Neue Tagebauproteste: Aktivisten blockieren Hambachbahn

Von: Jörg Abels
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Um die Aktivisten, die sich in Höhe Morschenich mit V-Rohren (Bild rechts) an die Strecke der Hambachbahn gekettet hatten, zu lösen, mussten RWE-Mitarbeiter die Gleise aufflexen. Die Kohlegegner wurden mit feuerfestem Material vor dem Funkenschlag geschützt. Foto: Abels
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Um die Aktivisten, die sich in Höhe Morschenich mit V-Rohren (Bild rechts) an die Strecke der Hambachbahn gekettet hatten, zu lösen, mussten RWE-Mitarbeiter die Gleise aufflexen. Die Kohlegegner wurden mit feuerfestem Material vor dem Funkenschlag geschützt. Foto: Abels

Morschenich. Nach den Baggerblockaden in den Tagebauen Garzweiler und Hambach haben Aktivisten der Anti-Kohle-Bewegung zeitversetzt an mehreren Stellen die RWE-eigene Bahnstrecke blockiert, auf der die Braunkohle vom Tagebau Hambach zu den Kraftwerken im Rhein-Erft-Kreis transportiert wird.

Die Aktivisten sprachen von einer „Phasenblockade“, mit der sie aktiven Widerstand gegen den Braunkohleabbau leisten wollten. Rund 17 Stunden standen die Kohlezüge still. Die Versorgungssicherheit der Bevölkerung mit Strom sei aber nicht gefährdet gewesen, betonte RWE-Sprecher Guido Steffen. Die Bunker an den Kraftwerken seien gut gefüllt gewesen Zudem hätten die Kraftwerke mit Kohle aus dem diesmal nicht betroffenen Tagebau Garzweiler weiterversorgt werden können.

Die Nachricht von der ersten Blockade erreichte die Polizei am Sonntagabend gegen 19 Uhr. Zwei Braunkohlegegner hatten sich in Höhe Heppendorf an Betonklötze im Gleisbett gekettet. Als Spezialkräfte die Aktivisten nach rund sechs Stunden von den Schienen gelöst hatten, kam die Nachricht von einer weiteren Blockade einige Kilometer entfernt.

Erneut hatten sich zwei Personen an die Gleise gekettet. Erneut mussten Gleise aufgeflext werden, um die Aktivisten zu befreien. Deren Räumung dauerte bis gegen 4 Uhr in der Früh. Kaum waren die Gleise wieder frei, folgte eine dritte Blockade. In Höhe Morschenich hatten sich gleich vier Jugendliche mit V-Rohren an die Gleise gekettet. Zudem hatten sich bei Manheim zwei Aktivisten von einer Brücke abgeseilt. Sie wurden mit Einsatz eines Hubwagens entfernt.

Den Vorwurf der Aktivisten, RWE hätte trotz Kenntnis der neuerlichen Besetzung Kohlezüge losgeschickt, wies Guido Steffen entschieden zurück. „Diese Behauptung ist eine Unverschämtheit.“ Es seien lediglich Erkundungsfahrten unternommen worden, um zu überprüfen, ob die Strecke wieder befahrbar sei. Steffen weist im Übrigen daraufhin, dass die Aktivisten anders als bei früheren Blockaden die Zugführer nicht auf ihre Aktionen aufmerksam gemacht hätten. Er spricht von lebensgefährlichen Leichtsinn. Ein Kohlezug habe schließlich einen Hunderte Meter langen Bremsweg.

Am späten Vormittag war auch die dritte Blockade geräumt. Während drei Aktivisten, die sich um die Angeketteten gekümmert hatten, nach vergeblicher Identitätsfeststellung einen Platzverweis erhielten, wurden die vier Gleisbesetzer samt ihrer noch verrohrten Hände zum Versuch einer erkennungsdienstlichen Behandlung zur Polizeiwache gebracht. RWE Power hatte Anzeige erstattet.

Das Problem der Polizei: Sie hat nach der Ingewahrsamnahme nur zwölf Stunden Zeit, die Identität festzustellen. Zwang werde bei den erkennungsdienstlichen Maßnahmen nach Absprache mit der Staatsanwaltschaft aus Gründen der Verhältnismäßigkeit nicht angewendet, betonte eine Sprecherin der Polizei. So kommt es, dass immer wieder Aktivisten straffrei bleiben und unzählige Straftaten nicht beweissicher zugeordnet werden können.

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