Neuer Protest gegen alten Brauch

Von: Tobias Müller
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Zwarte Piet und Sinterklaas in einem: Ein Schauspieler protestiert in Amsterdam gegen einen alten holländischen Brauch, demzufolge der Nikolaus einen schwarzen Gehilfen bei sich hat. Foto: dpa

Geleen. Bislang kannte man in der Provinz Limburg die Debatte um den Zwarte Piet nur aus den Medien. Eine Woche nach der turbulenten „Ankunft“ von Sinterklaas, also dem Nikolaus, und seinem umstrittenen Gehilfen aber erreicht der Konflikt nun den südöstlichsten Teil der Niederlande.

In Geleen soll am Samstagmittag ein „Alternatives Sinterklaasfest“ stattfinden. Zwei Frauen, die sich „Janneke“ und „Sanne“ nennen, haben unter dem Motto „Bis hier und nicht weiter“ einen entsprechenden Facebook-Aufruf gepostet.

„Der Zwarte Piet ist eine rassistische Karikatur von Menschen afrikanischer Herkunft. Die Einwohner von Geleen und alle anderen Menschen sollten der nicht ausgesetzt werden“, heißt es darin. Kulisse für die Aktion soll das Sinter­klaasfest sein, der Empfang des Nikolauses, der zeitgleich auf dem Markt von Geleen angekündigt ist.

In den großen Städten der Niederlande wird in den letzten Jahren heftig über den Zwarte Piet diskutiert. Antirassistische Kundgebungen gegen den kolonialen Gehalt des Zwarte Piet und Blackfacing gehören inzwischen zum jährlichen Ritual.

Zunehmend politisiert sich auch die Gegenseite. Beim offiziellen Nikolaus-Einzug vergangenen Samstag in Maassluis war die rechtsextreme „Nederlandse Volks-Unie“ (NVU) anwesend, um die vermeintlich bedrohte niederländische Kultur zu verteidigen – ebenso wie Hunderte Polizisten, die eine Konfrontation zwischen Piet-Befürwortern und -Gegnern verhindern sollten.

Zum ersten Mal findet nun ein solcher Protest in der Region statt. „Geleen ist zufällig als Ort gewählt, weil es die erstbeste Gelegenheit ist, zu der Sinterklaas sich in ein Stadtzentrum begibt“, zitiert der „Limburger“ die Organisatorinnen. Die Reaktionen gleichen denen in anderen Landesteilen: Unverständnis, da es sich nur um ein Kinderfest handelt und Empörung, dass sich die Demonstranten gegen einen der beliebtesten niederländischen Bräuche richten. Was Popularität angeht, könnte im wirklichen Leben höchstens Johan Cruyff Sinterklaas und Piet das Wasser reichen.

Der Betonung des Kinderfest- Charakters steht die wachsende Aggression entgegen, die Gruppen wie „Kick Out Zwarte Piet“ zu spüren bekommen; auch die Initiatorinnen des Geleener Protests: Via Facebook wünschte man ihnen „eine schlimme Krankheit“. Dazu kamen Drohungen eines Krankenhausaufenthalts. Auch sexistische Beleidigungen finden sich.

Der wachsende Hass ist allerdings auch Beleg dafür, dass sich der Charakter des Fests bereits ändert. Im allabendlich ausgestrahlten Sinterklaasjournaal des öffentlich-rechtlichen Fernsehens sind neben schwarzen längst auch bunte, weiße und rußverschmierte Pieten zu sehen. RTL entschied dieses Jahr, den Zwarte Piet durch einen „Schornsteinpiet“ zu ersetzen: eine Referenz an den Teil der Legende, wonach der Nikolaus-Diener den Kindern auf diesem Weg Geschenke bringt. Laut seinen Verteidigern ist dies auch der Grund für sein schwarzes Gesicht. Die Afro-Perücke und dicke rote Lippen erklärt dies freilich nur unzureichend.

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