Neue Ungereimtheiten bei Kölner U-Bahnbau

Von: ddp
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U-Bahn-Bau in Köln
Die U-Bahnbaustelle am Heinrich-Böll-Platz in Köln. Die Tunnelröhren der neuen U-Bahn-Linie befinden sich in bis zu 30 Metern Tiefe unter der Altstadt. Die Arbeiten des bereits seit den 80er Jahren geplanten Projekts waren 2004 begonnen worden, bis Mitte 2010 soll die Linie weitgehend fertiggestellt werden. Foto: dpa

Düsseldorf. Bei den Ermittlungen zur Ursache des Gebäudeeinsturzes in der Kölner Südstadt sind weiterer Ungereimtheiten aufgetaucht. Recherchen der Unteren Wasserbehörde hätten ergeben, dass im Bereich der U-Bahnbaustelle Waidmarkt noch mehr Brunnen ohne Genehmigung betrieben worden seien, als bislang bekannt war, teilte die Stadtverwaltung am Dienstag mit.

Laut den jetzt vorliegenden Unterlagen wurden vom 22. April bis zum 11. Dezember 2008 19 sogenannte Zusatzbrunnen im Bereich der Baustelle in Betrieb genommen. Insgesamt erhöhte sich die Anzahl der Brunnen damit auf 23, wobei lediglich für vier eine wasserrechtliche Erlaubnis vorlag.

Bislang war die Stadt anhand des sogenannten „Wasserbuchs” der zuständigen Baufirma davon ausgegangen, dass lediglich 15 Brunnen in der Baustelle gebohrt wurden, was bereits ein erheblicher Verstoß gegen die Vorschriften bedeuten würde. Eine derart höhere Wasserförderung könnte zu einer Erosion des Untergrunds unter dem Stadtarchiv geführt haben.

Dies könnte eine mögliche Ursache für das Unglück am 3. März gewesen sein. Bei dem Einsturz des Stadtarchivs und zweier benachbarter Wohnhäuser waren zwei junge Männer getötet worden. Das Umweltamt hat die Kölner Verkehrs-Betriebe AG als zuständige Bauaufsicht zu einer Stellungnahme aufgefordert. An der Unglücksstelle behinderte am Dienstag starker Regen mit Windböen die Bergung des Archivgutes. Dennoch laufe die Bergung schneller als ursprünglich gedacht, teilte die Stadt weiter mit.

Von rund 30 Regalkilometern an Archivgut sind bisher schätzungsweise sechs Regalkilometer geborgen worden. Verhältnismäßig viele Teile sind überraschend gut erhalten und müssen nur gereinigt werden. Bettina Schmidt-Czaia, Leiterin des Historischen Archivs erklärte: „Es besteht möglicherweise die Chance, große Teile des Archivs wiederzubekommen. Das Archiv ist nicht tot!” Bisher sind rund 4700 Tonnen Schutt an der Unglücksstelle abgetragen worden, das entspricht rund 330 abtransportierten Lkw-Ladungen.

Derweil fordern die Grünen im nordrhein-westfälischen Landtag von der Landesregierung Konsequenzen aus dem Einsturz des Kölner Stadtarchivs. In einem Antrag an den Landtag fordern sie die Landesregierung unter anderem dazu auf, alle möglichen Maßnahmen zu ergreifen, um eine vollständige und schleunige Aufklärung der Vorgänge in Köln zu gewährleisten.

Kölns Oberbürgermeister Fritz Schramma (CDU) wurde am Dienstag von Jürgen Roters, dem Kölner Oberbürgermeister-Kandidat von SPD und Grünen, massiv kritisiert: „Das derzeitige Krisenmanagement zeigt, dass der Oberbürgermeister auch nach neun Amtsjahren nichts dazugelernt hat. Er versteht sein Handwerk nicht, er kann es einfach nicht!”
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