Neue Zementlösung der RWTH soll Straßensanierung revolutionieren

Von: Naima Wolfsperger
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An einem Tag 200 Meter saniert: Zement und ein spezielles Injektionsverfahren der RWTH Aachen machen das möglich. Foto: RWTH

Aachen/Wuppertal. Eigentlich hat die RWTH Aachen die neue Zementlösung für die Reparatur von Abwasserkanälen entwickelt, jetzt könnte sie die Straßensanierung in Städten an Rhein und Ruhr revolutionieren. In Wuppertal wird der Zement gerade getestet.

Nach dem zweiten Weltkrieg musste das Verkehrsnetz in Wuppertal wie in vielen Orten großflächig neu aufgebaut werden. Doch Wuppertal hat ein relativ spezifisches Problem, Risse im Asphalt treten in verhältnismäßig kurzen Abstanden auf und müssen alle fünf bis zehn Jahre saniert werden. Der Grund: Unter den Straßen liegen zum Teil 70 Zentimeter Bauschutt, darüber große Betonplatten, die mit Asphalt überzogen sind.

Die Betonplatten haben eine Länge von 20 bis 40 Metern und überspannen teilweise ganze Fahrbahnen. Die Plattenenden, also die Fahrbahnränder, geraten bei Belastung durch Verkehr in Bewegung. Schwere Fahrzeuge, wie Lkw und Busse, lösen teilweise Fahrbahnschwankungen aus, die mit dem bloßen Auge zu sehen sind. Risse im Asphalt und etwa 3500 Euro Sanierungskosten pro Betonplatte sind die Folge.

Untergrund wird stabilisiert

„Mit den herkömmlichen Methoden wird repariert, ohne dass das Problem an sich behoben wird“, sagt Jochen Vennekötter von der Bauverwaltung Wuppertal. Er vermutet, dass die Trümmerschicht im Untergrund nicht tragfähig genug ist, und deshalb die Platten bei Belastung in Bewegung geraten. Mit dem Aachener Zement soll der wackelige Bauschutt unter Asphalt und Beton jetzt stabilisiert werden. „Die Bauverwaltung Wuppertal erhofft sich von dem Experiment bessere und stabilere Ergebnisse bei der Straßeninstandhaltung“, sagt Vennekötter.

Zement härtet, je nach Mischungsverhältnis, sehr schnell oder sehr langsam aus. Die Zementlösung der RWTH wird durch ein besonderes Injektionsverfahren direkt an der Problemstelle vermischt. Die mineralischen Komponenten des Zements härten einzeln langsam aus, versteifen bei Kontakt aber sofort. Das ermöglicht einerseits langwierige Arbeiten, ohne, dass der Baustoff bereits vor Gebrauch hart wird, andererseits eine schnelle Bearbeitungszeit, da, sobald injiziert, keine langen Trockenzeiten folgen.

Ursprünglich wurde der Zement für Kanäle entwickelt. Abwasserrohre haben eine Haltbarkeit von etwa 70 Jahren. „Insbesondere die Rohrverbindungen aus den 1960er und 70er Jahren sind aber bereits heute undicht“, sagt Doktor Joachim Beyert von der RWTH. Er ist auf Kanalisation spezialisiert.

Abwasserkanäle werden regelmäßig mit mobilen, elektronisch gesteuerten Kameras abgefahren um sie auf Schäden zu überprüfen. „Das Problem ist, dass Schäden und undichte Muffen nur erkannt werden, wenn Wasser eintritt“, sagt Beyert. Wenn das Rohr über dem Grundwasser liegt, werden undichte Stellen oft erst spät erkannt, „dann tritt Abwasser ungehindert und unerkannt aus, versickert und gelangt ins Grundwasser“, sagt Beyert. Der Zement soll das ändern und eine längere Haltbarkeit der Kanäle ermöglichen. Dass bei dem Erhalt des öffentlichen Kanalnetzwerks noch mit herkömmlichen Methoden gearbeitet werde, sei ihm unverständlich sagt Beyert.

In Wuppertal setzt man große Hoffnungen in die Zementlösung. Etwa 50 Kilometer Straße verlaufen hier auf Bauschutt. 200 Meter Testfläche, zwei Betonplatten der Rauental-Straße, wurden unterspritzt und konnten innerhalb eines Tages bearbeitet werden. „Veranschlagt waren zwei Tage“, sagt Vennekötter. Gestern wurde die Testfläche geprüft. Bis zum 22. Juni sollen die Daten ausgewertet sein. Bei positivem Ergebnis könnte „der Asphalt bei allen Straßen mit Betonbauweise zum Einsatz kommen“, sagt Vennekötter.

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