Aachen - Nur 0,5 Prozent der Kirchensteuern helfen Arbeitslosen

Nur 0,5 Prozent der Kirchensteuern helfen Arbeitslosen

Von: Robert Esser
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Wirft dem Bischof vor, einen f
Wirft dem Bischof vor, einen falschen Eindruck zu erwecken: Pfarrer Toni Foto: A. Steindl

Aachen. „Die Botschaft hör ich wohl, allein mir fehlt der Glaube”: So oder so ähnlich könnte man die Reaktion auf die Aussage von Bischof Heinrich Mussinghoff umschreiben, der jüngst in einem Interview mit unserer Zeitung das Engagement des Bistums bei Arbeitslosenprojekten besonders herausgestellt hatte.

Vor allem das Sozialwerk Aachener Christen - eine eigenständige Initiative ­- hob der Bischof dabei hervor. Was den Vorsitzenden des Sozialwerks, Pfarrer Toni Jansen, jetzt zu einem durchaus kritischen Brief an die Adresse Mussinghoffs veranlasste.

Jansens Brief liegt unserer Redaktion vor. Er schrieb wörtlich: „Dazu muss ich feststellen: Das Sozialwerk erhielt im letzten Jahr aus Kirchensteuermitteln 32.650 Euro zur Unterstützung seiner 16 oder 17 verschiedenen Arbeitslosenprojekte. Setzt man das Kirchensteueraufkommen mit 181 Millionen Euro an, so erhielten wir knapp 0,019 Prozent.” Und Jansen fügt hinzu: „Ich stelle anheim, ob das eine außerordentliche Unterstützung ist.” Außerdem bemängelt Pfarrer Jansen, dass der Bischof „suggeriert, dass der City-Service durch Kirchensteuermittel subventioniert werde. Das ist falsch. Für dieses Projekt bekommen wir seitens des Bistums keinen Cent.” Im Aachener City-Service arbeiten noch bis Ende März 36 ehemalige Langzeitarbeitslose, um in der Innenstadt Touristen zu leiten und auf Sauberkeit des Straßenbilds zu achten. Doch dieser Service läuft aus, weil die Kofinanzierung über die Jobcenter wegfällt.

Jansen wehrt sich zudem gegen den Eindruck, das Sozialwerk sei eine Einrichtung des Bistums: „Von Anfang an waren wir bestrebt, dieses riskante und arbeitsreiche Unternehmen als unabhängigen Verein Aachener Christen zu führen.” Der Priester befürchtet, „dass manche unserer Spender sich zurückziehen, wenn ihnen vorgespielt wird, dass das Sozialwerk Aachener Christen erhebliche Zuwendungen aus Kirchensteuermitteln erhält oder eine Einrichtung der Diözese sei”.

Auf den kritischen Brief Jansens will der Bischof nun in einem persönlichen Schreiben antworten - veröffentlichen will Mussinghoff seine Antwort allerdings nicht. Die Pressestelle des Bistums rechnet lediglich vor, dass 2010 rund 810.000 Euro der rund 181 Millionen Kirchensteuermittel aus dem Solidaritätsfonds an insgesamt 50 Arbeitsloseninitiativen fließen. Danach werden also 0,5 Prozent der Kirchensteuermittel in Arbeitslosenprojekte investiert. Hinzu kamen vergangenes Jahr Spenden in Höhe von 49.870 Euro und 49.853 Euro aus Kollekten. Dabei gab es übrigens im Vergleich zu 2009 einen Einbruch der Spenden und Kollekten um 27.369 Euro. Und auch die Ausgaben über den Solidaritätsfonds wurden im Zuge der Sparmaßnahmen im Bistum Aachen von 2008 auf 2009 um 50.000 Euro gekürzt. Erst 2013 soll der Sockelbetrag wieder auf die ursprünglichen 860.000 Euro wachsen. Im Durchschnitt wird also jede Arbeitslosen-Initiative derzeit mit 16.200 Euro pro Jahr aus Kirchensteuermitteln gefördert.

Sozialwerk auf Platz 2

„Nach Aachen fließen insgesamt 200.000 Euro, und diese gehen an 13 Projektträger - darunter auch das Sozialwerk Aachener Christen. Die kleinste Initiative erhält 1200 Euro, die größte 33.850 Euro”, teilt Josef Heinrichs von der Pressestelle des Bistums mit. Das Sozialwerk liege auf Platz zwei. Ob dies als „außerordentliche Unterstützung” gilt, ließ der Sprecher offen.
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