Nicht nur Spaghetti zu Weihnachten

Von: Sarah Maria Berners
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Aachen. Weihnachten ist - trotz seiner Geschichte und aller Romantik - ein Fest des Konsums.

Konsum, den sich nicht jeder leisten kann. „Zu keiner Zeit wird hier bei uns so viel geweint, wie in der Weihnachtszeit”, erzählt Jutta Schlockermann, Vorsitzende der Aachener Tafel.

Das Fest der Liebe liegt nun mal am Monatsende - eine Zeit, in der sich die Portemonnaies langsam leeren, das wenige Geld derer, die auf staatliche Transferleistungen angewiesen sind, aufgebraucht ist. „Dann wird die Küche in vielen Haushalten sehr einfach”, sagt Schlockermann. Und wer will an Heiligabend schon Spaghetti mit Tomatenketchup essen?

Damit auch in ärmeren Familien ein festliches Weihnachtsmahl gekocht werden kann, hat Schlockermann vor sieben Jahren die Weihnachtskisten-Aktion ins Leben gerufen. Damit wollte sie den Geist der Weihnacht sichtbar machen und eine Brücke schlagen zwischen Teilen der Gesellschaft, die sich im Alltag nur selten begegnen. Die Aktion - die von unserer Zeitung und dem WDR unterstützt wird - hat in ganz NRW Nachahmer gefunden. 60.000 gut gefüllte Kisten sind in diesem Bundesland im vergangenen Dezember abgegeben worden. Auch in diesem Jahr werden am 15. Dezember wieder vielerorts Kartons bunt beklebt und mit allen Leckereien gefüllt, die zu einem Weihnachtsessen dazugehören.

Jutta Schlockermann und ihre Mitstreiter der Tafeln sind immer wieder überwältigt, wie viele Menschen sich in der stressigen Weihnachtszeit doch auf das Wesentliche besinnen und vor Ort mit einer Weihnachtskiste helfen, sich solidarisch zeigen mit denen, denen es nicht so gut geht.

„Natürlich kann die Aktion nur eine symptomatische Hilfe sein”, sagt Schlockermann. Die Tafeln seien in Deutschland traurige Realität, deren Ursachen es dringend zu behandeln gelte. 11.000 Haushalte sind allein bei den teilnehmenden Tafeln in der Region registriert.

„Ich würde mir wünschen, dass uns nicht so viele Menschen brauchen”, sagt Schlockermann. Tatsächlich werden es immer mehr. In Aachen kommen monatlich 50 Haushalte hinzu, und auch in der beschaulichen Eifel stehen die Menschen vor der Ausgabestelle der Tafel Schlange.

Umso mehr freuen sich deren Kunden über die weihnachtliche Solidarität. Viele planen die Kiste fest mit ein. Manchmal werden die Tafel-Mitarbeiter schon im Sommer gefragt, ob es wieder eine Weihnachtskiste mit Leckereien gibt. „Schlimm fände ich, wenn ich einmal nicht für jeden, der kommt, eine Kiste habe”, sagt Schlockermann und hofft auch in diesem Jahr auf viel Resonanz für alle Tafeln in der Region.
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