Nur drei Unfälle in der Eifel. Warum?

Von: rb/cl/cs
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Schneedecke trotz Räumfahrzeug: Uber den Zustand der Trierer Straße in Aachen am Montagabend sind manche verärgert. Foto: Ralf Roeger

Aachen. Die Reaktionen unserer Leser auf die katastrophale Verkehrssituation nach dem heftigen Schneefall am Montagnachmittag sind eindeutig: „Ein völlig normaler, unspektakulärer Wintereinbruch mit 5cm Schnee bei ruhigem Schneefall. Ich verstehe nicht, was daran problematisch ist”, kommentiert etwa Peter Schwarz unsere Berichterstattung im Internet.

„Da müsste es ja in Alpentälern von November bis April keinen Zentimeter mehr vorwärts gehen. Dort schneit es schon mal 20cm oder mehr in 6 Stunden!” Ein anderer schreibt: „Wieso sind im Raum Köln alle Straßen geräumt und hier in Aachen nichts?” Ganz Eschweiler wurde zum Parkplatz, weil quer stehende Lkw die Autobahnzufahrten blockierten, noch ehe Streufahrzeuge ausrücken konnten.

Die Verärgerung ist da, eine Erklärung haben die Straßenmeistereien und Bauhöfe in der Region dafür nicht. Sie beteuern, genau so agiert zu haben, wie jedes Jahr. Und dennoch gab es - offensichtliche - Unterschiede: Wer von Aachen Richtung Eifel gefahren ist, stellte fest, dass die Fahrbahn genau an der Stelle merklich besser zu befahren war, in der der Zuständigkeitsbereich der Stadt Aachen endet - kurz vor der „Himmelsleiter” auf der B258.

Wenige Autos mit Sommerreifen

Ob sich so die bemerkenswerte Unfallbilanz in der Städteregion erklärt? Von ingesamt rund 1800 Unfällen durch den Wintereinbruch in NRW ereigneten sich genau 138 in der Städteregion. Aber: Nur drei dieser Unfälle geschahen in der Eifel. „Dort sind in den vergangenen Jahren immer die wenigsten Unfälle bei extremen Wettersituationen passiert”, sagt Paul Kemen, Sprecher der Aachener Polizei.

Die Bereifung jedenfalls kann für die Zahl und die Verteilung der Unfälle kaum verantwortlich gemacht werden: Auf Anfrage weist die Polizei Aachen und Düren die naheliegende Vermutung zurück, dass die Autos, die in Unfälle verwickelt waren, nur mit Sommerreifen unterwegs waren. Das sei nur in wenigen Ausnahmefällen so gewesen. Die Winterreifenpflicht tritt erst heute in Kraft.

Also vielleicht doch der Straßenzustand? An der B258 wechselt der Zuständigkeitsbereich von der Stadt Aachen auf die Straßenmeisterei Simmerath des Landesbetriebs Straßenbau. Zehn Räum- und Streufahrzeuge sind auf 330 Kilometern Landes- und Bundesstraßen in der Eifel im Einsatz. Umgerechnet muss ein Fahrzeug also 33 Kilometer Straße von Eis und Schnee befreien. Im Stadtgebiet Aachen sind es 41 Kilometer Straße, die ein Fahrzeug schaffen muss (35 Fahrzeuge für 1435 Kilometer), im Stadtgebiet Düren sogar 63 Kilometer (acht Fahrzeuge für 500 Kilometer). Bei dieser Anzahl von Räum- und Streugeräten, betont der Dürener Servicebetrieb, „kann man nicht immer überall sein”. Aber man achte darauf, die wichtigsten Straßen permanent frei zu halten. Bei ständigem starken Schneefall heißt das wohl, dass die Fahrzeuge bei der ersten Hauptverkehrsstraße wieder anfangen, wenn sie mit der letzten fertig sind.

Für die Straßenmeisterei Simmerath hat die Himmelsleiter die Dringlichkeitsstufe 1. „18.000 Kfz-Einheiten befahren pro Tag diese Straße”, sagt Klaus Dollmann, Leiter der Straßenmeisterei Simmerath. „Die Strecke wird von uns daher drei- bis viermal am Tag in jede Richtung abgefahren”. In Aachen werden die Fahrbahnen mit besonderer Verkehrsbedeutung, wie etwa die Trierer Straße, zwei- bis dreimal geräumt. Dabei wird erst ab einer Schneedecke von drei Zentimetern der Schneeschieber eingesetzt, weil sonst der Schnee nur angedrückt und härter würde, erklärt Dieter Bohn, Leiter Winterdienst für die Stadt Aachen.

Unterschiede zwischen dem Landesbetrieb und der Stadt Aachen gab es auch in der Menge des Salzes, die pro Quadratmeter ausgebracht wurde. 20-25 Gramm Salz pro Quadratmeter wurden auf die Eifelstraßen gestreut, 10 bis 15 Gramm in der Stadt. Je nach Witterung und Eisdicke könne die Salzmenge auf bis zu 40 Gramm erhöht werden. „Wir streuen nicht weniger Salz als letztes Jahr”, sagt Bohn. Mehr Salz zu streuen bedeute nicht gleichzeitig eine bessere Fahrbahnhaftung. Wenn das Eis erstmal durch das Salz getaut sei, würde überschüssiges Salz nur noch weggeschwemmt werden. Dennoch: Die Autobahnmeisterei Düren hat auf die - am Ende schneefreie - A4 zwischen 40 und 80 Gramm pro Quadratmeter ausgebracht. Der Chef des Aachener Winterdienstes bezweifelt, dass die Straßen in der Eifel besser geräumt sein sollen als andere: „Wir kriegen momentan hauptsächlich positives Feedback über die Straßenlage im Stadtbezirk”.

Erklärt also das Fahrkönnen die Unfalldifferenz? Die Polizei hält eine Kombination aus mehrerem für die wahrscheinlichste Begründung für das eklatante Stadt-Land-Gefälle: „Ein guter Winterdienst, gute Fahrzeugausstattung und das sorgsame Gemüt des Eiflers sind eine gute Kombination, mit diesem Wetter umzugehen”, sagt Kemen.

Meteorologe: Perfektes Winterwochenende naht

Wer Schneeballschlachten mag, kann sich auf die nächsten Tage freuen. Autofahrer müssen sich hingegen wieder auf Behinderungen einstellen. Überall in NRW ist heute mit Neuschnee zu rechnen. Freunden der kalten Jahreszeit steht in NRW ein perfektes Wochenende bevor. „Bis Sonntag bleibt es vermutlich kalt im Land und es kommt noch mehr Schnee hinzu”, sagte Meteorologe Wolfgang Reiff vom Deutschen Wetterdienst (DWD) in Essen.

Zum Skifahren reicht die Schneehöhe jedoch noch nicht, wie es aus Rohren und Hellenthal hieß. Dafür sei eine Schneedecke von rund 20 bis 30 Zentimeter nötig.

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