NPD hat sich in der Region fast atomisiert

Von: Michael Klarmann
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Ein Mann trägt bei einer NPD-Demonstration ein Shirt mit der Aufschrift „Finger Weg! Von NPD“. Foto: dpa

Aachen. Auch wenn der Raum Aachen weiter als einer der Brennpunkte rechtsextremer Aktivitäten in NRW gilt – die zeitweise sehr aktive NPD ist heute fast unbedeutend geworden. Einer der aktivsten Kreisverbände der Partei in NRW hat sich im Zuge eines Machtkampfes atomisiert, Mandate in Kommunalparlamenten gingen verloren.

Dennoch verfügt die NPD in Stolberg und im Raum Heinsberg über Strukturen, allerdings ohne besonders handlungsfähig zu sein.

Kunkel gilt als Verräter

Gerade in Stolberg aber sind die Hochzeiten der NPD beendet. Bei den Kommunalwahlen 2004 errang die Partei hier zwei Ratssitze und bildete mit einem Vertreter der DVU eine Fraktion. Räumlichkeiten im Rathaus und öffentliche Gelder standen der NPD zur Verfügung. 2005 feierte die Bundespartei in Stolberg ihren 40. Geburtstag, der damalige Parteichef Udo Voigt absolvierte 2005 (Landtagswahlen) in Stolberg und 2009 (Kommunalwahlen) in Stolberg, Heinsberg und Düren Wahlkampfauftritte. 2009 aber konnte der NPD-Kreisvorsitzende, Willibert Kunkel, nur noch sein Ratsmandat in Stolberg halten.

Kunkel und die NPD haben heute kaum noch Einfluss auf die rechtsextreme Szene. Im Zuge von Machtkämpfen mit ehemaligen „Kameraden“ aus Düren und Vertretern der „Kameradschaft Aachener Land“ (KAL) geriet er gar selbst in die Bredouille, Szene-Vertreter werteten Morddrohungen, die Unbekannte 2011 auf Kunkels Haus sprühten, als eine Warnungen aus der Szene. Kunkel hatte im Rahmen von körperlichen Auseinandersetzungen KAL-Kader bei der Polizei angezeigt und sie belastet.

In den Jahren von 2006 bis 2010 galt auch der NPD-Kreisverband Düren als einer der aktivsten NPD-Kreisverbände in NRW. Mit der militanten KAL wurde kooperiert, KAL-Kader bekleideten Parteiämter. Doch 2010 kam es zu einem Machtkampf zwischen den Dürenern, die ihre Partei auf einen offen nationalsozialistischen Kurs bringen wollten, und dem NPD-Landesvorstand, der weniger radikal auftreten wollte. Am Ende schloss die Partei den Kreischef Ingo Haller sowie dessen Stellvertreter René Laube (KAL-„Kameradschaftsführer“) und René Rothhanns aus. Haller gehörte für die NPD seit den Kommunalwahlen 2009 dem Kreistag an, trat jedoch sein Mandat nicht an die Partei ab. Rothhanns will mit der Szene gebrochen haben und kooperiert heute mit der Initiative „Bürger für Düren“ (BfD).

Bei den Kommunalwahlen 2009 errang die NPD mit Helmut Gudat einen Sitz im Kreistag Heinsberg, Andreas Mertens wurde in den Stadtrat von Hückelhoven und Holger Wilke in den Erkelenzer Rat gewählt. Wilke will heute allerdings mit der NPD gebrochen haben und nimmt als Parteiloser an den Ratssitzungen teil. Mitunter starke Aktivitäten der NPD im Raum Heinsberg haben sich nun wieder in den Bereich Mönchengladbach verlagert, denn die Heinsberger und Gladbacher „Kameraden“ bilden einen Kreisverband und verfügen dort scheinbar über bessere Strukturen.

Auch wenn der Zustand der NPD in der Region desolat ist, es bedeutet nicht, dass die rechtsextreme Szene weniger aktiv ist. Aktivisten aus der militanten Neonaziszene, solche der verbotenen KAL und ehemalige NPD-Kader haben sich unter dem Deckmantel der Splitterpartei „Die Rechte“ reorganisiert und nutzen das Parteienprivileg zwecks neuer Aktivitäten.

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