NSU-Prozess: Eschweiler Anwalt hat Phantom vetreten

Von: dpa/gego
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Das BKA stellt fest, dass es Meral Keskin nie gab: Der Eschweiler Anwalt Ralph Willms hatte die Frau in München vertreten. Foto: Nowicki

München. In der Affäre um ein erfundenes Opfer eines NSU-Bombenanschlags hat ein Zeuge vor dem Oberlandesgericht München Klarheit geschaffen. „Meral Keskin gibt es nicht“, sagte am Dienstag ein Ermittler des Bundeskriminalamtes im NSU-Prozess.

Der Beamte war vom Gericht beauftragt worden, die Existenz der Frau zu klären. Die Affäre war vor einem Monat ins Rollen gekommen. Der Vorsitzende Richter hatte den Anwalt des vermeintlichen Opfers aufgefordert, dafür zu sorgen, dass die Nebenklägerin vor Gericht erscheine. Wenige Tage später räumte der Eschweiler Rechtsanwalt Ralph Willms ein, es gebe die Frau wohl nicht. Ein anderes – echtes – Opfer des Kölner Bombenanschlags im Jahr 2004 habe ihm die Mandantin vermittelt und dafür eine Provision verlangt. Der Mann habe ihm Fotos einer älteren Frau gezeigt und behauptet, sie sei eine seiner Bekannten. Mit hoher Wahrscheinlichkeit habe es sich aber um die Mutter des Mannes gehandelt, sagte der BKA-Ermittler.

Willms hatte Keskin zweieinhalb Jahre lang im NSU-Prozess vertreten. Er war dafür aus der Staatskasse bezahlt worden und hatte auch eine Härtefallentschädigung der Bundesregierung für Meral Keskin in Höhe von 5000 Euro entgegengenommen. Ein Betrug könnte dann vorliegen, wenn Willms von Anfang an gewusst hätte, dass es seine Mandantin gar nicht gegeben hat. Das aber bestreitet Willms. Das Oberlandesgericht München ist dabei zu prüfen, ob die bislang abgerechneten Honorare und Reisekosten zurückverlangt werden können.

Rechtsanwalt Sebastian Scharmer, der eine Angehörige des Dortmunder NSU-Mordopfers Mehmet Kubasik vertritt, sagte, Willms Verhalten werfe „kein gutes Licht auf die Anwaltschaft“. Vor allem dürften die Interessen der tatsächlichen Nebenkläger darunter nicht leiden.

Anschließend lehnte das Gericht mehrere, teils ältere Beweisanträge ab. Darin hatten Nebenklage-Vertreter etwa die Ladung des hessischen Ministerpräsidenten Volker Bouffier (CDU) und des früheren bayerischen Ministerpräsidenten Günther Beckstein (CSU) als Zeugen verlangt.

Beate Zschäpe ist die Hauptangeklagte im NSU-Prozess, der seit 2013 läuft. Die Bundesanwaltschaft wirft ihr Mittäterschaft bei der Serie von zehn Morden und zwei Sprengstoffanschlägen vor, die dem „Nationalsozialistischen Untergrund“ zugeschrieben werden.

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