Opfer kann den Angeklagten nicht identifizieren

Von: Michael Klarmann
Letzte Aktualisierung:

Aachen. Der Prozess gegen Neonazis wegen eines Angriffs auf eine Demonstration von Nazigegnern in Aachen im März 2008 könnte sich weiter in die Länge ziehen.

In der Verhandlung am Donnerstag teilte die Staatsanwaltschaft mit, möglicherweise weitere Beweismittel heranziehen und neue Zeugen laden zu wollen. Drei der vier Angeklagten schweigen bisher zu den Vorwürfen. Zeugenaussagen blieben teils widersprüchlich, gesichtetes Beweismaterial war nicht mehr aktuell.

Wie berichtet, müssen sich vier Neonazis aus Düren, Aachen und Vettweiß - darunter führende Kader der „Kameradschaft Aachener Land” (KAL) - vor dem Amtsgericht in Aachen verantworten. Einer der Angeklagten, der wegen Körperverletzung schon zu einer Bewährungsstrafe verurteilt wurde, muss sich zudem wegen zweier weiterer Gewalttaten verantworten. Gegen den Studenten aus Düren ist darüberhinaus noch ein gesondertes Verfahren wegen Körperverletzung anhängig.

Seine Bewährungshelferin sagte nun über den Neonazi, sie halte den zwar höflich und ordentlich auftretenden jungen Mann für „nicht einsichtig”, was die eigene Verurteilung und neue Anklagen gegen ihn anbelangt.

Verfahren verschleppt?

Einem der Anklagepunkte zufolge soll der Student im Dezember 2009 eine Angestellte einer Aachener Diskothek bei einem Streit zwischen Gästen, Personal und Neonazis geschlagen haben. Das Opfer, eine 37-jährige Polin, konnte den Angeklagten als Zeugin jedoch nicht identifizieren.

Keine Klarheit brachten bisher gehörte Zeugen und neues Beweismaterial zu dem Angriff von 30 bis 40 vermummten Neonazis auf die Demonstration nahe dem Elisenbrunnen in Aachen. Hierzu sollen am 11. November auch drei Nazigegner gehört werden. Die Organisatoren der angegriffenen Demonstration hatten gegenüber dieser Zeitung schon vor Monaten in Stellungnahmen und bei Pressegesprächen kritisiert, dass das Verfahren von der Justiz verschleppt worden und Hintergründe nur unzureichend aufgeklärt worden seien.

Laut Staatsanwalt lag die Anklageschrift wegen des Angriffs auf die Demo dem Amtsgericht schon im Dezember 2008 vor. Laut Gericht kam es wegen der Erkrankung eines Richters zu Verzögerungen. Erst vor Monaten waren dann Heranwachsende in einem Prozess wegen des Angriffs verurteilt worden. Anlässlich der Verzögerungen teilte der Staatsanwalt nun mit, falls die Angeklagten weiter schweigen würden, müsse er darüber nachdenken, bisher noch nicht berücksichtigte Beweismittel und Zeugen aus anderen Verfahren hinzuzuziehen.
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