Aachen/Vaals - Neugestaltung des Dreiländerpunkts: In Vaals regt sich Kritik

Neugestaltung des Dreiländerpunkts: In Vaals regt sich Kritik

Von: Heiner Hautermans
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Neu gestaltet wurde die unmittelbare Umgebung des Dreiländerpunkts. In Vaals regt sich bereits Kritik an den Plänen, die allerdings noch nicht vollständig umgesetzt sind. Foto: Leah Hautermans

Aachen/Vaals. Etwa eine Million Menschen besucht die Stelle Jahr für Jahr, etwa so viele wie den Aachener Dom. Vor allem Niederländer, aber auch Deutsche und Belgier. Nicht viel her machte der Dreiländerpunkt bislang, weshalb er - als Teil der Euregionale 2008 und des Grenzrouten-Projektes - aufgehübscht wurde.

In einem grenzüberschreitenden Projekt wurden dafür immerhin 100.000 Euro aufgewendet, doch jetzt regt sich erste Kritik an den Baumaßnahmen auf dem höchsten Punkt der Niederlande. Eine eindeutige Verschlimmbesserung sei das, schimpft Jean-Paul Kompier in einem Leserbrief im „Vaalser Weekblad”.

Kompier ist in Vaals durchaus bekannt als kritischer Kopf. Er ist Betreiber eines angrenzenden Ausflugslokals und sitzt im Gemeinderat für die rechtsliberale VVD in der Opposition. Bislang habe er nur negative Reaktionen über die Umgestaltung bekommen, schildert der besorgte Bürger im Vaalser Wochenblatt. Die Attraktivität des Bereichs habe gelitten, es sei kaum noch zu erkennen, dass dort drei Länder aneinanderstoßen, die beweglichen Bänke schon aus der Spur gesprungen, obendrein laufe das Wasser nicht davon ab, wenn es regne. Außerdem bestehe die Gefahr von Verletzungen, wenn diese Bänke rund um den Grenzpfahl 193 hin- und herbewegt würden.

Paul Dunkel vom beauftragten Aachener Planungsbüro Dunkel und Korte kann die Mäkelei nicht recht nachvollziehen. Er verweist darauf, dass das Werk noch nicht vollendet ist, beispielsweise noch Hinweistafeln und Displays mit Informationen zum Standort, Umgebung und Geschichte aufgestellt oder auf den Boden montiert werden. „Die redaktionellen Inhalte werden zurzeit zwischen den Kommunen (Vaals, Aachen und Plombières, d. Red.) abgestimmt.” Geplant sei nämlich genau das Gegenteil von dem, was Ratsherr Kompier vermute.

Die Umgestaltung solle den Dreiländerpunkt nach dem Prinzip der Schallwellen stärker in den Mittelpunkt des vielbesuchten Ausflugsziels mit Aussichtstürmen, Spielplätzen und einem Labyrinth stellen. Bislang sei nur ein kleiner Bereich (im Zehn-Meter-Radius) gestaltet worden, es sei aber möglich, ein System von Kreisringen über das ganze Plateau des Dreiländerpunkts, etwa durch Bodenmarkierungen, zu legen. Der erste Kreis um den Grenzpfahl 193 besteht aus rötlichem Granulat, daran schließt sich ein grünes, 60 Zentimeter breites Metallband an, auf dem drei Sitzbänke in Führungsschienen angeordnet sind.

Sie lassen sich verschieben, was bei einem spontanen Besuch der „Nachrichten” durchaus für Erheiterung bei einer niederländischen Familie sorgte: „Ich fahre von einem Land zum anderen”, rief stolz ein etwa sechsjähriges Mädchen, und ihre Eltern sahen es mit Wohlgefallen. Genau diesen Effekt habe man erzielen wollen, sagt Planer Paul Dunkel. „Man sieht vor Ort, dass das angenommen wird. Kinder und Erwachsene haben viel Spaß dabei.” Und bis zur offiziellen Eröffnung Ende Juni soll alles nachvollziehbarer und besser erläutert werden, etwa durch Angaben zu Historie, Geografie, Fauna und Flora.

Vierländerpunkt

Zum Bespiel über Neutral-Moresnet, das von 1815 bis 1919 an den Grenzpfahl 193 grenzte, der in dieser Zeit ein Vierländerpunkt war. Hintergrund: Nach dem Abtreten Napoleons bestand Uneinigkeit darüber, wem das roh-stoffreiche Territorium zugeschlagen werden sollte. Preußen und das Königreich der Niederlande beanspruchten beide den Galmeiabbau, der für die Zink- und Messingherstellung benötigt wurde. Als Kompromiss wurde eine gemeinschaftliche Verwaltung vereinbart.
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