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NRW-Gesundheitsminister: „Auf Aufklärung setzen statt auf Impfpflicht“

Ein Kommentar von Antje Höning und Thomas Reisener

Als Minister für Arbeit, Gesundheit und Soziales hat Karl- Josef Laumann bereits in der Regierung Rüttgers gearbeitet. Unter Ministerpräsident Armin Laschet knüpft der einflussreiche CDU-Mann aus dem Münsterland an alter Stelle wieder an.

Die Zahl der Masernfälle ist in NRW stark gestiegen. Brauchen wir eine Impfpflicht, wie sie Frankreich eingeführt hat?

Karl-Josef Laumann: Klar ist: Um die gefährliche Krankheit auszurotten, brauchen wir eine hohe Impfquote: Laut Experten mindestens 95 Prozent. Ich kann daher diejenigen sehr gut verstehen, die sagen: Wir brauchen eine Impfpflicht. Allerdings sind die rechtlichen Hürden hierfür in Deutschland hoch. Bislang wäre eine Impfpflicht wohl nur im Seuchenfall möglich. Und wir müssen vor allem auf Aufklärung setzen.

Ein drängendes Problem in NRW sind auch die fehlenden Ärzte in den ländlichen Regionen. Wie wollen Sie junge Mediziner zu Menschen auf dem Land bekommen?

Laumann: Nur rund zehn Prozent eines Jahrgangs von Medizinstudenten werden tatsächlich Allgemeinmediziner. Das reicht vorne und hinten nicht und das wollen wir ändern. Ich bin der Meinung, dass jede medizinische Fakultät in NRW eine W3-Professur für Allgemeinmedizin haben muss. Auch die Ungleichverteilung zwischen den Regionen muss sich ändern: Bisher studieren etwa 70 Prozent der angehenden Mediziner im Rheinland, nur rund 30 Prozent in Westfalen – obwohl dort die Herausforderung des drohenden Hausärztemangels besonders groß ist. Und wir wollen angehenden Ärzten neue Anreize bieten, sich in unterversorgten Regionen niederzulassen.

Sollte man nicht einfach den Numerus Clausus abschaffen, damit mehr junge Menschen Medizin studieren?

Laumann: Schon heute können bei der Vergabe von Studienplätzen neben der Abiturnote weitere Kriterien berücksichtigt werden. Wir wollen hier noch weitergehen und bis zu zehn Prozent der Medizinstudienplätze an diejenigen geeigneten Bewerber vergeben, die sich verpflichten, nach Abschluss des Studiums für bis zu zehn Jahre als Hausarzt in unterversorgten oder von Unterversorgung bedrohten Regionen tätig zu sein. Auch darüber werden die Wissenschaftsministerin und ich sprechen.

Wie groß ist das Hausarzt-Problem in NRW?

Laumann: Im Bereich der beiden Kassenärztlichen Vereinigungen in NRW sind in den vergangenen Jahren viel mehr niedergelassene Hausärzte aus der vertragsärztlichen Versorgung ausgeschieden als es neue Facharztanerkennungen als Allgemeinmediziner gegeben hat. Das geht nicht. Auch die Bürger in den Dörfern brauchen einen Hausarzt in der Nähe.

Große Sorgen haben auch die Krankenhäusern, die unter einer Milliarden-schweren Investitionslücke leiden. Was werden Sie tun?

Laumann: Das Land hat in den vergangenen Jahren zu wenig in die Kliniken investiert. Wir haben im Koalitionsvertrag zugesagt, dass wir die Investitionskostenförderung erhöhen werden. Und zwar signifikant. Das muss aber zugleich zwingend mit Strukturreformen verbunden sein.

Wie viele Krankenhäuser wollen Sie schließen und wie viele Betten abbauen?

Laumann: Es geht nicht um die Bettenzahl. Kliniken werden nach Fällen und nicht nach Verweildauer bezahlt. Aber wir brauchen endlich eine konsequente Krankenhausplanung. Hier ist Jahre lang nichts geschehen. Das werden wir uns jetzt gründlich anschauen. Erst dann kann man sagen, wo es womöglich Zusammenschlüsse und Spezialisierungen geben muss.

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