Operngala auf dem Marktplatz: Akteure sind bereit für die großen Gefühle

Von: Patrick Nowicki
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Eschweiler. Vor 25 Jahren hatte der Kulturmanager Max Krieger die Idee, ein Jazz-Festival in einem Viermaster-Zirkuszelt auf die Beine zu stellen. Daraus entstand schließlich das Eschweiler Music Festival, eines der größten Gratisfestivals in der Region.

Nach einem Vierteljahrhundert steht das Jubiläum auf dem Programm mit einem festlichen Höhepunkt am 13. August auf der neuen Freilichtbühne des Eschweiler Marktplatzes: die große italienische Opern-Gala mit Werken von Rossini, Verdi und Puccini, gespielt von der Russischen Kammerphilharmonie St. Petersburg und gesungen von den Sopranistinnen Anna Maria Kaufmann, Silvia Rampazzo und Eva Lind sowie dem Tenor Christian Lanza.

Silvia Rampazzo und Christian Lanza gaben uns im Interview Einblick in ihren Alltag auf der Opernbühne, sprachen über die Herausforderungen der italienischen Oper und darüber, was die Besucher der Operngala erwartet.

Herr Lanza, soll ich gleich zu Beginn die Frage nach Ihrem berühmten Großvater stellen?

Lanza: Dann würde ich wie immer die gleiche Antwort geben.

Dass es schwierig ist, wenn man als Enkel immer mit Mario Lanza verglichen wird?

Lanza: Mein Opa lebte in einer anderen Zeit. Es bestehen nur noch alte Aufnahmen. Ich selbst habe ihn nie live gehört. Wie will man das vergleichen? Ich stehe viel lieber auf der Bühne und schlüpfe dort in die verschiedenen Rollen. Die Zuhörer sollen dann entscheiden, ob ich mit meiner Stimme ihre Herzen erreicht habe. Ein Name alleine kann nichts erreichen.

Sie beide präsentieren auch berühmte Opern-Duette wie der gesungene Dialog zwischen Cavaradossi und Tosca aus der Oper „Tosca“. Worauf kommt es besonders an?

Rampazzo: Man muss die Stücke fühlen, man muss Emotionen vermitteln. Dies muss echt sein. Lanza: Ja, die Menschen verstehen ja oft die italienische Sprache nicht. Da muss man dennoch spüren, wovon wir singen.

Kommt es Ihnen zugute, dass Sie beide auch privat ein Paar sind?

Lanza: Es ist zumindest kein Nachteil. Dadurch entstand manch lustige Begebenheit. Vor allem dann, wenn die Zuschauer rätseln, wie man eine Liebe so täuschend echt besingen kann, ohne ein Paar zu sein. (lacht)

Was macht für Sie den Reiz der italienischen Oper aus?

Rampazzo: Sie lebt von den großen Gefühlen. Natürlich von der großen Liebe, von Eifersucht, Habgier. Und es gibt ausgezeichnete schillernde Figuren. Lanza: . . . und großes Drama! Als Paar kann man es noch deutlicher zum Ausdruck bringen.

Kann die italienische Oper nur von Italienern gesungen werden?

Lanza: So würde ich das nicht sagen. Aber es ist ein Vorteil, denn man muss sich nicht auf den Text konzentrieren, sondern kann sich ganz der Musik und der Rolle widmen. Man darf nicht vergessen, dass wir auf der Opernbühne ja auch schauspielern. In der Muttersprache fällt dies leichter.

Wenn man wie Sie fast täglich auf der Bühne steht, gibt es da noch Momente, an die Sie sich besonders gerne erinnern?

Rampazzo: Mir fällt da ein Konzert vor dem Geburtshaus von Giuseppe Verdi in Le Roncole ein. Das italienische Fernsehen hat live übertragen. Dieser Auftritt war sehr ergreifend.

Lanza: Das mag komisch klingen, aber es fühlte sich an, als schwebe der Geist Verdis über uns. Wir hatten großen Respekt davor, diese Lieder vor seinem Geburtshaus zu singen. Schon vor dem Auftritt hatten wir eine Gänsehaut.

Wie bereitet man sich auf ein Konzert vor?

Lanza: Man liest die Partitur, schaut sich die Noten an und setzt sich mit dem Dirigenten zusammen, um zu klären, an welchen Stellen man Luft holt, wie lange man Pausen lässt. Letztlich ist alles ja eine persönliche Interpretation der Noten. Da ist die Chemie zwischen Orchester und Sänger wichtig.

Bleibt während einer Tournee mit fast täglichen Konzerten Zeit zu üben?

Rampazzo: Nein, man übt nicht mehr, denn ich will ja beim Konzert alles geben. Mir darf die Stimme am Schluss nicht versagen. Deswegen ist natürlich wichtig, dass man über eine entsprechende Technik verfügt. Lanza: Das beste Training für die Stimme während einer anstrengenden Tournee ist der Schlaf. (lacht)

Wenn Sie sich für eine Arie oder ein Lied entscheiden dürften, welches würden Sie dann singen?

Rampazzo: Dann würde ich die Arie „Vissi d’arte“ aus der Oper „Tosca“ Giacomo Puccini wählen. Lanza: Diese Frage ist schwer zu beantworten. Aus meiner Sicht als Tenor gibt es viele wundervolle und anspruchsvolle Lieder, aber letztlich entscheidet alleine das Publikum.

Ist dies der Grund, dass am Schluss Ihres Programms oft leichte Stücke, auch neapolitanische Volkslieder angestimmt werden?

Lanza: Das spielt sicherlich eine Rolle. Wir haben oft gespürt, dass die Menschen begeistert reagiert haben, wenn wir ein sehr populäres Stück vortragen. Wenn man jung auf der Bühne ist, dann fragt man sich vielleicht an dieser Stelle: Wie kann das sein, da singt man die schwersten Arien, aber an anderer Stelle wird gejubelt?! Aber das Publikum hört aufmerksam zu, was auch anstrengend sein kann. Die Begeisterung entlädt sich bei Melodien, die sie sehr gut kennen. Rampazzo: Zum Beispiel bei „Funiculi Funicula“.

Das Finale der Gala in Eschweiler?

Lanza: Das wird nicht verraten. Aber es wird auf der neuen Freilichtbühne mit der Kirche als Kulisse sicher ein besonderes Konzert.

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