Neues Elektro-Auto aus Aachen: Serienproduktion ab 2018

Von: Bernd Mathieu
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Ein besonders günstiges Elektrofahrzeug aus Aachen: Die e.GO Mobile AG entwickelt auf dem RWTH Aachen Campus dieses Auto. Günther Schuh, Vorstandsvorsitzender der AG, präsentiert die Design-Studie des neues Autos, das je nach Ausstattung ab Frühjahr 2018 zu Preisen zwischen 12.500 und 13.900 Euro verkauft werden soll. Foto: Michael Jaspers
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Ein Elektroflitzer mit viel Fahrspaß: Die Testfahrt auf Chassis-Basis zeigt es. Der „e.GO Life“ soll ab 2018 in Aachen produziert werden. Foto: Michael Jaspers
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Stolze Aachener Autoentwickler und -bauer der e.GO Mobile AG (von links): Alexander Weis, Günther Schuh, Olaf Wendt und Matthias Kreimeier. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Am Anfang, so formuliert das der Wissenschaftler Günther Schuh nicht ohne ein gewisses Understatement, sei es „nur“ um einen „rein wissenschaftlichen Ansatz“ gegangen. Der lautete schlicht und einfach: „Wir wollten zeigen, dass man mit Industrie 4.0 ein Auto viel günstiger entwickeln und in Serie bauen kann als bislang.“

Günther Schuh und sein Team haben das mit der Entwicklung eines neues Autos ganz offensichtlich bewiesen – und jetzt? Ja, jetzt soll es mit großen Schritten in die Serienreife und dann in die Produktion gehen, natürlich in Aachen!

Noch ist der neue „e.GO Life“ der e.GO Mobile AG Aachen auf den ersten Blick eine Design-Studie. Aber nur auf den ersten Blick; denn das Chassis und der Bosch-Motor sind bereits ganz konkrete Realität und weit von jeder Träumerei entfernt. Günther Schuh, Vorstandsvorsitzender (CEO) der e.GO Mobile AG: „Das ist weltweit das einzige Beispiel eines Elektro-PKW, der nicht teurer ist als ein vergleichbares Auto mit Verbrennungsmotor.“

Das Fahrzeug, das ab Frühjahr 2018 in Serie gehen und, es sei noch einmal betont, in Aachen produziert werden soll, soll zwischen 12.500 und 13.900 Euro kosten, je nach Ausstattungsvariante. Es wird zwei Sitze und – in der teureren Variante – eine Rückbank haben. Diese höherpreisige Version umfasst auch zwei zusätzliche Batterien (zu den vier serienmäßigen) und kommt damit dann auf eine Reichweite von etwa 120 Kilometern.

Nach dem „StreetScooter“ ist der „e.GO Life“ das zweite Elektroauto, das auf dem RWTH Aachen Campus entwickelt wurde. Die StreetScooter GmbH ist 2014 von der Deutschen Post (DHL) gekauft worden. Zurzeit werden dort sechs Fahrzeuge, kleine Elektro-Lieferwagen, täglich in Aachen an der Jülicher Straße produziert.

Mit der Erfahrung der „StreetScooter“-Produktion und auf der Basis von eKarts, die man, so Günther Schuh, Mitbegründer der StreetScooter GmbH, „zum Üben entwickelt“ habe, ist in der Demofabrik am Campus-Boulevard ein Gesamtprozess entstanden. Der reicht vom Einkauf bis zum Vertrieb. Die eKarts sollen demnächst ebenfalls zur Serienreife und in kleiner Stückzahl in den Verkauf gebracht werden – in der neuesten Version im Aluminium-Leichtbau. Die ist nicht nur elegant, sondern auch wesentlich leichter. Die Karts sollen über das Aachener Unternehmen „Pro Idee“ vertrieben werden.

Günther Schuh und seine Mitarbeiter geraten ins Schwärmen, wenn sie von ihren innovativen Produkten reden. So hört sich die Kombination aus Erfinder-, Forscher- und Gründergeist an! Das klingt dann zum Beispiel so: „Wir wollen auf dem Campus eine produktionstechnische Erfinderfabrik haben.“ (Günther Schuh). Der „e.GO Life“ sei das ambitionierte Produkt einer kleinen, jungen Elektroschmiede. Die Entwicklungskosten liegen etwa bei einem Zehntel im Vergleich der Automobilindustrie, also 30 statt 300 Millionen Euro für ein seriennahes Fahrzeug. Das wird durch Industrie 4.0 und das Netzwerk aus Wissenschaft und Wirtschaft auf dem RWTH Aachen Campus möglich.

„Es gibt nur wenige so weit entwickelte Demofabriken wie unsere“, sagt Schuh. „Wir zeigen hier, was geht, am besten natürlich Elektroautos.“ Das 50-köpfige Team hat ein Durchschnittsalter von 29 Jahren. Der erste Prototyp für das Fahrzeug wurde zu 30 Prozent aus 3D-gedruckten Komponenten aufgebaut.

Der „e.GO Life“ erfüllt die Kriterien der neuen europäischen Richtlinie für Kleinfahrzeuge. Sie begrenzt die Höchstgeschwindigkeit auf 90 km/h. Für Günther Schuh sind das ideale Voraussetzungen für die Stadt, und nur dafür sei das Auto gedacht. „Elektroautos sind für die Kurzstrecke konzipiert, nicht für die Autobahn und den Wald.“

2017 werden 100 Primotypen gefertigt, davon werden 75 an Beta-Tester verkauft. Dafür gibt es bereits eine Warteliste. Über eine Cloud-Box werden alle technischen Daten während der Fahrten aufgezeichnet und ausgewertet. 2018 soll das Auto in die Serienproduktion. Günther Schuh kalkuliert mit 10.000 Fahrzeugen pro Jahr, die in einer „gläsernen Fabrik“ an der Jülicher Straße gebaut werden sollen.

Möglichst viele der kompakten Stadtfahrzeuge sollen über Direktvertrieb verkauft werden, es soll in Deutschland nur sechs bis acht lokale Händler geben. In Aachen wird es einen Showroom geben, und Internetinteressenten werden zu einem Erlebnistag nach Aachen eingeladen, Aachen-Campus-Tour inklusive. Weitere Märkte sehen die Aachener in den europäischen Ländern, die eine Absatzförderung für Elektroautos haben, also in Dänemark, Schweden, Norwegen, den Niederlanden und der Schweiz. Konkrete Verhandlungen gibt es in unserer Region bereits mit einer Hilfsorganisation, die sich unter anderem um „Essen auf Rädern“ kümmert.

Das Elektroauto vermittelt neben seiner innovativen Modernität und dem attraktiven Preis viel Fahrspaß mit einer bemerkenswert rasanten Beschleunigung. Aufgeladen wird das Fahrzeug an der normalen Steckdose. Die kunststoffbeplankte Struktur reduziert die Herstellkosten, ein 48-Volt-Antrieb mit Großserien-E-Motoren sowie eine konsequente Modellbauweise tragen auch zu den niedrigen Kosten bei. „Wir sind selber überrascht, wie viel Fahrspaß ein derart kompakter Elektroflitzer darüber hinaus bringt“, sagt Günther Schuh.

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