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Oldtimer-Messe in Maastricht unter neuem Namen

Von: Wolfram Hamann
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Große Auswahl: 300 Aussteller aus der ganzen Welt präsentieren in Maastricht anlässlich der Interclassics ihre automobilen Kostbarkeiten. Foto: Messe
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Stilikone des Designers Graf Goertz für BMW: Das Modell 507 ist auf der Interclassics in Maastricht zu bewundern. Foto: Wolfram Hamann

Maastricht. Es dürfte sich bei den Freunden klassischen Blechs mittlerweile herumgesprochen haben: Die Saison startet Anfang Januar – und zwar in Maastricht. Zur nunmehr 23. Auflage der Messe hat sich der Veranstalter vom sperrigen alten Namen getrennt und firmiert fortan nur noch unter dem Namen Interclassics.

Der frühere Zusatz „Topmobiel“ lebt hingegen als exklusiver Messepavillon in Maastricht fort. Den erwarteten 30.000 Besuchern wird wieder ein qualitativ hochwertiges, breit gestreutes und adäquat präsentiertes Fahrzeugangebot von 400 historischen Autos geboten. Dieses wird ergänzt durch Clubstände, Teilehändler und sonstige automobile Offerten. Zudem wird es wieder herausragende Sonderschauen geben, die mit einer Versteigerung von Klassikern durch ein renommiertes britisches Auktionshaus ergänzt werden.

Freunde des automobilen Kulturguts können sich in diesem Jahr auf eine besonders vornehme Sonderschau freuen, denn zum Thema „British Royals“ werden Fahrzeuge der Edelmarken Rolls-Royce und Bentley gezeigt. Beginnen wir mit dem letztgenannten Hersteller luxuriöser und exklusiver Automobile. Die 1919 in Großbritannien von Walter Owen Bentley (1888 bis 1971) gegründete Firma begann mit der Produktion mächtiger und leistungsstarker Sportwagen, die seinerzeit sehr erfolgreich an Rennen teilnahmen. Stellvertretend dazu wird der Sportwagen Bentley 4 1/2 Litre Vanden Plas aus dem berühmten Louwman-Museum in Den Haag gezeigt, welcher 1928 das legendäre 24-Stunden-Rennen von Le Mans gewann.

Wegen finanzieller Probleme wurde Bentley 1931 von Rolls-Royce übernommen, was eine fortschreitende Angleichung der Fahrzeuge zur Folge hatte. Und letztlich unterschieden sich ab Mitte der 1950er Jahre die Autos von Bentley und Rolls-Royce eigentlich nur noch durch den Kühlergrill. So zierte die Bentleys der geflügelte Großbuchstabe B (Firmenlogo); das Pendant von RR hingegen besaß einen an antike griechische Tempel erinnernden Kühler, über dem die bekannte Figur „Spirit of Ecstasy“ (Geist der Verzückung) schwebte. Seit 1998 gehört Bentley zum Volkswagenkonzern.

Rolls-Royce seit 2003 bei BMW

Rolls-Royce wurde bereits 1906 gegründet und stellte Flugzeugmotoren und Luxusautomobile her. Diese besaßen ein besonders exklusives Image und wurden von Prominenz und Adel – so auch dem britischen Königshaus- bevorzugt. Die Kosten des Fahrzeugs schienen dabei eher zweitrangig zu sein (Zitat des Firmengründers Sir Henry Royce: „Qualität bleibt bestehen, wenn der Preis längst vergessen ist“).

Charakteristisch war der perfektionistische Qualitätsanspruch; die genaue Motorleistung wurde werksseitig seinerzeit lediglich mit „hinreichend“ angegeben. Die oben erwähnte Kühlerfigur kam im Lauf der Zeit zum Spitznamen „Emily“ – obwohl die Dame, die ihr einst als Vorbild diente, mit Vornamen Eleanor hieß. Doch auch diese britische Nobelfirma geriet in finanzielle Probleme und seit 2003 gehört Rolls-Royce zur BMW-Gruppe.

Und das führt uns zur zweiten Sonderschau, die vom niederländischen Club für Klassiker der Marke BMW ausgerichtet wird. Denn in diesem Jahr besteht die weißblaue Marke aus München 100 Jahre. Auch wenn die Firma schon drei Jahre zuvor als Flugzeugmotorenfabrik gegründet wurde, gilt 1916 als offizielles Entstehungsjahr von BMW, weil die Marke in jenem Jahr erstmals mit dem heutigen Namen auftrat. Man begann 1923 zunächst mit dem Bau von Motorrädern und startete 1928 mit der Automobilproduktion – und zwar in Eisenach.

Dort wurde der seinerzeit sehr erfolgreiche britische Kleinwagen Austin Seven als BMW „Dixi“ in Lizenz gefertigt. Anfang der 1930er Jahre folgte die Herstellung eigener Autos und der 1936 präsentierte zweisitzige, rassige Sportwagen des Typs 328 begründete wohl den sportlichen Mythos der Marke mit der Doppelniere in der Wagenfront.

Nach dem Zweiten Weltkrieg gab es im damals geteilten Deutschland mehrere Produktionsstätten und in München wurden zunächst Motorräder gebaut. Erfolgreich war BMW sodann mit der Lizenzfertigung des italienischen Rollermobils Iso Isetta (im Volksmund: „Knutschkugel“), welches dem in der Nachkriegszeit einsetzenden Wunsch zur Massenmotorisierung entsprach. Gleichzeitig bot der Hersteller aber auch Luxuslimousinen – heute als „Barockengel“ bekannt – sowie hochpreisige Sportwagen an, die sich aber nur in geringer Stückzahl verkaufen ließen.

So auch die lange Zeit unterbewertete, vom Designer Albrecht Graf Goertz gestaltete Stilikone BMW 507, ein Sportwagen, mit dem Elvis Presley während seiner Militärzeit in Deutschland unterwegs war. Unter anderen durch diese zunehmend wenig marktorientierte Modellpolitik geriet BMW ins finanzielle Abseits, doch Anfang der 1960er Jahre gelang der Durchbruch mit dem Mittelklassemodell BMW 1500 („neue Klasse“). Von da an ging es stetig aufwärts, und die Firma entwickelte ein breites Spektrum teils sehr sportlicher Fahrzeuge. Heute umfasst die BMW Group mit Sitz in München mehrere Marken, agiert weltweit und zählt zu den größten deutschen Wirtschaftsunternehmen.

Der erwähnte BMW 328 Roadster ist übrigens eines der Glanzlichter der am 16. Januar auf der InterClassics Maastricht stattfindenden Auktion von 60 Fahrzeugen. Der Schätzpreis dieses Wagens beträgt 290.000 bis 330.000 Euro.

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