Aachen - Neuer Investor: Campus-Projekt ist gerettet

Neuer Investor: Campus-Projekt ist gerettet

Von: Thorsten Karbach und Marlon gego
Letzte Aktualisierung:
8830631.jpg
Über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart, doch das Investitionsvolumen wird von der Immofinanz nun auf 63 statt der bislang stets genannten 50 Millionen Euro beziffert. Foto: Andreas Steindl
8830634.jpg
Der Gebäudekomplex ist der bislang teuerste und größte aus dem Campus und hat deswegen ungeheure Symbolkraft für das gesamte Campus-Projekt.

Aachen. Erleichtert aufgeatmet, das haben die Verantwortlichen des Campus‘ der RWTH Aachen, nachdem die Verträge unterschrieben waren. Mit der Immofinanz-Gruppe aus Wien übernimmt ein neuer Investor die Projektgesellschaft und baut nun anstelle der Capricorn-Campus-GmbH auf dem Campus Melaten in Aachen das Cluster Produktionstechnik: für 63 Millionen Euro.

Der Gebäudekomplex ist der bislang teuerste und größte aus dem Campus und hat deswegen ungeheure Symbolkraft für das gesamte Campus-Projekt.

Und ausgerechnet bei diesem Projekt lief in den letzten Monaten wenig nach Plan. „Wir hatten sehr intensive Verhandlungen, ein paar lange Nächte. Jetzt sind wir froh, dass das Projekt nun endlich umgesetzt werden kann und wir mit der Immofinanz einen solch starken Partner bekommen haben “, erklärt Klaus Feuerborn, Geschäftsführer der RWTH-Campus-GmbH.

Skandale hier, Skandale dort

Ursprünglich war mit der Düsseldorfer Capricorn-Campus-GmbH ein Investor bei diesem bundesweit einmaligen Finanzierungsmodell von Hochschulbauten gefunden worden. Das Campus-Prinzip lässt solche privatwirtschaftlichen Investoren Gebäude zu einem Forschungsthema errichten, in denen dann RWTH-Institute mit Forschungsabteilungen von Firmen als Pächter einziehen und gemeinsam Forschungsfragen bearbeiten. Das funktioniert an anderer Stelle auf dem Campus gut. Das Cluster Logistik wurde längst bezogen, ein paar Meter weiter laufen die Arbeiten am Cluster Photonik. Allein bei der Produktionstechnik gab es Probleme.

Im Frühjahr sollte mit dem Bau eines damals noch auf 50 Millionen Euro taxierten Komplexes begonnen werden. Doch es passierte: nichts. Dabei sollte bereits im Frühjahr 2015 eröffnet werden. Nach und nach wurde bekannt, dass Investor Robertino Wild und seine Capricorn-Gruppe in finanzielle Schwierigkeiten geraten waren. Die Firma, mit der Wild im Frühjahr den Nürburgring gekauft hatte, hat Wild mittlerweile verkaufen müssen. Und nachdem er auch beim Campus-Projekt Vereinbarungen nicht einhalten konnte, verkauft er auch seine Capricorn-Campus-GmbH. Es gab eine letzte Frist, und erst kurz vor deren Ablauf konnten sich beide Seiten über die Zukunft der Capricorn-Campus-GmbH einigen.

Nun ist klar: Die Immofinanz übernimmt die Projektgesellschaft. Die jüngere Vergangenheit der Immofinanz-Gruppe war allerdings auch nicht frei von Skandalen. Ein früherer Vorstandsvorsitzender war in Zusammenhang mit fiktivem Aktienerwerb und fiktivem Aktienverkauf 2012 wegen Untreue zu sechs Jahren Haft verurteilt worden. Allerdings: Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart, doch das Investitionsvolumen wird von der Immofinanz nun auf 63 statt der bislang stets genannten 50 Millionen Euro beziffert. Sprecherin Bettina Schragl erklärte auf Anfrage unserer Zeitung, dass der Kaufpreis in den 63 Millionen enthalten sei, aber nicht die gesamte Differenz erkläre.

Gebaut wird das Gebäude nun ab Frühjahr 2015. Der Entwurf des Münchener Architekten Gunter Henn bleibt, wie er ist, auf 28 000 Quadratmetern sollen ab Herbst 2016 rund 800 Menschen arbeiten. „Für mehr als 50 Prozent der Mietflächen besteht eine Vorvermietung, mit dem angemeldeten Bedarf erreichen wir bereits jetzt eine Auslastung von rund 80 Prozent“, erklärte Immofinanz-Vorstandsvorsitzender Eduard Zehetner.

Für die Immofinanz ist es das erste Engagement auf dem Campus. „Wir bauen damit wie angekündigt unser Entwicklungsgeschäft in Deutschland aus“, sagte Zehetner. In Köln verantwortet Immofinanz den Gerling-Komplex (400 Millionen Euro Investment). Sie zählt sich selbst zu den führenden börsennotierten Immobilieninvestoren und -Entwicklern in Europa mit derzeit mehr als 470 Immobilien mit einem Buchwert von rund 6,9 Milliarden Euro.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert