Ordensbruder soll bis zu 37 Jungen getötet haben

Von: Marc Heckert
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Roermond. Ein Ordensbruder wird von der niederländischen Justiz verdächtigt, für den Tod von bis zu 37 Jungen und jungen Männern in einem katholischen Jungeninternat bei Roermond verantwortlich zu sein.

Die ungewöhnliche Häufung von Todesfällen ereignete sich zwischen 1952 und 1954 im St.-Joseph-Heim in Heels, etwa 25 Kilometer nordwestlich von Heinsberg. Die Ermittlungen kamen im vergangenen Jahr ins Rollen, nachdem eine Kommission im Archiv des Bistums Roermond nach Fällen von sexuellem Missbrauch geforscht hatte. Angesichts der überaus hohen Zahl der Fälle geht die Staatsanwaltschaft Roermond davon aus, dass es sich um Verbrechen gehandelt haben muss.

Wie die Justizbehörde am Donnerstag mitteilte, konzentrierten sich die Ermittlungen auf den damaligen Leiter einer Abteilung des Internats. In niederländischen Medien wurde berichtet, er habe seine Opfer möglicherweise durch eine Überdosis Morphium getötet. Nachdem er 1954 versetzt worden war, hörte die Serie auffälliger Tode abrupt auf, die Sterberate in dem Heim sank auf ein normales Niveau.

Eine interne Untersuchung des Bistums war 1959 ohne Ergebnis eingestellt worden, die Polizei wurde gar nicht erst informiert. Mehrere Mitarbeiter wurden versetzt. Der verdächtige Ordensbruder starb 1997.

Obwohl die Taten nicht mehr angeklagt werden können, will die Justizbehörde nun die Hintergründe aufklären. Alte Archivunterlagen sollen dabei helfen, Angehörige oder Zeugen aufzuspüren. Heute befindet sich eine Klinik für psychisch Kranke auf dem Gelände.

Der Anstaltsarzt hatte nach Medienberichten bereits in den 50er und 60er-Jahren nachträgliche Zweifel geäußert, dass die Jungen an natürlichen Todesursachen gestorben seien, wie seinerzeit von ihm selbst bescheinigt. Gegen ihn ermittelt die Staatsanwaltschaft nun ebenfalls, auch wegen Urkundenfälschung.
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