München - Ottfried Fischer: Der Bulle im Vogelkäfig

Ottfried Fischer: Der Bulle im Vogelkäfig

Von: Manfred Kutsch
Letzte Aktualisierung:
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München. Die „Wirthausgschich- tn” der Münchner Gaststätte „Schlachthof” sind seit Mittwoch um ein dickes Kapitel reicher. Auf der Bühne des Festsaals zwei AKV-Banner, ein Mini-Vogelkäfig. Und davor vier Kamerateams, zehn Fotografen. Ins Blitzlichtgewitter hinein hält der designierte Ritter Wider den tierischen Ernst zwei Victory-Zeichen und ruft: „Aachen, ich komme!”

Neben den gespreizten Fingern haben sich AKV-Präsident Werner Pfeil und Vize Norbert Königs positioniert, die in der Sternstunde der medialen Kürung ihres neuen Ritters die Narrenkappen nicht aufgesetzt haben.

Ein Herz für die Entrechteten

Jetzt schlägt die Stunde von Medienberaterin Ursula Herrling-Tusch: „Meine Herren, die Mützen auf!” Und wenig später: „Jetzt die Mädchen. Einsatz!” Die eigens in die bayerische Metropole mit geflogenen AKV-Girls Maria und Sirin formen brav ihre Schmollmünder, schmiegen sich etwas zaudernd an den Kabarettisten und Schauspieler heran, erreichen aber wegen dessen körperlicher Pufferzone nicht ganz die Wangen des Begehrten. Kommandos der Fotografen im Showbusiness können gnadenlos sein: „Näher ran, Mädels, näher ran!”

Fischers Augen werden immer schmaler. Etwas angestrengt, aber hoch konzentriert, schätzt er vor versammelter Presse sein neu gewonnenes närrisches Standing mit Öcher Ehren ein: „Ich fühle mich von diesem einzigartigen Orden sehr geehrt. Das ist etwas anderes als das Bundesverdienstkreuz, das es am laufenden Band gibt.”

Ja, natürlich freut er sich amtsgemäß auf die Festsitzung am 28. Januar 2012 und offenbart dabei sein professionelles Selbstverständnis von Humor: „Den muss man mit sehr viel Ernsthaftigkeit ausüben.” Überzeugt ist er davon, dass sein Laudator Karl-Theodor zu Guttenberg seine Rede ebenfalls selbst schreiben wird: „Ich weiß ja, dass er ein hervorragender Redner ist.”

Ohnehin verbinden ihn zu einstigen Rittern besondere Beziehungen. Zu den bajuwarischen Landsleuten Stoiber, Waigel, Gloria von Thurn und Taxis ohnehin, aber auch zu Henning Scherf, „der schon auf meinem Bauernhof Urlaub gemacht hat”. Dann wirft er einen Blick auf die respektable Liste an Persönlichkeiten wider den tierischen Ernst und meint dann, jenseits des Verdachtes falscher Bescheidenheit: „Die sind alle ganz offensichtlich sehr vorsichtig und mit viel Überlegung ausgesucht. Sonst wäre man ja auch nicht auf mich gestoßen.”

Und dann geht es Schlag auf Schlag. Vier Frauen erst in Ritterwürde? „Das wird sich ändern, die sind auch im Kabarett total im Kommen.” Berührung mit dem rheinischen Karneval? „Klar. In Bonn erhielt ich den Polizeiorden Bullemerit.” Was er mit Aachen verbindet? „Zentis, Ulla Schmidt, Tivoli.” Weil nämlich dort sein Verein, 1860 München, zuweilen aufspielt: „An meiner Liebe zu diesem Verein erkennt man mein Herz für die Schwachen und Entrechteten.”

Welches persönliche Verhältnis Ottfried Fischer zu seiner Korpulenz hat? „Die hat sich natürlich zu einem wichtigen Markenzeichen entwickelt, das mir beruflich zuweilen auch nützlich ist.” Dann hält er inne. Und schiebt nach: „Das soll aber nicht heißen, dass ich doch gerne mal abnehmen würde.”

Werner Pfeil folgt Fischers Ausführungen mit einem Schmunzeln. Inzwischen durfte er auch wieder die Kappe ablegen, die Fotografen sind durch die schweren Eichentüren des „Schlachthofes” längst entschwundenen. Der Präsident ist überzeugt davon, „einen tollen Ritter” gewonnen zu haben - lange genug hat er ja gesucht. In früheren Jahren wurde die närrische Top-Personalie zumeist im Juli oder im August bekanntgegeben. In der Begründung des Vereins steht gleich am Anfang: „Ob als Pfundskerl im Boulevard, Bulle von Tölz oder Pater in kriminalistischer Mission: Ottfried Fischer hat viele Pfunde, mit denen er wuchern kann.”

Der Kabarettist und Volksschauspieler mit einem Millionenpublikum” halte er „humorvoll und hintergründig den Menschen den Spiegel vor”. Kein Thema spare der neue Ritter aus - sogar seine eigene Krankheit nicht. „Trotz Parkinson” werde der 58-Jährige „auch künftig keine Schüttelreime machen”, wie Fischer einst sagte.
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