Orden wird das Kloster Steinfeld aufgeben

Von: Claudia Schweda
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Schwierige Gemengelage: Das Kloster Steinfeld steht zum Verkauf. Doch die Basilika in Steinfeld und das frei stehende Pfarrhaus rechts davon gehören der örtlichen Gemeinde, die seelsorgerisch aber von den Salvatorianern betreut werden. Foto: stock/Hans Blossey

Kall. Im Kloster Steinfeld wird sich etwas verändern. So viel steht fest. Die Indizien dafür häufen sich seit einiger Zeit. Das Internat ist seit Juli bereits geschlossen. Eine Biogasanlage, an der der Salvatorianerorden die Mehrheit hält, hat im August Insolvenz beantragt. Von zehn Ordensbrüdern sind noch vier im aktiven Dienst. Nachwuchs kommt nicht nach. Jetzt liegt das Hochglanzexposé für mögliche Interessenten an dem Kloster vor: „Ein himmlischer Platz für Ihr Investment.“

Die Analyse-DVD, die auf Anfrage verschickt wird, offenbart, was vor Ort noch nicht alle wahrhaben wollen: „Die Ordensgemeinschaft wird diese Anlage aufgeben“, heißt es darin. „Der Verkauf der gesamten Anlage ist beschlossen.“ Der Gebäudekomplex selbst, zeigt die Analyse, steht zwar nicht kurz vor dem Zusammenbruch, ein Investor hat aber auch angesichts der Größe der Anlage und des Denkmalschutzes eine echte Aufgabe vor sich.

Im vorigen Jahr hatte sich der Orden an Bischof Heinrich Mussinghoff gewandt: „Sie meldeten Schwierigkeiten an und baten das Bistum Aachen um Hilfe“, sagt Jürgen Jansen. Der Leiter der Abteilung Organisation und strategisches Controlling moderiert seitdem einen Prozess, an dessen Ende jedenfalls nicht mehr das stehen wird, was das Kloster Steinfeld heute ist: Ein Gebäudekomplex mit 38.000 Quadratmetern Nutzfläche auf einem Gelände von acht Hektar, auf und in dem von den Salvatorianern bislang ein Gäste- und Tagungshaus mit Café sowie ein Gymnasium mit etwa 700 Schülern betrieben wird.

Das Bistum gibt den Salvatorianern Zeit bis 2016, um eine neue Nutzung auf den Weg zu bringen. „Wir sprechen nicht über den Erhalt des Status Quo“, sagt Jansen unmissverständlich. Wenn sich keine neue Nutzung finde, drohe im schlimmsten Fall der Leerstand. Das Bistum jedenfalls werde die Gebäude nicht übernehmen.

Dabei ist die Basilika, die für Besucher und Pilger das spirituelle Zentrum darstellt, nicht Teil der Überlegungen. Denn die Basilika und das frei stehende Pfarrhaus gehören der Gemeinschaft der Gemeinden (GdG) Steinfeld. Was auch immer die Salvatorianer also tun: Die Basilika gehört nicht dem Orden und ist deswegen nicht Teil der Gebäude, für die ein Käufer gesucht wird. Allerdings leisten die Salvatorianer dort die geistliche Arbeit und werden dafür vom Bistum entlohnt. „Ein Pater leitet die GdG“, sagt Jansen, „das ist ein Unikat im ganzen Bistum.“ Und genau daher rührt das Interesse des Bischofs, den Salvatorianern zu helfen, vor Ort bleiben zu können. Findet der Orden keinen neuen Weg in Steinfeld, der auch der Communität einen Verbleib sichert, hat der Bischof ein Problem mehr: Einer GdG im Bistum käme das geistliche Oberhaupt abhanden. Was auch immer mit dem Gebäudekomplex passiert.

1923 hatte der Orden das damalige Schloss in Kall-Steinfeld in Besitz genommen, 1924 wurde die Schule gegründet, in den 50er und 60er Jahren entstanden die Anbauten für die Schule und das Internat. Und diese Jahreszahlen sind ein Teil des Problems: „Der Orden hat Schwierigkeiten, die Klosterimmobilien dauerhaft instand zu setzen und den nötigen Sanierungsbedarf zu leisten“, sagt Jansen Wie hoch dieser Sanierungsbedarf ist, dazu sagt er nichts. Eingeweihte sprechen von über acht Millionen Euro. Es heißt, der Orden schieße jährlich einen hohen sechsstelligen Betrag zum Klosterbetrieb hinzu.

Dabei wird der Schulbetrieb zu 94 Prozent vom Land NRW getragen. Das Bistum zahlt nur einen minimalen Anteil an den Kosten: 1,5 Prozent. Wie viel das in absoluten Zahlen bedeutet, schwankt nach Jansens Angaben von Jahr zu Jahr. 2012 belief sich die Summe auf 80.000 Euro. Allerdings wäre diese Summe wohl deutlich höher, wenn die Gebäude adäquat saniert würden. Die gerade fertiggestellte Standort- und Objektanalyse der Bamberger Firma Kips – auch in diesem Fall hat die Kosten im fünfstelligen Bereich das Bistum übernommen –, benennt auf 450 Seiten schonungslos die Schwachstellen: Die Substanz der historischen Gebäude sei „zufriedenstellend“. Sanierungsbedürftig seien vor allem die Fassaden und bei mehreren Gebäuden die nur einfach verglasten Fenster. Café und Klosterladen seien „insgesamt in einem mittelmäßigen Zustand“, aus energetischer Sicht seien „fast alle Gebäude aufrüstungsbedürftig“, wobei bei allen nötigen Arbeiten die Denkmaleigenschaften berücksichtigt werden müssten. Das Internatsgebäude sei „stark sanierungsbedürftig“, der Zustand der Schulgebäude dagegen insgesamt gut. „Die Haustechnik ist überwiegend veraltet.“ Zudem versorge die Heizungsanlage von 1985 („ihre Lebensdauer ist bereits überschritten“) eine Reihe weiterer Gebäude.

Der Bistumsbeauftragte weiß, dass bereits eine Reihe von Bildungsträgern, Hoteliers und Kliniken, die für ähnliche Umnutzungsprojekte in Europa bekannt sind, diese Unterlagen bereits vorliegen haben. Erste Interessenten hätten sich gemeldet, sagt Jansen. Die Gespräche liefen. Doch die Größe des Komplexes in Steinfeld in Kombination mit dem Denkmalschutz sowie der Kirche und dem Pfarrhaus, die auf dem Gelände lägen, aber nicht zum Kloster gehörten, mache das Projekt außergewöhnlich komplex.

Alle notwendigen Beteiligten für Gespräche über eine neue Nutzung – Orden, Bistum, Kreis Euskirchen, Gemeinde Kall und Denkmalpflegebehörde – hat Jansen an einem Runden Tisch versammelt. Am 9. Oktober wird der zum zweiten Mal tagen. Bis dahin will der Salvatorianerorden einen Konsolidierungsplan vorlegen. Ob eine Schulschließung Teil des Plans ist, wird sich dann zeigen. „Das Bistum jedenfalls wird keine weitere Schule in eigener Trägerschaft übernehmen.“

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