NRW fordert weitere Jodtabletten vom Bund an

Von: Madeleine Gullert
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Nachdem die Städteregion Aachen beschlossen hat, juristisch gegen die belgischen Pannenreaktoren vorzugehen, schließt sich die Stadt Köln nun an. Foto: dpa

Düsseldorf/Aachen. Das Land NRW hat beim Bund zusätzliche Jodtabletten für den Fall eines nuklearen Unfalls angefordert. Das geht aus einer Mitteilung der SPD-Landtagsabgeordneten aus der Stadt und dem Altkreis Aachen hervor.

Sie hatten das Land um einen Sachstand rum um das umstrittene belgische Atomkraftwerk Tihange bei Lüttich gebeten. Eva-Maria Voigt-Küppers, Stefan Kämmerling, Karl Schultheis und Daniela Jansen ging es in ihrer Frage unter anderem um den Notfallschutz im Land.

NRW ist laut dem Bericht das einzige Bundesland, dass seine Tablettenvorräte aus den Bundeslagern abgeholt hat, um sie dezentral in den Kreisen zu lagern. Damit die Tabletten im Krisenfall schneller verfügbar sind.

Hintergrund ist, dass hoch dosierte Jodtabletten die Schilddrüse mit nicht-radioaktivem Jod sättigen. Sie verhindern, wenn sie zur rechten Zeit nach einem atomaren Unglück eingenommen werden, dass sich radioaktives Jod in der Schilddrüse ansammelt.

Weil sich nach der Katastrophe von Fukushima die Radien der Schutzzonen verändert, sich vergrößert haben, sind mehr Jodtabletten als bislang notwendig, deshalb fordert das Land diese vom Bund. Unsere Region gehört seit der Änderung zur sogenannten Außenzone, die einen Radius von 100 Kilometern (vorher 25) umfasst. Sollte der Bund nicht schnell liefern, werde NRW die benötigten Tabletten aus eigenen Mitteln anschaffen, heißt es in dem Sachstandsbericht.

Die Verteilung der Jodtabletten ist ein viel diskutiertes Thema in der Region. Die Stadt Aachen hatte zuletzt überlegt, Jodtabletten an Schulen und Kindergärten zu verteilen. Das ist wohl aber gar nicht so einfach möglich, wie aus dem Papier hervorgeht. Zum einen sei dies nur mit Einwilligung der Eltern möglich.

„Ohne Abstimmung mit dem Schulministerium wäre auch eine Beteiligung des Lehrpersonals an einer solchen Aktion nicht möglich“, heißt es weiter. Die Kultusministerkonferenz habe das Thema auf der Tagesordnung. das Land spricht sich zurzeit gegen eine lokale Lösung aus.

Für die SPD-Abgeordneten steht fest, dass die belgischen Pannenmeiler Tihange 2, der nur 60 Kilometer von Aachen entfernt liegt, und Doel 3, der nur 150 Kilometer von Aachen entfernt liegt, dringend vom Netz müssen. „In unseren Augen ist eine juristische Auseinandersetzung die letzte Option“, sagen Voigt-Küppers und Kämmerling. Die Städteregion müsse bei ihrem Klagevorhaben unterstützt werden. NRW-Umweltminister Johannes Remmel (Grüne) hatte am Dienstag bereits Unterstützung signalisiert.

Derweil fordert auch die Stadt Köln die sofortige und endgültige Stilllegung der beiden Reaktoren, in deren Druckbehältern tausende Risse sind. Der Stadtrat beschloss den Appell einstimmig bei Enthaltung der Gruppe Pro Köln, wie die Stadt am Mittwoch mitteilte. Nach einer Serie von Pannen, Notabschaltungen und anderen Störfällen in den grenznahen Reaktorblöcken müsse man davon ausgehen, dass sie eine Gefahr für die Sicherheit darstellten.

„Die Stadt Köln teilt die berechtigten Sorgen vieler Menschen in Belgien, den Niederlanden und Deutschland vor einer atomaren Katastrophe“, hieß in der Mitteilung der Stadt. Politik und Verwaltung erwarteten, dass ein bilaterales Abkommen mit Belgien für einen nuklearen Ernstfall vereinbart und ein grenzüberschreitendes Katastrophenschutzkonzept erarbeitet werde.

Der Diözesanrat der Katholiken im Bistum Aachen wandte sich in einem Offenen Brief an Verantwortliche in Belgien und Deutschland und fordert ebenfalls die Abschaltung der Reaktoren, „bis die Risiken für Mensch und Umwelt umfassend geklärt sind“. Ein wichtiges Anliegen des Rates: Es sollten über das bereits vertraglich fixierte Maß keine weiteren Transporte von Brennelementen aus Lingen nach Doel genehmigt werden, appellieren die Aachener an das Bundesamt für Strahlenschutz.

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