Neun Jahre Haft für Burak S., Tumult nach dem Urteil

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Viel Polizei am Adalbertsteinweg: Nach dem Urteil gegen Burak S. ist es am Donnerstagvormittag zu einer Massenschlägerei gekommen. Foto: Ralf Roeger

Aachen. Der 21-jährige Burak S. aus Stolberg ist vor dem Aachener Landgericht zu neun Jahren Haft nach Jugendstrafrecht verurteilt worden. Mit dem Urteil liegt das Gericht ein Jahr unter der möglichen Höchststrafe.

Nach der Verhandlung im Mordprozess haben sich nach der Urteilsverkündung rund 50 Zuschauer im Gerichtsgebäude und auf dem Vorhof an Tumulten beteiligt. Männer beider Familien gingen auf dem Flur aufeinander los.

Mit neun Streifenwagen rückte die Polizei an, um die Streithähne der beiden Familien, die sich schon an früheren Verhandlungstagen wüst beschimpft und gerangelt hatten, auseinander zu bringen. Auch der Notarzt wurde zu Hilfe gerufen.

Der Angeklagte war zuvor geständig und hatte vor der 1. großen Jugendkammer zugegeben, in der Nacht zum 15. März dieses Jahres seine 18-jährige Ehefrau, die im 4. Monat schwanger war, getötet zu haben.

Bereits vor der Tat ist es laut Gericht zu erheblichen Streitereien zwischen den Eheleuten gekommen. Mehrfach hätten Nachbarn die Polizei gerufen. Das Paar war erst wenige Wochen verheiratet, die Frau im vierten Monat schwanger. Ihre Familie war gegen die Hochzeit. Schon während des Prozesses war die Stimmung zeitweise aufgebracht.

Die Frau habe sich trennen wollen. Es habe auch Streit um die ungeborene Tochter gegeben. Im Gerangel habe der Mann seine Frau zunächst erst bewusstlos gewürgt und dann ihren Hals ein weiteres Mal zugedrückt, bis der Tod eintrat. Auf die Höchststrafe von zehn Jahren Jugendstrafe verzichtete die Kammer unter anderem, weil der Angeklagte ein frühes Geständnis ablegte, bei der Tat „alkoholisch enthemmt” war und sich in einer psychischen Belastungssituation befand.

Um die Stimmung im überfüllten Zuschauerraum nicht unnötig aufzuheizen, verzichtete der Vorsitzende Richter Gerd Nohl darauf, die Tat im Urteil erneut detailliert zu schildern.

Er mahnte: „Von den Familien sollte sich keine als Sieger oder Überlegene fühlen, weil es unter dem Strich nur Verlierer gibt.” Sein Appell, die Familien mögen den Urteils-Tag als „Tag des Neubeginns begreifen”, verhallte indes. Kaum war sein letztes Wort gesprochen, da fielen schon erste Beschimpfungen.
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