NRW denkt über „unorthodoxe Unterbringungen“ nach

Von: Madeleine Gullert
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Düsseldorf. Flüchtlinge in Nordrhein-Westfalen könnten demnächst in Zeltstädten und großen Hallen untergebracht werden. „Wir denken über unorthodoxe Unterbringungsmöglichkeiten nach“, sagte NRW-Innenminister Ralf Jäger (SPD) am Mittwoch in Düsseldorf.

Die immer weiter steigende Zahl an Flüchtlingen bedinge diesen Kurswechsel. Zurzeit kommen täglich 1000 Flüchtlinge nach Nordrhein-Westfalen – so viele wie noch nie. Zum Vergleich: 2007 nahm NRW 5400 Flüchtlinge auf, allein vergangene Woche waren es schon 5607. Im gesamten Jahr kamen bislang 88000. NRW nehme mehr Flüchtlinge auf als Frankreich, erklärte der Innenminister.

„Diese Steigerung war nicht vorherzusehen“, sagte Jäger. Tatsächlich hatte das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge noch im Mai mit 450000 Flüchtlingen bundesweit in diesem Jahr gerechnet. Man müsse nun aufpassen, dass „die Städte und Gemeinden, die Hilfsorganisationen und die Länder nicht überfordert werden“. Zurzeit gibt es 19 Regelunterkünften des Landes und 60 Notunterkünfte – darunter sind derzeit 16 Turnhallen. Eine davon ist in Aachen im Inda-Gymnasium. In den Unterkünften des Landes werden die Flüchtlinge zunächst aufgenommen, bis sie auf die Kommunen verteilt werden.

Gerade diese dezentrale Unterbringung fordert die Hilfsorganisationen, weil viel Personal gefordert ist. Die meisten Helfer sind Ehrenamtliche. In großen Zeltstädten wäre die Hilfe leichter zu organisieren.

Jäger forderte den Bund am Mittwoch dazu auf, finanziell und logistisch mehr zu helfen. Der Bund solle mehr Bundesimmobilien für die Unterbringung von Flüchtlingen zur Verfügung stellen. Jäger sieht beispielsweise noch Potenzial bei Bundeswehrkasernen. „Es kann nicht sein, dass der Druck ausschließlich auf den Kommunen und den Ländern lastet“, kritisierte er „die Zuschauerrolle des Bundes“.

Jäger betonte erneut, dass es dringend notwendig sei, die Asylanträge der Flüchtlinge schneller zu bearbeiten. Zurzeit dauert die Bearbeitung beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge sechs Monate – solange sind die Flüchtlinge in den Unterkünften des Landes.

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