Aachen - Oldtimer-Diebstahlserie: Wie zerronnen, so gewonnen

Oldtimer-Diebstahlserie: Wie zerronnen, so gewonnen

Von: Marlon Gego
Letzte Aktualisierung:
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Da ist er ja wieder: Floyd Faitz aus Aachen mit seinem Porsche 911 Carrera von 1986. Ein paar Stunden, nachdem er gestohlen wurde, hatte er ihn dank eines eingebauten GPS-Senders wieder zurück. Foto: Gego

Aachen. Dass sein Auto gestohlen wurde, hat Floyd Faitz eher zufällig festgestellt, er stand morgens auf und schaute auf sein iPad. Faitz‘ alter Porsche steht nicht bei ihm zu Hause, sondern in einer Tiefgarage ein paar Häuser weiter.

Doch über einen eingebauten GPS-Sender kann Faitz den Standort seines Oldtimers im Internet jederzeit verfolgen. Als Faitz an diesem Morgen also auf seinem Tablet herumwischte und im Internet nachschaute, ob der Porsche noch in der Tiefgarage stand, sah er: Das Auto ist weg. Der GPS-Sender funkte Signale aus Kerkrade, er stand nur ein paar Kilometer von der Aachener Tiefgarage entfernt. Es war der 22. Oktober, 8 Uhr morgens.

Ein ähnlicher Fall

Im Aachener Raum sind seit Ende Mai 15 Oldtimer gestohlen worden, im Sommer sprach die Polizei von einer Serie, doch in den vergangenen Wochen gab es außer Faitz‘ Porsche Carrera von 1986 keine neuen Fälle mehr. Ob das bedeutet, dass die Serie beendet ist, kann die Polizei nicht sagen, es kann ja jederzeit wieder losgehen. Fest steht nur, dass die Polizei mit viel Glück nur einen Fall aufklären konnte. Den anderen hat Floyd Faitz, 44 Jahre alter Bauingenieur aus Aachen, gleich selbst gelöst.

Nachdem er festgestellt hatte, dass sein Porsche offenbar gestohlen und in Kerkrade abgestellt worden war, rief Faitz die Aachener Polizei an. Da die deutsche Polizei nicht im Ausland tätig werden darf, verständigten die Aachener Beamten die niederländischen Kollegen, die sofort aktiv wurden. Um 9.30 Uhr, eineinhalb Stunden später, war Faitz‘ Porsche sichergestellt.

Mit Hilfe des GPS-Senders konnte Faitz sehen, dass sein Auto um 4.34 Uhr aus der Tiefgarage gestohlen worden war, er konnte sehen, welchen Weg die Täter nach Kerkrade genommen und wann sie das Auto dort abgestellt hatten. Was er nicht sehen konnte, war, warum die Diebe das Auto einfach so auf offener Straße stehenließen – und vor allem, warum sie offensichtlich nicht damit gerechnet haben, dass ein GPS-Sender in Faitz‘ Auto war.

Experten gehen davon aus, dass die meisten Autos in Deutschland von professionellen Banden aus Osteuropa und einigen Staaten der ehemaligen Sowjetunion gestohlen werden. Längst ist es üblich, dass diese Banden entweder militärische GPS-Störsender benutzen oder speziell abgeschirmte Anhänger, auf die die gestohlenen Autos verladen werden. Um an solche militärischen Störsender zu kommen, braucht es lediglich genügend kriminelle Energie und wenige hundert Euro; die Geräte sind einigermaßen problemlos in osteuropäischen Onlineshops zu kaufen.

Dass Faitz seinen Porsche so problemlos wiederfand, könnte darauf hindeuten, dass es eben keine professionelle Bande war, die seinen Porsche stahl, sondern Gelegenheitsdiebe. Dagegen spricht, dass die Täter den Porsche überhaupt gefunden haben. Faitz glaubt, die Diebe müssten ihn über längere Zeit ausspioniert haben, anders sei der Stellplatz seines Autos, mit dem er nur gelegentlich fährt, kaum zu finden gewesen.

Die niederländische Polizei stellte Faitz‘ Porsche an jenem 22. Oktober umgehend sicher, mit Hilfe eines Abschleppunternehmens durfte Faitz das Auto danach zurück nach Aachen bringen lassen. Für Faitz war das erfreulich, für die Allgemeinheit eher nicht. Denn die niederländische Polizei hätte auch die Möglichkeit gehabt, das Auto erst mal stehenzulassen und die Straße so lange zu observieren, bis die Diebe zurück zum Porsche gekommen wären.

In diesem Moment hätte die niederländische Polizei die Diebe festnehmen und an Deutschland ausliefern können. Diese Möglichkeit blieb ungenutzt. Weder die deutsche noch die niederländische Polizei hat eine Ahnung, wer das Auto gestohlen haben könnte.

So ist es für die deutsche Polizei schwierig, einen Zusammenhang zwischen Faitz‘ gestohlenem Porsche, einem gestohlenen Ferrari Testarossa aus Übach-Palenberg und einem gestohlenen BMW X5 aus Düren herzustellen. Der Testarossa war am 27. Mai, der X5 am 1. Juli gestohlen worden.

Weil in den X5 wie in Faitz‘ Porsche ein GPS-Sender eingebaut war, konnte die Dürener Polizei den X5 am 8. Juli in einer Halle in Kerkrade orten und von den niederländischen Kollegen sicherstellen lassen. In dieser Halle fanden die Polizisten auch den Ferrari Testarossa aus Übach-Palenberg.

Mehr Hilfe wäre schön gewesen

Schon damals beschäftigte die Ermittler dieselbe Frage wie im Fall von Faitz‘ Porsche: Um welche Art von Dieben handelt es sich? Der Diebstahl insbesondere des Testarossa, der aufwendig war und minuziöser Planung bedurfte, lässt auf eine organisierte Diebesbande schließen.

Doch dass die gestohlenen Autos mit Hilfe eines GPS-Senders wiedergefunden wurden, ist eher ein Indiz für Gelegenheitsdiebe. Und auch im Juli hatte die niederländische Polizei keine Anstalten gemacht, durch das Observieren der Halle in Kerkrade die Diebe zu ermitteln.

Die Aachener Polizei möchte die möglicherweise nachlässigen Ermittlungen der Polizei Südlimburg nicht kommentieren. „Es steht uns nicht zu, die Ermittlungsmethoden der niederländischen Kollegen zu bewerten“, sagte Petra Wienen, Sprecherin der Aachener Polizei, am Dienstag im Gespräch mit unserer Zeitung. Dass die deutsche Polizei andererseits nichts gegen etwas mehr Unterstützung aus Holland einzuwenden gehabt hätte, darf man wohl annehmen. Statistisch gesehen geht die Wahrscheinlichkeit, dass die Diebe noch gefasst werden, jetzt gegen null.

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