Köln - Neues Album: Alles auf Anfang bei den Höhnern

Neues Album: Alles auf Anfang bei den Höhnern

Von: Madeleine Gullert
Letzte Aktualisierung:
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Der Frontmann und der „Neue“: Sänger Henning Krautmacher (l.) und der Erkelenzer Micki Schläger präsentierten mit den anderen Höhnern bei einem WDR4-Radiokonzert in Köln ihr Album „Alles op Anfang“. Foto: WDR/Sabine Tenta

Köln. Micki Schläger war klar, dass seine Bewerbung aus den Hunderten Anschreiben hervorstechen musste. Als die Höhner im vergangenen Sommer einen neuen Keyboarder suchten, schrieb er frech „Keyboarder gefunden“ anstatt wie alle anderen „Keyboarder gesucht“ in die Betreffzeile seiner Bewerbung. Das und Schlägers musikalisches Talent kamen bei der Band rund um Sänger Henning Krautmacher gut an.

Inzwischen ist der Erkelenzer seit einigen Monaten Bandmitglied. Doch ein besonderer Moment stand noch aus: das erste Höhner-Album, an dem er mitgewirkt hat. Das erscheint am Freitag und steht ebenfalls ganz im Zeichen der Veränderung.

„Alles op Anfang“ hat die Kölner Kult-Band ihr Album passenderweise benannt. „Zwei Gründungsmitglieder haben uns vergangenes Jahr verlassen. Da waren wir quasi auf null zurückgesetzt“, sagt Bassist Hannes Schöner bei der Präsentation des Albums im WDR-Funkhaus in Köln. Peter Werner und Janus Fröhlich gingen, Micki Schläger und Schlagzeuger Wolf Simon kamen neu dazu. Das habe nicht nur die Besetzung, sondern auch den Sound der Band verändert.

„Aber das Fundament bleibt“, sagt Schöner, der die Gruppe gern mit einem Haus vergleicht. Die beiden Neu-Höhner seien eben neue Zimmer in dem Haus oder ein Anbau. „Unser Film is noch lang nit vorbei“, singen die Kölner in dem Titelsong „Alles op Anfang“. Und im Publikum des Funkhauses wippen und singen Peter Werner und Janus fröhlich mit – bei jedem Lied. Sie kennen die Lieder, schließlich waren sie bei den Aufnahmen in Südfrankreich mit dabei und durften bei dem ein oder anderen Refrain auch mitsingen.

Wer an die Höhner denkt, hat automatisch Karneval im Kopf. Und auch auf der neuen CD sind „karnevals-kompatible“ Lieder, wie Krautmacher erklärt. Lieder mit vielen „Oooh-oooh-oohs“ zum Mitgrölen. Doch auch wenn es beim ersten Hören nicht gleich auffällt, geht es den Kölnern bei „Kumm loss mer danze“ um Integration. Alle suchten den richtigen Weg, aber nur zusammen könne das gelingen, singt Krautmacher. Überhaupt behandelt die Band viele ernste Themen auf dem neuen Album. „Als wir das Album gemacht haben, haben wir uns nicht zum Ziel gesetzt, einen Karnevalshit zu schreiben.“

Besonders am Herzen liegt ihm das Lied „Julia“. Krautmacher, der seit 20 Jahren als Knochenmarkspender eingetragen ist, möchte mit diesem Lied mehr Menschen dazu bewegen, sich ebenfalls als Spender registrieren zu lassen. Der Hintergrund ist allerdings ein trauriger: Julia aus Pulheim verlor den Kampf gegen den Krebs. Im Alter von fünf Jahren starb sie an Leukämie. Die Höhner hatten zuvor noch – wie so häufig – eine Typisierungsaktion für das Mädchen unterstützt. „Es gab auch einen Knochenmarkspender, aber trotzdem hat Julia es nicht geschafft. Das hat uns sehr getroffen“, sagt Krautmacher. „Mit dem Einverständnis der Eltern haben wir uns dann entschlossen, ein Lied für Julia zu schreiben.“ Es ist eine der ruhigeren Lieder auf dem Album, eines der Lieder, die ans Herz gehen.

„Der Kölner kommt ohne ein gewisses Maß an Melancholie auch nicht aus.“ Auch die Hilfsbereitschaft für Flüchtlinge beschreiben sie. „Stille Helden“ widmen sie all jenen, die sich um Flüchtlinge kümmern, ohne dafür Applaus zu erwarten. „Was abseits von Talkshow-Debatten stattfindet, ist viel wichtiger“, betont Hannes Schöner und bekommt dafür viel Applaus vom Publikum in Köln.

Applaus gibt es auch dann noch, als die Band ein ausnahmsweise nicht ganz so glorifizierendes Lied über Köln singt. Ein Lied über die eigene Stadt muss jede Kölner Band ja abliefern. Diesmal ist der Text aber durchaus etwas kritisch, denn auch wenn der Kölner es öffentlich nicht immer zugibt, weiß er doch, dass die eigene Stadt chaotisch rüberkommt – auch in diesen Tagen wieder. „Dat klingk noh Kölle.“ Klar.

Und auch das obligatorische FC-Lied darf nicht fehlen. Fußball-Urgestein Sepp Herberger liefert den Höhnern mit seinen Zitaten die Zeilen für den Refrain: „Rund ist der Ball, und das Spiel dauert 90 Minuten.“ Das fröhliche Lied thematisiert ein für FC-Fans auch nicht ganz einfaches Thema mit einem Augenzwinkern. Was tun, wenn der Partner nicht FC-Fan ist? Für die meisten kaum vorstellbar, aber es kommt vor: „Sie ist Bayern und he is FC.“ Applaus. „Schön war das“, sagt Janus Fröhlich, der „Alte“, zu seiner Sitznachbarin. Mit dem, was die neuen Höhner geliefert haben, sind er und Peter Werner zufrieden.

Und der „Neue“? Micki Schläger wird nach dem Konzert umringt. „Ich habe mich schon daran gewöhnt, Autogramme zu schreiben“, sagt der Erkelenzer, der eine Musikschule leitet und lange in Bands gespielt hat. „Aber nach 20 Jahren als Musiker habe ich mir etwas Neues gewünscht.“ Das hat er nun. Besonders gespannt ist er auf die anstehende Karnevalshochzeit. Wie er sich darauf vorbereitet hat? Er war Wandern im Schwarzwald. Ob das auf den Kölner Karneval vorbereitet, wird sich zeigen.

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