Ökologische Landwirtschaft spielt auch in der Region eine Rolle

Von: MCD
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Sie serviert das Endprodukt: Westa Jenke arbeitet als Bedienung in einem Aachener Lokal und findet den regionalen Ansatz gut. Foto: MCD
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Ein Schweine-Leben auf dem Hof von Volker Gauchel in Aachen: Der Platz für die Tiere ist hier überdurchschnittlich groß. Foto: MCD

Aachen. Ein weitläufiger Hof zwischen Wald und Wiesen. Leichter Jauchegeruch liegt in der Luft, ein Hahn kräht. Klingt nach der idealisierten Werbung für Urlaub auf dem Bauernhof? Dieses Bild ist Alltag im Aachener Norden.

Hier, an den Hügeln nördlich der Soers, hat Volker Gauchel seinen Hof aufgebaut. Der Landwirt ist Herr über zahlreiche Rinder, Schweine und Hühner auf dem „Gut Paulinenwäldchen“. Doch sein Hof hat eine Besonderheit: Die Tiere werden nach den besonders strengen Richtlinien des „Bioland“-Verbands gehalten. Schon seit 1999, dem Gründungsjahr des Hofes, verpflichtet sich Gauchel dieser Art der ökologischen Landwirtschaft.

Deutsche essen rund 60 Kilo Fleisch im Jahr

Und damit liegt er im Trend. Denn Fakt ist: Die Deutschen essen gerne Fleisch. Viel Fleisch. Rund 60 Kilo pro Kopf waren es im Jahr 2015. In den letzten Jahren stieg auch die Nachfrage nach Biofleisch. Bundesagrarminister Christian Schmidt (CSU) bestätigt diese Entwicklung gegenüber unserer Zeitung. Fast ein Viertel der Verbraucher kaufe häufig oder sogar ausschließlich Bio-Produkte. Trotzdem stammen nach letzten Erhebungen nur 2,4 Prozent des verkauften Fleisches aus biologischer Landwirtschaft.

Bei einem Rundgang über seinen Hof erläutert Landwirt Gauchel seine Beweggründe, sich der ökologischen Landwirtschaft zu verpflichten. „Die Tierhaltung und Bodenbewirtschaftung, wie sie in einem heutigen konventionellen Betrieb vorherrscht, ist nicht mit meinem Fachwissen vereinbar. Da ist die ökologische Bewirtschaftung der bessere Weg.“ Ähnlich scheint dies die Bundesregierung zu sehen: Bundesagrarminister Schmidt kündigt an, den jährlichen Etat für die Förderung ökologischer Landwirtschaft auf 30 Millionen Euro aufzustocken.

Massentierhaltung schadet Tieren, Umwelt und Menschen

Die heute weit verbreitete Massentierhaltung schadet nicht nur den Tieren, sondern auch der Umwelt und somit dem Menschen. Jeder kennt die Bilder von Tieren in dunklen Ställen oder von Küken, die geschreddert werden. Für Volker Gauchel sind diese Dinge unverständlich. „Viele meiner Kollegen aus der konventionellen Landwirtschaft fragen mich, wie die ökologische Landwirtschaft funktionieren kann. Das tut sie tatsächlich, die Arbeit ist dafür allerdings schwieriger und auch anspruchsvoller.“

Und das hat seinen Preis. Fleisch aus ökologischer Landwirtschaft ist teurer, als jenes aus konventionellen Betrieben. Das findet Volker Gauchel angemessen. „Der Kauf von Biofleisch hat nicht unbedingt etwas mit dem Geldbeutel zu tun, sondern eher mit der eigenen Einstellung. Da muss man sich fragen: ‚Was will ich selber, wie wichtig sind mir meine Grundsätze?'“ Er sieht das Preisproblem eher in der Größe des Marktes. Wäre der Markt für biologische Erzeugnisse größer, würden die Preise fallen.

Szenenwechsel: Die Aachener Innenstadt an einem Freitagabend. Viele Leute sind unterwegs. In dem Lokal „Homeburgers“ an der Komphausbadstraße findet ein Hamburger nach dem anderen seinen Weg aus der Küche zum hungrigen Kunden. Das hier verarbeitete Fleisch stammt ausschließlich von Bauern, die sich dem „Neuland“-Verband angeschlossen haben. Auch dieser Verband achtet streng auf das Wohl der Tiere. Es ist nur eines von vielen Lokalen, die in Aachen auf Fleisch aus ökologischer oder artgerechter Tierhaltung setzen.

„Viele Gäste achten tatsächlich darauf, ob Fleisch aus artgerechter Tierhaltung stammt“, erklärt Geschäftsführer Erkan Erdem. Ein weiterer Teil informiere sich vorher im Internet oder würde auf die Hinweise an der Außenseite des Lokals aufmerksam werden.

Nicht nur junge Menschen

Erdem ist besonders auf die Regionalität seines Restaurants stolz. Seit der Eröffnung vor fünf Jahren setzt er verstärkt auf Produkte aus der Region. Den größten Vorteil dieses Konzepts sieht er in der Kommunikation und Logistik. „Die räumliche Nähe macht da viele Dinge einfacher.“ Entgegen seiner Erwartungen beschränkt sich die Zielgruppe nicht nur auf junge Menschen. Sie würden das Restaurant aber oft als erste besuchen. „Danach bringen sie häufig ihre Eltern mit, die dann wiederum Freunde und Verwandte mitbringen.“

So bedient er mit seinem Restaurant mittlerweile nahezu alle Altersklassen. Auch Mitarbeiterin Westa Jenke findet es toll, einen Beitrag zur bewussteren Ernährung zu leisten. „Man schmeckt es, wenn das Tier glücklich war im Leben“, so Jenke.

Die Zahl der Betriebe mit ökologischer Landwirtschaft, wie Gauchel ihn führt, wächst inzwischen stetig. 2016 gab es in Deutschland fast 14.000 Betriebe unter Verbands-Bio-Siegeln und knapp 13.000 unter EU-Bio-Siegeln. Damit haben sich rund zehn Prozent der Betriebe in Deutschland der ökologischen Landwirtschaft verschrieben.

EU-Regelung gilt oft als zu lasch

Es sind Landwirte wie Gauchel, die aufgrund ihrer Überzeugung den zahlreichen Verbands-Bio-Siegeln beitreten. Verbände wie „Bioland“ und „Neuland“ bilden eine Art Erweiterung des EU-Bio-Siegels. Denn: Die EU-Regelung für Bio-Produkte gilt in vielen Belangen als zu lasch. So ist der Platz pro Tier immer noch gering und auch Mischbetriebe aus konventioneller und ökologischer Haltung sind weiterhin erlaubt.

Hier greifen die Verbände: Mit ihren eigenen Richtlinien können sie strengere Standards durchsetzen. Neue Richtlinien würden Basisdemokratisch beschlossen, so Gauchel. „Die Bauern selbst legen die Regeln fest. Es gibt jährliche Versammlungen, wo neue Beschlüsse oder Richtlinien beschlossen werden.“ Die EU-Verordnungen hält er für realitätsfern. „Die sind am Schreibtisch entstanden. Dort hat man keine Erfahrung mit der Praxis.“

Bundesagrarminister Christian Schmidt hält allerdings dagegen: „Die Kriterien für den Ökolandbau sind keineswegs lasch.“ Die Weiterentwicklung der Standards müsse sich weiterhin am Machbaren orientieren, ansonsten drohe Bio wieder zum Nischenprodukt zu verkommen.

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