Düsseldorf - Neuer Windkraft-Erlass baut Hürden ab

Neuer Windkraft-Erlass baut Hürden ab

Von: dpa
Letzte Aktualisierung:
Windrad Windkraft Energie
Weniger Hürden für Windräder: Ein neuer Erlass lässt pauschale Höhen- und Abstandsbeschränkungen nicht mehr zu.

Düsseldorf. Ein neuer Erlass baut Hürden für Windräder in Nordrhein-Westfalen ab. Die am Montag in Kraft gesetzte Anordnung lässt pauschale Höhen- und Abstandsbeschränkungen nicht mehr zu.

Kommunen dürften Genehmigungen nur noch in begründeten Einzelfällen untersagen, erläuterte Umweltminister Johannes Remmel (Grüne) in Düsseldorf. Unter anderem werden etwa Lärmbelästigung und Schattenwurf geprüft.

Der Anteil der Windkraft an der Stromerzeugung in NRW soll bis 2020 von jetzt 3 auf 15 Prozent steigen. Derzeit gibt es rund 2800 Windkraftanlagen zwischen Rhein und Weser. Der neue Erlass erlaube Betreibern, alte Anlagen am selben Standort durch höhere, leistungsstärkere zu ersetzen, sagte Remmel. Die alte pauschale 100-Meter-Grenze falle weg. Ein wirtschaftlicher Betrieb erfordere im Normalfall eine 150 Meter hohe Anlage. „Dort ist die höchste Ausbeute.” Technisch seien bis zu 200 Meter hohe Räder möglich.

„Das ist ein politischer Neuanfang in Sachen Windenergie”, betonte der Grüne. Während der fünfjährigen schwarz-gelben Regierung sei NRW bei der Nutzung der Windkraft im Bundesvergleich vom dritten auf den fünften Platz zurückgefallen. „Wir brauchen jetzt eine Aufholjagd.”

Der Präsident des Landkreistages NRW und Steinfurter Landrat Thomas Kubendorff (CDU) begrüßte den Erlass. Sein Kreis habe das Ziel, den Anteil des derzeit mit 250 Windanlagen produzierten Stroms bis 2030 zu verdoppeln.

Der Geschäftsführer des siegerländischen Bürgerwindparks Hilchenbach, Günter Pulte, sprach von einem Aufbruch-Signal nach sechs Jahren Planungsstillstand. Er kritisierte aber, dass die Kommunen nicht verpflichtet worden seien, eine Mindestfläche für die Nutzung von Windenenergie auszuweisen.

Der neue Erlass ermöglicht Vorrangzonen für Windanlagen in der Regionalplanung - auch in Waldbereichen. Der Orkan „Kyrill” im Jahr 2007 habe deutlich gemacht, dass manche Höhenlagen nicht für eine nachhaltige Forstwirtschaft geeignet seien, möglicherweise aber für Windanlagen, sagte Remmel. Dies müsse aber mit Augenmaß geprüft werden, um nicht etwa den Tourismus im Sauerland zu gefährden, mahnte Kubendorff.

In den vergangenen Jahren hatten sich vor allem im Münsterland zahlreiche Bürgerinitiativen gegen die „Verspargelung der Landschaft” gebildet. Erste Priorität sei der Ersatz alter durch effektivere Anlagen, bekräftigte Remmel. Neue Windräder sollen bevorzugt an Bahntrassen oder Autobahnen entstehen.

Die Homepage wurde aktualisiert