Nicht genügend Boote für die Rettung

Von: Carmen Krämer
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Die „Stella Maris“ war vergangene Woche zufällig zur Stelle, als ein mit zehn Menschen überladenes Boot der DLRG sank. Doch was wäre, wenn die „Stella Maris“ selbst in Seenot geriete? Foto: Peter Stollenwerk

Simmerath. Eigentlich sollte es ein gemütlicher Ausflug in die Eifel werden, doch die Tour der Aachener Kleebachschule für Menschen mit geistiger Behinderung auf dem Rursee endete vergangene Woche beinahe in einer Katastrophe.

Aus immer noch unbekannter Ursache havarierte ein offenbar überladenes Boot der DLRG in der Woffelsbacher Bucht mit insgesamt zehn Insassen, darunter vier Kinder der Kleebachschule. Glücklicherweise konnten die mit dem Rettungsboot gekenterten Menschen von einem Hilfsboot des Yachtclubs und der gerade zufälligerweise passierenden „Stella Maris“, einem Boot der Rurseeschifffahrt, aufgenommen werden.

In diesem Fall wurde also das Passagierschiff zum Retter in der Not. Aber was passiert eigentlich, wenn eines der großen Passagierschiffe, die schließlich bis zu 490 Menschen transportieren können, in Not geraten würde und schlimmstenfalls sogar evakuiert werden müsste? Und welche Sicherheitsmaßnahmen werden überhaupt am Rursee getroffen, insbesondere wenn die DLRG, deren Dienst sich auf Feiertage und Wochenenden beschränkt, nicht vor Ort ist?

„Die Feuerwehr Simmerath, die DLRG und das THW haben insgesamt vier Boote, auf die jeweils zwischen sechs und zehn Menschen passen“, erklärt der Leiter der Feuerwehr Simmerath, Christian Förster. „Der Großteil unserer Einsätze liegt aber darin, gekenterten Seglern zu helfen. Wenn etwas auf den Passagierschiffen passieren würde, würden wir mit einer entsprechend hohen Anzahl an Einsatzkräften ausrücken, aber wir als Feuerwehr haben nur ein Boot, mit dem wir an das Schiff heranfahren können.“ Selbst der Einsatz aller vier Rettungsboote würde also bei weitem nicht ausreichen, wenn es zu einer Evakuierung eines vollbesetzten Passagierschiffes kommen sollte.

Die Geschäftsführerin der Rurseeschifffahrt Waltraud Heuken weist aber darauf hin, dass die Schifffahrt nun schon mehr als 100 Jahre bestehe und es bisher noch nie zu einer solchen Situation gekommen sei. „Wir haben außerdem für jeden Gast eine Schwimmweste an Bord, die Notausgänge sind gut sichtbar und erst vor ein paar Tagen war ein Sicherheitsbeauftragter da, der alles überprüft hat.“ Zudem seien die beiden Schiffe nie mehr als vier oder fünf Kilometer voneinander entfernt, so dass das eine dem anderen in kurzer Zeit zur Hilfe kommen könne und auch das Ufer sei schließlich immer erreichbar.

Herbert Polczyk, Leiter des Unternehmensbereichs Talsperren vom Wasserverband Eifel-Rur, erläutert das Sicherheitskonzept folgendermaßen: „Der eigentliche Schutz fängt schon in der Vorsorge an. Jeder Bootseigentümer ist grundsätzlich für sich selbst zuständig, daher sollte man auf dem Boot auf jeden Fall eine Schwimmweste tragen.“ Bei einem großen Unglück in der Fahrgastschifffahrt seien Feuerwehr, DLRG und THW hinsichtlich ihrer Rettungsboote wohl überfordert, räumt er ein.

Die Antwort kommt aus Duisburg

Was passiert also, sollte die „Stella Maris“ tatsächlich einmal kentern und bis zu 490 Passagiere zu Schiffbrüchigen werden?

Die Antwort kennt die Wasserschutzpolizei Duisburg, obwohl die Simmerather Feuerwehr sie eigentlich auch kennen sollte. In der Rheinschifffahrtsordnung ist geregelt, dass sowohl die Polizei als auch die Feuerwehr in einem solchen Unglücksfall alle privaten Boote und Schiffe sofort beschlagnahmen und zum Rettungseinsatz bestimmen könnte. Der Teil der Verordnung gilt nicht nur für den Rhein, sondern auch für Binnengewässer wie den Rursee.

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