Aachen/Düsseldorf - Numerus Clausus sorgt für Verunsicherung

Numerus Clausus sorgt für Verunsicherung

Von: Axel Borrenkott
Letzte Aktualisierung:
NRW-Wissenschaftsministerin Svenja Schulze
„Nicht abschrecken lassen“: NRW-Wissenschaftsministerin Svenja Schulze will allen Studienbewerbern Mut machen.

Aachen/Düsseldorf. Das Doppelabi ist für die meisten gelaufen. Doch kriegt nun jeder, der will, auch seinen Studienplatz? Schüler und Eltern sind verunsichert, Lehrer verärgert: „Die Hochschulen schotten sich ab“, fürchten sie. „Panikmache“, gibt die Wissenschaftsministerin Svenja Schulze (SPD) zurück.

42 Prozent aller Studiengänge in NRW seien zulassungsfrei. Das sind aber nicht unbedingt die, die man gerne und dort studieren will, wo sie frei sind. Andererseits kann man am Ende durchaus mit einer schlechteren Note den Wunschplatz ergattern.

Bei den Universitäten in Nordrhein-Westfalen sind zum kommenden Wintersemester 38,7 Prozent aller grundständigen Studiengänge, also Bachelor und Lehramt, zulassungsfrei, bei den Fachhochschulen gar 51,4 Prozent, wie das Ministerium säuberlich vorrechnet. Anfangen kann man mit solchen Werten als Bewerber um einen Studienplatz praktisch nichts. An begehrten Hochschulen haben 70 bis fast 100 Prozent der Fächer eine Zulassungsbeschränkung (Numerus Clausus, kurz NC). Und was jetzt schon überlaufen ist, wird es auch bleiben.

So herrscht an der RWTH ein „flächendeckender“ NC, an der Uni Köln sind ganze fünf von 140 grundständigen, also für Erstsemester in Frage kommende Studiengängen ohne NC. An der Uni Duisburg-Essen sind sechs von 115 frei, an der Uni Bochum sieben. In Münster liegt der NC auf 70 Prozent der Fächer, in Bonn auf 75 Prozent, während an der Dortmunder Universität 70 Prozent frei zugänglich sind und Düsseldorf mit einer „möglichst großen Anzahl zulassungsfreier Studiengänge“ für sich wirbt.

Fachhochschulen

Wer an der FH Aachen etwa Architektur, Bauingenieurwesen, Communication and Multimediadesign sowie eine ganze Reihe anderer interessanter Fächer belegen möchte, kommt – zunächst einmal – nur mit einer guten Abinote rein, wie auch an der FH Düsseldorf die meisten Fächer einen NC haben. An der FH Köln sind zehn von 36 Studiengängen frei, an der FH Westfalen sind etwa Elektrotechnik, Mechatronik und Chemie frei, Maschinenbau, Biologie, Informatik, Wirtschaft und zahlreiche andere beschränkt. Auch die Hochschule Bochum hat sich vom Wissenschaftsministerium für mehr Studiengänge als im vergangenen Jahr einen örtlichen Numerus Clausus genehmigen lassen.

Anders als die bundesweiten NC, mit denen seit je Fächer wie Medizin oder Pharmazie belegt sind, müssen die sogenannten örtlichen NC von den Hochschulen beim Wissenschaftsministerium beantragt werden. Hochschulen und Land steuern mit diesem „Verteilungsinstrument“ einverständig den seit Jahren anschwellenden Studentenstrom, der in diesem Doppelabijahr, mit prognostizierten 123 000 Anfängern seinen vorläufig höchsten Stand erreichen wird, 42 000 davon gehen voraussichtlich auf das Konto des Doppelabis.

Wie hoch der NC jeweils ist, und mit welcher Abiturnote man einen Platz bekommt, steht im Vorhinein nicht fest. Abiturienten können oder sollten sich also auf jeden Fall (auch) für ihr Wunschfach am Wunschort bewerben. Der Numerus clausus gibt eigentlich nicht die Note, sondern die Zahl (Numerus) der vorhandenen (clausus) Studienplätze eines Faches an. Bewerben sich mehr als Plätze zur Verfügung stehen, erfolgt die Auswahl nach der Abiturnote. Der „NC-Wert“ ist dann die schlechteste Note, die noch zur Aufnahme reicht. Dieser Wert kann sich aber erst am Ende des Zulassungsverfahrens ergeben, wenn also die Zahl der Bewerber bekannt ist.

Die meisten Hochschulen geben auf ihren Internet-Seiten NC-Erfahrungswerte aus den Vorjahren an. Fakt ist auch, dass über Nachrück- und Losverfahren viele Bewerber auch mit schlechteren Noten am Ende ihren Wunschplatz bekommen. Und selbst für die RWTH rechnet der zuständige Prorektor Aloys Krieg damit, dass „der NC in einigen Fächern vielleicht gar nicht greift“.

„Nur nicht vor der Haustüre“

Insgesamt dürften – deutschlandweit – tatsächlich genügend Studienplätze vorhanden sein, also „nur nicht vor der Haustüre“, wie Krieg es ausdrückt. Der auf ein Bundesland beschränkte Blick macht ohnehin nur bedingt Sinn. Die meisten NRW-Hochschulen haben aber ihre Kapazitäten mit Mitteln des Bund-Länder-Hochschulpakts erweitert. So werden an der RWTH (derzeit knapp 38.000 Studierende) 1600 zusätzliche Plätze bis 2016 finanziert, in Bochum gar 4500 in 2013 und 2014, in Duisburg-Essen 2500.

Einige der von uns angefragten Hochschulen weisen auch eigens auf ihre erweiterten Räumlichkeiten hin. Doch sicherlich nicht nur an der RWTH sollte man damit rechnen, in so manchen Hörsälen auf den Treppenstufen neben den Klappstühlen zu sitzen.

Das längst überfällige neue Hörsaalzentrum wird bekanntlich erst im Laufe des nächsten Jahres fertig, ersatzweise werden nun zwei „Leichtbauten“ am Aachener Westbahnhof errichtet.

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