Nordeifel soll „Sternenregion“ werden

Von: Leandra Kubiak
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Die Region Nordeifel strebt die Zertifizierung „Sternenregion“ an. Foto: Rolf Zimmermann, Harald Bardenhagen, Leandra Kubiak

Aachen. Nachts mit dem bloßen Auge den Sternenhimmel betrachten – das ist an immer weniger Stellen in Deutschland möglich. In den Städten wird es immer heller, die Sterne verblassen in unseren Augen. Einen natürlichen Nachthimmel gibt es inzwischen weltweit nur noch an den allerwenigsten Stellen.

Eine der wenigen Regionen in NRW, in denen es nachts noch richtig dunkel wird, ist der Nationalpark Eifel. Im Februar wurde ihm dafür von der „International Dark-Sky-Association“ der Titel „Sternenpark“ verliehen.

Einer, der sich dafür einsetzt, dass der Himmel über der Eifel so dunkel bleibt, ist Harald Bardenhagen. Der 57-jährige Astronom entwickelte seine Leidenschaft für Sterne und das Weltall schon früh: „Mit etwa neun Jahren habe ich die Vorbereitungen zur Mondlandung verfolgt – seitdem war ich von diesem Thema absolut begeistert!“ Er sammelte jeden Zeitungsartikel rund um das Thema Raumfahrt und Astronomie und schaute mehr und mehr fachkundig in den Sternenhimmel in seiner Heimat in Norddeutschland.

Beruflich entschied er sich zunächst für einen anderen Weg, arbeitet lange in der Software-Branche und der Jugend- und Erwachsenenbildung. Doch schließlich machte er sein Hobby doch noch zum Beruf: Seit fünf Jahren studiert Harald Bardenhagen Astronomie über ein Fernstudium an einer Universität in Australien und hat auch schon einen ersten Abschluss gemacht.

Er gründete die Astronomie-Werkstatt „Sterne ohne Grenzen“ mit Sitz in Köln und bietet nun unter anderem Himmelsbeobachtungen im Nationalpark Eifel an. Eines ist ihm bei allem, was er tut, besonders wichtig: Er möchte Besucher dazu anregen, sich für einen natürlichen Nachthimmel einzusetzen. Also: den dunklen Himmel.

Die sogenannte Lichtverschmutzung sei ein immenses Problem. Gerade in Städten und Gebieten mit einer hohen Bevölkerungsdichte werde nachts viel Licht unnötig in Richtung Himmel gestrahlt. Das sei gleich in mehrerer Hinsicht problematisch, sagt Bardenhagen. Neben der schlechten Sicht auf die Milchstraße locke das helle Licht auch viele Tiere wie zum Beispiel Fledermäuse, Schmetterlinge und Köcherfliegen an und koste diese oftmals das Leben. Somit gerate die Vielfalt der Arten in Gefahr, sagt Bardenhagen. Zudem wirke es dem natürlichen Schlafrhythmus des Menschen entgegen, wenn es nachts in den Städten verhältnismäßig hell ist.

Im Zuge der Verleihung des Titels „Sternenpark“ hat sich der Nationalpark Eifel dazu verpflichtet, die Lichtverschmutzung für den Bereich des Nationalparks möglichst gering zu halten. Im Park selber gibt es zwar kaum künstliche Lichtquellen, der Einfluss größerer Städte kann aber bis zu 200 Kilometer weit in andere Regionen hineinreichen. Zwei Orte in der Umgebung des Nationalparks haben bereits reagiert: Schleiden und Heimbach wollen die Lichtverschmutzung in ihren Gemeinden reduzieren.

„Unsere historische Burg wird inzwischen nicht mehr die ganze Nacht über, sondern nur noch bis 23 Uhr beleuchtet“, sagt Peter Cremer, Bürgermeister der Stadt Heimbach. „Und unsere Straßenbeleuchtung haben wir zum Teil auf LED-Leuchten umgestellt.“ Das diene nicht nur einem klaren Sternenhimmel, sondern spare auch Kosten und Energie, sagt Cremer.

Als „Sternenpark“ hat sich der Nationalpark Eifel jetzt ein weiteres, ein höheres Ziel gesteckt: Die Region strebt die Zertifizierung „Sternenregion“ an. Diesen Titel, auch „International Dark Sky Reserve“ genannt, dürfen bislang nur neun Regionen weltweit tragen. Um ihn zu bekommen, müssen weit strengere Voraussetzungen als für den Sternenpark erfüllt werden. Die Sternenregion muss beispielsweise in einem Radius von 15 Kilometern um ein Zentrum herum reichen.

Das heißt, dass sich alle Gemeinden der nordrhein-westfälischen Eifel am Schutz des dunklen Nachthimmels beteiligen müssen.

Deshalb läuft im Naturpark Nordeifel jetzt ein zweijähriges Projekt. Damit sollen die Orte für das Thema sensibilisiert werden. Am Ende könne dann zum Beispiel eine Vereinbarung über Richtlinien zur Beleuchtung getroffen werden, sagt Bardenhagen. Das Projekt wird unter anderem von der NRW-Stiftung Naturschutz, Heimat- und Kulturpflege und dem EU-Förderprojekt für ländliche Räume, der Leader-Region Eifel, unterstützt wird. Die fachliche Begleitung leistet die Astronomie-Werkstatt „Sterne ohne Grenzen“.

„Die meisten Menschen haben bisher kein Bewusstsein für dieses Thema“, sagt Alexander Sobotta von der Leader-Region. Das Projekt sei daher nötig, um die betroffenen Gemeinden über die Thematik und die Pläne aufzuklären. Gegenstimmen habe es bisher nur sehr vereinzelt gegeben. In der Regel seien die Betroffenen aber von den Plänen überzeugt, sobald man sie genauer darüber aufgeklärt habe, sagt Bardenhagen. Die Eifel solle schließlich in der Nacht nicht völlig dunkel werden, die Beleuchtung solle nur angepasst werden.

Etwas gegen Lichtverschmutzung zu tun, sei gar nicht schwer, sagt Bardenhagen. Ansetzen könne man bei der Straßenbeleuchtung. Straßenlaternen schützen den Nachthimmel zum Beispiel immer dann, wenn sie nur auf den Boden, und nicht unnötig Richtung Himmel scheinen.

Seit Ostern dieses Jahres bietet die Astronomie-Werkstatt „Sterne ohne Grenzen“ Sternenwanderungen und Beobachtungen des Nachthimmels auf dem Vogelsang-Gelände im Nationalpark Eifel an. Dort entstand eineSternwarte: Es wurde ein kleiner Container auf einer Rasenfläche platziert, in dem sich ein professionelles Teleskop mit einem Spiegeldurchmesser von 30 Zentimetern befindet. Die Beobachtungen werden hier jedoch nicht innen über eine Kuppel gemacht – das Teleskop wird auf die Wiese gerollt und die Sterne werden unter freiem Himmel bestaunt. Harald Bardenhagen ist mit der Resonanz zufrieden: „Bisher konnten wir rund 600 Besucher anlocken“.

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