NRW will Rechte von Verbrechensopfern stärken

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Köln. Verbrechensopfer sollen in NRW künftig auf Wunsch über den Haftort, Lockerungen und den Entlassungstermin ihres Peinigers informiert werden.

Es sollte sichergestellt werden, dass die Opfer diese Informationen, die ihnen schon nach derzeitiger Rechtslage zustehen, auch erhalten, sagte der NRW- Strafvollzugsbeauftragte Prof. Michael Walter am Mittwoch auf Anfrage. Opfer mit solchen Fragen sollten keinesfalls abgewimmelt werden. „Derzeit weiß der Vollzug in manchen Fällen gar nicht, wer das Opfer ist”, sagte Walter.

Der Beauftragte widersprach der Befürchtung, dass mit den Auskünften die Wiedereingliederung der Täter in die Gesellschaft erschwert werde. „Oft gibt es gar keinen Interessengegensatz”, sagte Walter. Wenn weder Täter noch Opfer in der gleichen Gegend wohnen wollten, könnte dies vorab leicht geregelt werden. Auch könne ein Aufenthaltsverbot für den Wohnort des Opfers ausgesprochen werden, sagte Walter. Es seien in der Vergangenheit auch nicht die Opfer gewesen, die solche Informationen weitergegeben und die Bevölkerung aufgewiegelt hätten.

Walter sprach sich aber gegen eine automatische Information der Opfer etwa über die Freilassung des Täters aus. „Viele Opfer haben mit dem Fall abgeschlossen und wollen das gar nicht wissen. Das muss respektiert werden”, sagte er.

Der 67-jährige Kriminologe ist seit einem Jahr Berater im Strafvollzug von NRW-Justizminister Thomas Kutschaty (SPD). Walter leitete an der Kölner Universität bis 2009 das Institut für Kriminologie.

Der Jurist will den „WAZ”-Zeitungen zufolge auch einen neuen Täter-Opfer-Ausgleich verankern. Häftlinge könnten etwa wie in anderen EU-Staaten eine symbolische Opfer-Entschädigung ansparen. „Die Belgier sind hier zum Teil deutlich weiter als wir.” Dort könnten vor allem Gewaltopfer ihre Bedürfnisse gegenüber ihren ehemaligen Peinigern artikulieren.

Nach dem jüngsten Skandal um Ausbrüche aus dem Bochumer Gefängnis warnte Walter vor einer Verengung der Debatte auf Sicherheitsfragen: „Niemand schreit auf, dass es in NRW Gefängnisse gibt, in denen 50 Prozent der Häftlinge nichts anderes tun, als 23 Stunden am Tag müßig auf der Zelle zu hocken. Niemand empört sich darüber, wenn die Entlassung in die Freiheit schlecht vorbereitet ist.”

Kluges Übergangsmanagement bedeute mehr, „als drei Tage vor Ende einer Haft zu schauen, wo der Häftling künftig wohnen kann und wie sein Bewährungshelfer heißt”. Für die Bevölkerung sei es wichtig, dass die Gefangenen besser auf das Leben in Freiheit vorbereitet würden.
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