Neuer Generalvikar Andreas Frick: Offen, respektvoll, zugewandt

Von: Claudia Schweda
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Ein Generalvikar mit Karnevals-Gen: Der Vater von Andreas Frick war in Stolberg Karnevalsprinz. Dass er zunächst ein Amt auf sehr absehbare Zeit angetreten hat, weiß er: „Darauf habe ich mich bewusst eingelassen.“ Foto: Michael Jaspers

Aachen. „Kirche ist Kommunikation.“ Wer den neuen Generalvikar Andreas Frick erlebt, spürt, dass er davon wirklich überzeugt ist. Er hätte es am Freitag am Ende eines langen Gesprächs in unserer Redaktion in Aachen nicht eigens betonen müssen.

Wer mit dem 50-Jährigen spricht, erlebt einen offenen, respektvollen und vor allem eben kommunikativen Menschen, der seine „sehr lebenslustigen“ Wurzeln nicht verleugnet: In seiner Kindheit zog seine Familie von Aachen nach Stolberg und wurde dort zur aktiven Säule des Karnevals – der Vater Karnevalsprinz, der Zwillingsbruder Kinderprinz, er selbst fünf Jahre Kindertanzoffizier. Dass er Jahre später als Pfarrer im karnevalsverrückten Eschweiler den richtigen Ton getroffen hat, um die Fusion von drei Gemeinden zur Hauptpfarre der Stadt ohne Nebengeräusche über die Bühne zu bringen, wundert einen da nicht.

„Ich bin mit Leib und Seele Pastor“

Dort erreichte ihn Anfang Oktober 2014 wenige Stunden vor den Feiern zu seinem silbernen Weihejubiläum und kurz vor seinem Urlaub ein Anruf von Bischof Heinrich Mussinghoff. Ob er, Frick, in den nächsten Tagen mal zu einem Gespräch nach Aachen kommen könne. Frick fragte – mit Blick auf den Urlaub, ob das auch in drei Wochen ginge. „Dann kommen Sie heute“, habe der Bischof daraufhin gesagt. Frick grübelte besorgt, ob er sich irgendetwas habe zuschulden kommen lassen, das eine Ermahnung notwendig mache.

Dass der Bischof ihm die Aufgabe des Generalvikars anvertrauen wollte, ahnte er nicht. „Ich hab‘ mich nicht auf die Stelle beworben“, sagt er. Und er habe lange abgewogen, ob er die Aufgabe annehmen solle. „Ich bin mit Leib und Seele Pastor.“ Frick schwärmt von den „vielen tollen Menschen in den Gemeinden“, die vieles opfern, von der Arbeit mit ihnen und den intensiven Gesprächen auf Fußwallfahrten nach Kevelaer – für einen kommunikativen Menschen und passionierten Wanderer die optimale Kombination. Diesen direkten Kontakt gibt Frick als Generalvikar auf.

Nach der Ausbildung und der Priesterweihe in Rom und den Kaplansjahren in Meerbusch war er 1997 als promovierter Theologe, Domvikar und Leiter der Pfarrei St. Foillan nach Aachen zurückgekehrt. Das seien „glückliche Priesterjahre“ gewesen, sagt er im Rückblick. Trotzdem wechselte er nach sieben Jahren in die Ausbildung des theologischen Nachwuchses: Drei Jahre leitete er das Theologenkonvikt des Bistums in Bonn, bevor er 2007 in Eschweiler wieder an die Basis ging.

Er kennt die Nöte der Menschen, hat reales Scheitern auch im Familien- und Freundeskreis erlebt. In der Debatte um den Umgang mit Wiederverheirateten teilt er die Meinung der Mehrheit der deutschen Bischöfe: „Wir brauchen Barmherzigkeit und eine kluge Betrachtung der Einzelfälle.“ Wichtig sei, dass die Menschen sich nicht verurteilt fühlten. Denn: „Jesus verurteilt niemanden.“ Frick ist froh über die Offenheit der Gespräche, die Papst Franziskus angestoßen hat. Doch er sorgt sich, dass die Erwartungen der Menschen zu hoch sind. „Wer erwartet, dass der Papst am Ende erklären wird, dass die Kirche 2000 Jahre lang eine falsche Lehre verfolgt hat und es die Unauflöslichkeit des Sakraments der Ehe nicht gibt, wird enttäuscht werden“, sagt er. Überlasse es Franziskus am Ende den Ortskirchen, wie sie handeln, „dann haben wir eine tolle, hochsensible, verantwortungsvolle Aufgabe“.

Bei Verfehlungen der Kirche oder ihrer Vertreter sei er kein Leisetreter, betont Frick. „Fehler dürfen nicht verschwiegen werden. Fakten, die öffentlich verhandelt werden müssen, müssen auf den Tisch.“ Deswegen ist es ihm wichtig zu betonen, dass ein von ihm veröffentlichtes Zitat in Zusammenhang mit dem früheren Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst aus dem Zusammenhang gerissen worden sei. In der Zeitung stand, dass in dieser Sache vieles öffentlich ausgetragen worden sei, was „eher Gegenstand brüderlicher Zurechtweisung gewesen wäre“. Damit habe er aber nicht die Auseinandersetzung mit den finanziellen Unregelmäßigkeiten gemeint, sondern lediglich die öffentliche Debatte um manchen sehr persönlichen Aspekt des Menschen Tebartz-van Elst.

Seit neun Tagen ist Frick nun Generalvikar. Doch die Themen, die auf ihn zukommen, kennt er schon: Den Einsatz von Laien in der Gemeindeleitung will er mit Augenmaß weiterentwickeln und stärken. Jetzt, wo vieles, was aus der Not heraus entstanden war, seit Jahren laufe, „wissen wir, was funktioniert“, sagt Frick. Es brauche jedoch Grundstandards in der Kommunikation mit der Bistumsleitung und den Inhalten der Pastoral.

Als Ökonom des Bistums weiß er zu schätzen, dass die „harte Sanierungsarbeit“ im Generalvikariat jetzt finanzielle Spielräume eröffnet. 16,1 Millionen Euro werden – voraussichtlich – als Plus in der Bilanz für 2014 stehen. „Das ist sehr viel Geld“, sagt Frick. Das weckt Begehrlichkeiten. „Wenn Bitten kommen, Dinge zu erhalten, nur weil sie immer schon da waren, können wir uns das ungeprüft nicht mehr leisten.“ Das sei keine kluge Politik. Die Gesellschaft verändere sich, also müsse auch die Kirche sich verändern.

Frick selbst ist gern in Bewegung, als Schwimmer, Langläufer und Wanderer. Und er fordert eine Kirche, die Freude macht – denen, die an sie glauben, und denen, die für sie arbeiten. Er will Projekte fördern, in denen sich die Menschen in den Gemeinden begegnen, und Kreatives, das der Glaubensfreude diene. Klar ist, dass für Flüchtlinge Geld in die Hand genommen wird. Der Caritasverband erhält zusätzliche Mittel für die Koordination der Flüchtlingsarbeit. Im Bistum solle zudem ein pastoraler Mitarbeiter die Flüchtlingsprojekte in den Pfarren inhaltlich begleiten.

Frick ist Realist. Er weiß, dass er zunächst ein Generalvikar auf sehr absehbare Zeit ist – bis zum Abschied von Bischof Heinrich Mussinghoff, der im Oktober 75 Jahre alt und beim Papst seinen Rücktritt einreichen wird. „Darauf habe ich mich bewusst eingelassen.“

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