Aachen - Nicht mal jeder Zehnte geht in die Messe

Nicht mal jeder Zehnte geht in die Messe

Von: Robert Esser und Udo Kals
Letzte Aktualisierung:
Beantwortet am 12. April alle
Die Zahl der Katholiken sinkt. Der demografische Wandel sei ein Grund für diese Entwicklung, sagt Generalvikar Manfred von Holtum. Foto: Archiv Foto: Robert Esser

Aachen. Die Zahl der Gläubigen, die ihr „Gotteslob“ lieber im Schrank lassen als am Wochenende mit dem Gesangsbuch in der Hand eine Messe zu besuchen, steigt unaufhörlich weiter: Rund ein Viertel weniger Gottesdienstbesucher seit 2006 verzeichnet das Bistum Aachen nach der am Freitag veröffentlichten Statistik für 2012.

Wurden vor sieben Jahren noch rund 130.000 Gläubige bei den Messen in den Kirchen zwischen Niederrhein und Eifel gezählt, waren es 2012 keine 102 000 mehr. Weist das Zahlenwerk für das Jahr 2012 im Vergleich zum Vorjahr noch einen moderaten Rückgang um 5,33 Prozent aus, beläuft sich das Minus seit 2006 auf rund 23 Prozent. Nicht einmal jeder zehnte Katholik besucht im Bistum Aachen die Sonntagsmesse (9,25 Prozent). In der Stadt Aachen sind es sogar nur 8,6 Prozent.

Parallel dazu verlassen weiterhin einige tausend Katholiken pro Jahr allein in der hiesigen Diözese die Kirche, wobei die Zahl der Austritte – auf hohem Niveau – im vergangenen Jahr abermals gesunken ist. Traten 2011 noch 4479 Katholiken aus der Kirche aus, waren es im vergangenen Jahr mit 3924 rund 12,4 Prozent weniger. Im Jahr 2010 hatten auf dem Höhepunkt des Missbrauchsskandals 5961 Gläubige der katholischen Kirche den Rücken gekehrt. Übrigens traten 104 Menschen anderer Konfessionen im vergangenen Jahr in die Kirche ein (2011: 81), davon wechselten 89 vormalige Protestanten zum Katholizismus (2011: 70). Wiederaufnahmen zählte das Bistum im Vorjahr 336 (2011: 332).

Insgesamt verringerte sich jedoch bistumsweit die Zahl der Katholiken. Seit 2006 (1,17 Millionen) hat das Bistum bis 2012 bei nun 1,1 Millionen rund 70 000 Katholiken verloren (minus 6 Prozent). Im Vergleich zum Vorjahr sank die Zahl um knapp 9800 Gläubige (minus 0,88 Prozent). Im Bistum Aachen, das von der Eifel über Düren, Aachen, Heinsberg, Mönchengladbach und Kempen-Viersen bis Krefeld reicht, lebten 2012 knapp 2,3 Millionen Menschen. Damit sank der Anteil der Katholiken an der Gesamtbevölkerung auf 54,27 Prozent. Der Abwärtstrend in der kirchlichen Statistik hält seit Jahren an.

Der demografische Wandel sei ein Grund für diese Entwicklung, sagt Generalvikar Manfred von Holtum. Zugleich fügt er auch selbstkritisch hinzu, dass sich die Menschen nicht mehr in dem Maße mit der katholischen Kirche identifizierten. „Die Kirche entwickelt nicht mehr die Bindungskraft vergangener Jahrzehnte“, meint von Holtum und betont zugleich, dass es im Bistum Ansätze gebe, diesem Trend etwas entgegenzusetzen. „Wir versuchen eine Zukunft der Kirche zu gestalten, die mit pastoralen und seelsorglichen Angeboten nah bei den Menschen und ihrer Lebenswirklichkeit ist.“

Bei den Kirchenaustritten liegt das Bistum im Landes- und Bundestrend. Insgesamt verließen in den fünf NRW-Bistümern Aachen, Essen, Köln, Münster und Paderborn 28 536 Katholiken die Kirche – 3000 weniger als im Jahr 2011 und 14.000 weniger als 2010, als die Austrittswelle unter dem Eindruck des Missbrauchsskandals einen Rekordwert erreichte.

Auch bei Taufen (2012: 6896, minus 4,1 Prozent) und Firmungen (2012: 5901, minus 3,8 Prozent) verzeichnet das Bistum Aachen eine negative Entwicklung, hingegen empfingen mit 9237 einige Kinder mehr die Erstkommunion als 2011 .

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