Aachen - Nochmal acht Jahre Haft für Mörder aus dem Rotlicht-Milieu

Nochmal acht Jahre Haft für Mörder aus dem Rotlicht-Milieu

Von: Wolfgang Schumacher
Letzte Aktualisierung:

Aachen. Überraschend schnell kündigte Richter Arno Bormann, der Vorsitzende der 1. Großen Strafkammer am Aachener Landgericht, nach den morgendlichen Plädoyers an, er wolle in dem langwierigen Drogenverfahren bereits nachmittags das Urteil gegen Klaus Günter S., 52, sprechen.

S. bekam acht Jahre Haft wegen Handels mit sieben Kilogramm Kokain und der Beihilfe dazu, drei Jahre werden ihm wegen überlanger Verfahrensdauer als verbüßt angerechnet.

Verteidiger Norbert Hack hatte gefordert, die ganze Strafe als verbüßt anzusehen, Oberstaatsanwalt Alexander Geimer beantragte hingegen zehn Jahre.

Die plötzliche Eile am Dienstag wird Wasser auf die Mühlen des Anwalts sein, der der Justiz seit Beginn des Prozesses vorwirft, den Stab über seinen Mandanten schon lange gebrochen zu haben, mithin sei die Verhandlung eine Farce „und reine Willkür” gewesen, wie Hack am Dienstag wiederholte.

Jedenfalls war es vorerst der letzte Großauftritt und insgesamt das 17. Mal seit Oktober letzten Jahres, das ein SEK-Kommando das Justizzentrum sicherte.

Der Mann, den es an der Flucht hindern sollte, wurde zu jedem einzelnen Prozesstag in Hand- und Fußfesseln und mit großem Polizeibesteck aus der JVA Bochum gebracht.

S., der noch immer als hochgefährlicher Mörder aus dem Aachener Rotlichtmilieu gilt, hat im Juni 1996 zwei Männer in der Geilenkirchener Nachtbar „Nadias” erschossen.

Einer von ihnen war sein Nebenbuhler, ein aus dem Amsterdamer Rotlichtviertel stammender Kickboxer. Das Aachener Schwurgericht verhängte 1997 lebenslange Haft für S.

Nur zwei Jahre später fand sich S. als bestbewachter Mörder im Hochsicherheitstrakt der Kölner JVA wieder.

Seine Ex-Freundin habe ihn per Hubschrauber und mit einem Killerkommando aus dem Gefängnis befreien sollen, hieß es damals, ein Mithäftling hatte ihn angeblich verraten.

Weil nicht die Flucht strafbar ist, sondern zumeist die begleitenden oder vorbereitenden Taten, kam es auch hier zu einer Ersatzanklage: Handel mit großen Mengen Kokain aus der JVA heraus, die Ex-Gefährtin und Barbetreiberin Rita Sch. sollte das auf sein Betreiben hin organisieren.

Das bestreitet S. jedoch. Sch. habe alleine „die Tatherrschaft” innegehabt und nicht er, beteuerte er in seinem letzten Wort. Die Richter sahen das anders. Arno Bormann sagte: „Er ist der Täter gewesen und der Anstifter”, und berief sich auf Mitschnitte von Telefonaten.

Der Richter entschuldigte sich beim Angeklagten tatsächlich für die überlange Verfahrensdauer. Das sei keine Faulheit, sondern auf die Überlastung der Gerichte und die Personalknappheit zurückzuführen.

Für Anwalt Hack ist das Justizverhalten inklusive der fast zehnjährigen Isolationshaft menschenverachtend: „Das grenzt an Folter”, meinte er und kündigte Revision wie eine neuerliche Beschwerde beim Bundesverfassungsgericht an.

Wenn alles nichts nützt, gehe er vor den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert