Kollege habe sie kein zweites Klicken wahrgenommen, als ob der Abzug der Waffe ein weiteres Mal betätigt worden sei. Sie habe „keine Erklärung dafür”, dass einer der Einsatzleiter später aussagte, Schneider habe auf ihren Kollegen geschossen.

Der 24-jährige Schneider muss sich als einziger der vier Angeklagten auch wegen versuchten Mordes verantworten. Den Islamisten wird die Vorbereitung von Bombenanschlägen in Deutschland sowie die Mitgliedschaft in einer Terrorvereinigung vorgeworfen.

Die Polizistin sagte, sie habe bei dem Handgemenge ihres Kollegen mit Schneider fünf- bis sechsmal so laut sie konnte ihr Einsatzteam zu Hilfe gerufen.

Sie habe Schneider mit ihren Fingern fest in die Augen gedrückt, so wie sie es in der Ausbildung gelernt habe. Der Druck habe aber keinerlei Wirkung gezeigt.

Schließlich seien der Einsatzleiter und ein vierter Beamter eingetroffen und hätten Schneider nach heftigen Schlägen gegen den Kopf die Waffe entrissen.

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