Wegberg - Öl pressen wie die Ahnen vor 300 Jahren

Öl pressen wie die Ahnen vor 300 Jahren

Von: Verena Müller
Letzte Aktualisierung:
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Ferdinand Schmitz zieht an einem Seil an der Ölpresse in der Schrofmühle. Dadurch setzt sich mittels Wasserkraft ein Rädchen in Bewegung und ein Holzbalken („Hei”) rammt einen Keil in die Bank. Das Leinsamenmehl im Säckchen in der Bank wird gepresst. Foto: V. Müller

Wegberg. Mit einem hellen Knall fällt ein eckiger Holzbalken senkrecht auf einen Keil. Zack! Der Holzkeil wird in den Stock der Ölpresse gerammt. Dann fährt der Balken, der sogenannte Hei, mittels Wasserkraft wieder hoch, bevor er erneut auf den Keil rast. Zack!

Wieder ein Stück in den Stock eingeschlagen. 40 Schläge sind nötig, dann sitzt der Keil fest. In der Ölpresse der Schrofmühle in Wegberg-Rickelrath befinden sich zwei Leinmehlsäcke, die mit jedem Schlag enger zusammengedrückt werden. „Öl schlagen”, nennen Fachleute den Vorgang. Daher auch der Name „Ölschläger” oder „Olligschläger”. „Öl pressen” würden Laien wohl sagen.

Ferdinand Schmitz ist Besitzer der Schrofmühle, in der sich neben der Ölpresse auch ein Getreidemahlwerk befindet. Das Wissen, wie man aus Flachs Öl macht, wurde in der Familie Schmitz über unzählige Generationen weitervererbt.

Jetzt lässt Ferdinand Schmitz die Besucher der historischen Wassermühle an seinem Wissen teilhaben. Am 1. Juni dieses Jahres werden es viele Prominente sein, dann nämlich wird in der Schrofmühle der 16. Deutsche Mühlentag der Deutschen Gesellschaft für Mühlenkunde und Mühlenerhaltung (DGM) eröffnet.

Seit 300 Jahren Familienbesitz

Die Schrofmühle hat ihren Namen wahrscheinlich vom mittelhochdeutschen Wort „schrof”, das auf unwegsames, sumpfiges Gelände hindeutet. Sie ist das, was man einen absoluten Glücksfall nennen darf. Seit 300 Jahren befindet sie sich im Familienbesitz der Schmitzens; 85 Prozent waren Ende der 70er vom Originalzustand von 1771 erhalten.

„Nur verdreckt” war sie, sagt Ferdinand Schmitz, als sich die Familie anschickte, die Mühle zu restaurieren. Die Initiative dazu hatte damals sein Vater, Theo Schmitz, ergriffen. Dessen Großeltern waren noch richtige Müller, so wie viele andere in Wegberg.

21 Mühlen waren einst in der Gemeinde in Betrieb. Zwischen Erkelenz und Krefeld wurde großflächig Flachs für die Leinenindustrie angebaut wurde, in Wegberg wurde aus dem Leinsamen Speise- und Lampenöl oder Möbelpolitur gemacht. Bis die Baumwolle das Leinen verdrängte. Ab 1900 stand die Ölpresse der Schrofmühle still, ab dann war sie eine reine Getreidemühle.

Der Weiher wuchs zusehends mit Schilf zu und verschlammte. Ab 1935 wurde er nicht mehr gereinigt, da die Bäche damals zu wenig Wasser führten. Seitdem, bis zum Einstellen des Betriebs im Jahr 1950, wurde die Mühle mit einem Dieselmotor angetrieben. Das Räder- und Mahlwerk blieb auch in den nachfolgenden Jahren unangetastet - im Gegensatz zu vielen anderen Mühlen, die zu Wohnräumen umgestaltet wurden.

Ende der 70er begann die Familie Schmitz mit den Reinigungsarbeiten von Weiher und Hofanlage und setzte in einem gemeinsamen Kraftakt ein neues Mühlrad ein. Das alte war bis auf zwei Speichen völlig verrottet. Ferdinand Schmitz machte damals gerade Abitur. Inzwischen wohnt er mit seiner Familie in der ehemaligen Scheune der Hofanlage der Mühle, die seit 1985 unter Denkmalschutz steht.

Stolz ist er auf seine Schrofmühle: „Sie ist die einzige im Rheinland, die mit Mühlsteinen und Presse im Originalzustand erhalten ist”, sagt er. 3000 Besuchern pro Jahr zeigt er die Funktionsweise. „Ganze Reisebusse kommen hier an”, erzählt Schmitz. Zum Mühlentag werden locker 500 auf einen Schlag erwartet. „Leichtsinnig” nennt Schmitz im Nachhinein seinen Entschluss, als er vor über einem Jahr einwilligte, die Ausrichtung des Eröffnungstags zu übernehmen, mit einem Augenzwinkern.

Ausstellung „Wegberger Mühlen”

Eine große Ehre ist die Eröffnung des bundesweiten Tages - NRW-Ministerpräsident Jürgen Rüttgers (CDU) wird beispielsiwese kommen - aber auch viel Arbeit. In Vorbereitung auf den Tag hat Ferdinand Schmitz in den ehemaligen Wohnräumen der Mühle eine kleine Ausstellung zur Geschichte der Mühlen im Schwalmtal eingerichtet. Künftig sollen hier auch Besuchergruppen rasten und selbstgebackenes Brot kaufen können. Auch hier galt bei der Renovierung - wie beim Rest der Hofanlage - möglichst viel des Originalzustands zu bewahren.

Geöffnete Mühlen in der Region

Am Pfingstmontag, 1. Juni, öffnen bundesweit über 1000 Wind- und Wassermühlen anlässlich des 16. Deutschen Mühlentags ihre Türen. Die Eröffnung in der Rickelrather Schrofmühle startet um 10 Uhr mit einem Ökumenischen Gottesdienst, um 10.30 Uhr beginnt der Festakt.

Weitere Mühlen: Historische Senfmühle (Laufenstr. 118, Monschau), Nick´s Mühle (Liebergstr. 1, Nideggen-Embken), Haarener Mühle (Eisweg, Waldfeucht-Haaren), Lümbacher Mühle (Zur Kornmühle 7, Heinsberg-Kirchhoven), Waldfeuchter Mühle (Kapellenstraße, Waldfeucht), Breberer Mühle (Mühlenstraße, Gangelt-Breberen), Alte Senfmühle Erkelenz (Richard-Lucas-Str. 10, Erkelenz-Ost), Millener Mühle (Zum Haus Millen, Selfkant-Millen), Horremer Mühle (Rathausstr. 53, Kerpen-Horrem), Kerpener Obermühle (Obermühle 14, Kerpen), Öbelsmühle (Auf dem Graben 16, Erftstadt-Lechenich), Bliesheimer Mühle (Merowinger Str. 115, Erftstadt-Bliesheim), Gymnicher Mühle (Gymnicher Mühle, Erfstadt-Gymnich).
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