Neues Praxissemester für angehende Lehrer

Von: Thorsten Karbach
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Raum für Diskussionen: Bei einer Tagung in Aachen sprachen Studenten, Lehrer und Ausbilder mit Fachmann Johannes WIldt über die Unsicherheiten, die sie vor dem Praxissemester empfinden. Foto: Andreas Steindl

Aachen. Sie sind die Ersten. Mitte Februar werden erstmals Studenten der RWTH Aachen auf dem Weg zum Lehrerberuf für ein Praxissemester an Schulen gehen – lange bevor sie ihr Referendariat beginnen. Sie betreten ebenso wie die Schulen Neuland.

Um Unsicherheit, vielleicht auch Ängste zu nehmen, diskutierten in Aachen 170 Fachleute, unter ihnen Studenten, Lehrer aus Schulen der Region, Lehrende der RWTH, Vertreter des Schulministeriums und der Bezirksregierung über das anstehende Praxissemester. „Gemeinsam neugierig sein?“ war die Tagung des Lehrerbildungszentrums der RWTH mit der Bezirksregierung Köln überschrieben.

Wie wurde die Lehrerausbildung verändert?

Nach dem Lehrerausbildungsgesetz (LABG) von 2009 ist dieses Praxissemester für alle Lehramtsstudenten, die ihr Studium ab dem Wintersemester 2011/2012 aufgenommen haben, fester Bestandteil der universitären Lehrerausbildung in NRW. An der RWTH ist dieses Praxissemester im zweiten Semester des Masterstudiengangs vorgesehen – somit kommt nun der erste Jahrgang an die Schulen. Dazu wurde bereits im Dezember 2011 eine Kooperationsvereinbarung der RWTH mit den Zentren für schulpraktische Lehrerausbildung in Aachen, Jülich und Vettweiß geschlossen. Das gute, alte Staatsexamen hat damit ausgedient. Wer Lehrer wird, erwirbt an der Hochschule zuerst den Bachelor und dann den Master of Education.

Was machen die Studenten an den Schulen?

Die Studenten werden im vorausgehenden Semester auf den Schulbesuch vorbereitet. Anschließend verbringen sie fünf Monate in einer Schule, nehmen am Unterricht teil und führen Erkundungen durch, wobei diese Phase von weiteren Seminaren begleitet wird. Das Praxissemester ist kein vorgezogenes „Mini-Referendariat“. Gleichwohl ermöglicht es den Studenten einen intensiven Einblick in die schulische Praxis. Das eigentliche Referendariat fällt im Zuge der Reform der Lehrerausbildung kürzer aus: Statt 24 Monaten dauert es nur noch 18 Monate.

Warum wurde dieses Praxissemester überhaupt eingeführt?

Es gibt viele Geschichten von angehenden Lehrern, die erfolgreich studierten und dann im Referendariat erkennen mussten, dass sie doch nicht für den Lehrerberuf geeignet sind. Dass sie nicht gerne vor einer Klasse stehen. Dass ihnen die Arbeit mit den Kindern sehr viel schwerer fällt als das Lehramtsstudium im Hörsaal. Studenten hatten in der Vergangenheit immer wieder mangelnde Praxis im Lehramtsstudium moniert. Deswegen wurden auch frühzeitige Praktika ins Studium eingebaut. Die Studenten sollen durch das neue Praxissemester frühzeitig auf die Anforderungen in der Schule und die Ansprüche im Referendariat vorbereitet werden.

Bei der Ankündigung, im Frühjahr 2015 das Praxissemester endlich flächendeckend in NRW anbieten zu können, erklärte Schulministerin Sylvia Löhrmann: „Mit diesem neuen Format wollen wir die Möglichkeit eröffnen, bereits im Studium die realen Anforderungssituationen des Lehrerberufs, die Herausforderungen, aber auch die Freuden, intensiv über einen längeren Zeitraum kennenzulernen. Nordrhein-Westfalen trägt damit der seit Jahrzehnten immer wieder formulierten Kritik der Praxisferne der Lehrerausbildung Rechnung.“

Das Ziel ist also, erste Erfahrungen als Lehrer zu sammeln?

Nicht nur. Es geht für die Studenten auch darum, ihre schulpraktischen Erfahrungen mit wissenschaftlicher Theorie zu verknüpfen. Wörtlich heißt es in den Anforderungen, die Studenten sollten mit einer „forschenden Grundhaltung“ ihre Schule besuchen. Johannes Wildt, ehemals Leiter des Hochschuldidaktischen Zentrums der Technischen Universität Dortmund, erklärte dazu in Aachen, die Schule dürfe nicht zum Ort der Forschung werden. Es sei aber sehr wohl angedacht, dass die Neugier der Studenten den Unterricht bereichere.

Was ist das Problem?

Es gibt noch keine Erfahrungswerte. Das schürt Unsicherheiten, auch Ängste. Überfordern die angehenden Lehrer mit ihrem Engagement möglicherweise die Schulen? Kommen sie Sie an den Schulen wunschgemäß zum Zuge? Welche Spielräume gibt es in der Praxis? Diese Fragen standen im Mittelpunkt des „Aachener Dialogs zum Praxissemester“. Es war ein Austausch über die inhaltliche Gestaltung des Praxissemesters, bei dem Studenten ihre Vorstellungen von Projekten, die sie an Schulen starten wollen, direkt mit Lehrern besprechen konnten. „Es ging damit auch darum, gegenseitiges Vertrauen zu schaffen“, bilanziert Ursula Boelhauve vom Lehrerbildungszentrum der RWTH Aachen. Das wichtigste Resultat war demnach: Der Austausch fand großen Zuspruch. Er müsse fortgeführt werden.

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