Neuer Euregiobahn-Abschnitt: Anschlüsse sollen zuverlässiger werden

Von: Jürgen Lange
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Eine echte Herausforderung: Die Fahrgäste des aus Köln kommenden Regionalexpress‘ (l.) müssen im Stolberger Hauptbahnhof über die provisorische Überführung und durch das Parkhaus laufen, um die Euregiobahn nach Alsdorf (r.) erreichen zu können. Sie haben drei Minuten Zeit. Foto: Jürgen Lange

Stolberg. Die Euregiobahn ist von Anfang an eine Erfolgsgeschichte. Die prognostizierten Fahrgastzahlen übertrafen bei jeder neu eröffneten Teilstrecke die Erwartungen. Im ersten Betriebsjahr 2001 saßen im Schnitt täglich 2600 in den roten Diesel-Triebwagen. Zwei Jahre später waren es bereits 4300.

Im zehnten Jahr ihres Betriebes wurden 13.200 Fahrgäste im Tagesschnitt gezählt. Fünf weitere Jahre später, also im vorigen Jahr, waren es 14.100 Fahrgäste. Doch die Betreiber der Bahn sind derzeit nicht ganz zufrieden: Der vor etwa einem Jahr in Betrieb genommene Streckenabschnitt von Eschweiler-St. Jöris bis Stolberg Hauptbahnhof wird von den Kunden noch nicht so angenommen, wie erhofft, obwohl er für viele Menschen im nördlichen Umfeld Aachens eine schnellere Verbindung Richtung Köln herstellen könnte – ohne über Aachen fahren zu müssen.

Die Gründe sieht Heiko Sedlaczek in den Problemen anderer. Sedlaczek ist Geschäftsführer des Nahverkehrs Rheinland (NVR), in dem alle Bahnaufgaben für unsere Region geregelt werden. Und er ist stolz darauf, dass die Euregiobahn ein Spitzenreiter in Sachen Pünktlichkeit ist.

Das kann man von Bussen und Bahnen, auf die Euregiobahn-Kunden umsteigen wollen, nicht immer behaupten. So geraten die individuellen Fahrpläne durcheinander und die Fahrgäste sehen sich mit ungeplant langen Wartezeiten konfrontiert. „Die Verknüpfung von Bus und Bahn muss deutlich verbessert werden“, sagt der NVR-Geschäftsführer. Nur so werde der neue Euregiobahn-Streckenabschnitt attraktiv.

Sedlaczek hat unzählige Beispiele im Kopf, bei denen Luft für Umsteigezeiten fehlt: Die beste Verbindung von Herzogenrath-Merkstein nach Aachen zum Beispiel ist die Euregiobahn nach Alsdorf mit Umstieg in den Bus. Aber der fährt oft schon los, bevor die Bahn vor Ort ist – um dann vor der geschlossenen Bahnschranke zu stehen, wenn die Euregiobahn einfährt. „Das verärgert die Kunden natürlich, wenn sie dann eine halbe bis eine Stunde auf den nächsten Anschluss warten müssen“, sagt Sedlaczek. Der NVR möchte zukünftig nicht nur die Abstimmung der Fahrpläne verbessern, sondern auch in Echtzeit die An- und Abfahrtszeiten an den Haltestellen sowie für Busfahrer und Zugführer darstellen. Ein Abgleich, ob auf das andere Verkehrsmittel gewartet werden kann, soll so ermöglicht werden.

Ein anderes Beispiel ist die Fahrt mit der Euregiobahn aus Alsdorf nach Stolberg, um dort den Regionalexpress nach Köln zu erreichen. „Morgens scheint das in der Regel zu funktionieren“, sagt Sedlaczek. Aber bei der Rückreise am Nachmittag und Abend hapere es gewaltig. Dann haben die Züge der Deutschen Bahn so viel Verspätung eingefahren, dass in Stolberg die Euregiobahn nach Alsdorf verpasst wird. „Und dann steht man eine Stunde am Hauptbahnhof bis der nächste Zug kommt“. Ein Ärgernis, das Kunden davon abhält, den Ringschluss über St. Jöris zu nutzen. „Wer das drei Mal mitgemacht hat, fährt wieder mit dem Auto“, sagt der NVR-Geschäftsführer.

Weiteres Ärgernis ist im Stolberger Hauptbahnhof die provisorische Überführung zwischen den DB- und den Euregiobahn-Gleisen, die noch bis Oktober 2018 genutzt werden muss bis die neue barrierefreie Überführung mit Aufzügen steht. „Da muss man sich schon gehörig sputen, wenn man innerhalb von drei Minuten die Züge wechseln will“, sagt Sedlaczek.

Und während in Stolberg mit dem Bau eines neuen Parkhauses nun 377 kostenfreie Stellplätze für Pendler bereitstehen und die Stadt eine weitere P+R-Anlage am Haltepunkt Schneidmühle einrichtet, hat Eschweiler auf den Bau der P+R-Anlage in St. Jöris gänzlich verzichtet. Auch das ist in den Augen Sedlaczeks ein Grund, warum der Ringschluss noch nicht so angenommen werde, wie erhofft.

Dabei gibt es auch positive Veränderungen: Zwischen Alsdorf-Busch und Herzogenrath-Merkstein ist jetzt ein 500 Meter langes Begegnungsgleis in Betrieb genommen worden. So können zwei Züge gleichzeitig die Strecke nutzen. Ein Vorteil bei Verspätungen, da bisher der pünktlich fahrende Zug am Haltepunkt warten musste. Konsequenz: Er verspätete sich auch.

Eine entscheidende Verbesserung erhofft sich Sedlaczek durch die Einführung des Rhein-Ruhr-Expresses (RRX) mit barrierefreiem Einstieg, mehr Komfort und mehr Pünktlichkeit.

Schnellere und flexiblere Fahrzeiten der Euregiobahn erhofft er sich durch die Elektrifizierung der Strecke, die Ende 2021 mit den neuen Elektro-Triebwagen befahren werden soll. Die Voraussetzungen dafür, da ist der NVR-Geschäftsführer sicher, könnten in diesem Jahr geschaffen werden. Problem: Auf dem Flugplatz Merzbrück muss die Start- und Landebahn verlegt werden, damit das direkt nahe der Piste in der Einflugschneise verlaufende Gleis der Euregiobahn elektrifiziert werden kann. Durch den Zeitgewinn nach der Elektrifizierung werde sich auch die Umsteigesituation verbessern.

Euregiobahn ab 2019 bis Breinig

Und während die Planungen zur Optimierung des Angebotes auf vollen Touren laufen, wächst das Streckenangebot der Euregiobahn weiter. Derzeit wird an der Feinabstimmung für den Förderbescheid gearbeitet, damit spätestens Anfang nächsten Jahres die Strecke über Stolberg-Altstadt hinaus nach Breinig befahrbar gemacht werden kann. 2019 soll dort die Euregiobahn im Regelbetrieb rollen.

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