NRW-Grundschüler fallen beim Lesen und in Mathe zurück

Von: dpa
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In Nordrhein-Westfalen sei zu Beginn des Schuljahres die Hälfte der ausgeschriebenen Stellen nicht besetzt worden. Symbolbild: Julian Stratenschulte/dpa

Düsseldorf. Nordrhein-Westfalens Viertklässler schneiden im bundesweiten Vergleich beim Lesen und in Mathe unterdurchschnittlich ab. Das geht aus der Studie IQB-Bildungstrends hervor, die die Kultusministerkonferenz (KMK) am Freitag in Berlin veröffentlichte.

Untersucht wurde das Niveau von Viertklässlern in Deutsch und Mathematik. NRW-Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) kündigte bei einer Stellungnahme in Düsseldorf Konsequenzen an.

Im Fach Mathe hat sich in NRW und in Bremen der Anteil der Schüler, die den Regelstandard erreichen, binnen fünf Jahren deutlich verringert. Beim Erreichen des Mindeststandards fällt das Ergebnis in NRW für das Zuhören im Fach Deutsch und in Mathe ungünstig aus. Die Zahl der NRW-Schüler, die die Mindeststandards nicht erreichen, stieg um rund fünf Prozentpunkte.

Bei den Schülern, die den Optimalstandard erreichen, waren die Ergebnisse dagegen stabil. Der Leistungsabstand zwischen den schwächsten und den stärksten Bundesländern betrage am Ende der Grundschulzeit immerhin etwa ein Schuljahr, fanden die Bildungsforscher heraus.

Auch bundesweit sind die Viertklässler innerhalb der vergangenen fünf Jahre in Mathematik, beim Zuhören und in Rechtschreibung zurückgefallen. Beim Lesen sind die Grundschüler dagegen im vergangenen Jahr auf ähnlichem Niveau geblieben wie 2011.

„Die Ergebnisse sind ernüchternd”, sagte KMK-Präsidentin Susanne Eisenmann (CDU). „Die Ergebnisse der Studie zeigen einen bundesweiten Handlungsbedarf bei der Förderung in den Kernfächern Deutsch und Mathematik.”

Die schlechten Ergebnisse belegten, „dass die im Koalitionsvertrag vereinbarte Stärkung der Kernkompetenzen Lesen, Schreiben und Rechnen notwendig und längst überfällig ist”, erklärte NRW-Schulministerin Gebauer. „Wir müssen daher einen Masterplan Grundschule erarbeiten.”

Zum Messzeitpunkt im Frühjahr 2016 erreiche Nordrhein-Westfalen beim Lesen und in Mathe nur den 14. Platz im Vergleich der Bundesländer. In den Bereichen Zuhören und Rechtschreibung zählt Nordrhein-Westfalen zum Mittelfeld.

„Wir werden unser Hauptaugenmerk auf die Kinder richten, die schon in der Primarstufe die Mindeststandards verfehlen”, erklärte Gebauer. Dies seien in Nordrhein-Westfalen je nach untersuchtem Bereich 13 bis 24 Prozent der Kinder.

„Wir müssen schon vom ersten Schuljahr an dafür sorgen, dass kein Kind abgehängt wird. Das in dieser Deutlichkeit überraschend schlechte Abschneiden in Mathematik muss aufgearbeitet werden”, sagte die NRW-Ministerin weiter.

Der Rechtschreibunterricht an den Grundschulen solle verbindlicher werden. Die umstrittene Methode „Lesen durch Schreiben” soll begrenzt werden. Sie wolle zudem einen verbindlichen Grundwortschatz für die Grundschulen einführen.

Für den Verband Bildung und Erziehung (VBE) ist die Sache klar: Es gibt zu wenige Lehrer. „Gerade Grundschulen suchen seit Jahren händeringend nach Lehrerinnen und Lehrern”, kritisierte Udo Beckmann, der Landes- und Bundesvorsitzende des Verbandes Bildung und Erziehung (VBE).

In Nordrhein-Westfalen sei zu Beginn des Schuljahres die Hälfte der ausgeschriebenen Stellen nicht besetzt worden. „An den Grundschulen steigt die Zahl der nicht originär ausgebildeten Lehrkräfte”, sagte Beckmann der dpa. Außerdem fehle an mehr als jeder zehnten Schule eine Schulleitung.

Die Studie muss allerdings auch vor dem Hintergrund einer bundesweit neu besetzten Schülerschaft gesehen werden. Der Anteil der Viertklässler mit Migrationshintergrund hat sich um mehr als ein Drittel auf 34 Prozent erhöht. Zudem besuchen auch mehr Kinder mit Behinderung eine allgemeine Schule. Eisenmann nannte es „erfreulich”, dass angesichts dessen die Ergebnisse beim Lesen stabil geblieben sind.

Die Studienautorin Petra Stanat erläuterte, der gestiegene Anteil der Kinder mit Migrationshintergrund sei vor allem auf im Land geborene Kinder zurückzuführen. „Wir haben die Schüler, die 2015 mit Fluchterfahrung ins System gekommen sind, überwiegend noch nicht drin.” Erst nach einem Jahr würden Schüler in die Test einbezogen. Sie erwarte aber dadurch keine starken Änderungen, denn bezogen auf eine Jahrgangsstufe seien es nicht so viele.

In NRW werden rund 640.000 Grundschüler an 2724 öffentlichen und 64 privaten Grundschulen unterrichtet. An der Studie hatten rund 30.000 Schülerinnen und Schüler der vierten Jahrgangsstufe aus allen 16 Ländern teilgenommen.

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