Region - Neue Stundenpläne: Rechenspiel im großen Stil

Neue Stundenpläne: Rechenspiel im großen Stil

Von: Alexander Barth
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Den Überblick behalten: Günther Sonnen, Leiter des Couven-Gymnasiums in Aachen, ist während der Sommerferien drei Wochen lang mit der Planung für das neue Schuljahr beschäftigt. Foto: Alexander Barth

Region. Alle Jahre wieder – der Weihnachtsklassiker passt für Günther Sonnen durchaus auch in den Sommer. Der Direktor des Aachener Couven-Gymnasiums sitzt in diesen letzten Ferientagen nicht etwa entspannt im Liegestuhl unter südlicher Sonne, sondern vielmehr am Schreibtisch seines Büros.

Gemeinsam mit einigen Kollegen bewältigt er die allsommerliche Marathonaufgabe, dem neuen Schuljahr Form und Gestalt zu geben. An nahezu allen Schulen gilt im Sommer: Ferienzeit ist Planungszeit, dann werden auf unzähligen Ebenen die Weichen für das neue Unterrichtsjahr gestellt.

„Haben Sie Zeit mitgebracht?“, entgegnet Günther Sonnen auf die Frage nach dem Pensum in Sachen Jahresplanung. „Dazu muss ich nämlich ausholen. Viele machen sich keine Vorstellung davon, was alles dazugehört. Es ist ja nicht so, dass wir einfach einen hübschen Stundenplan zusammenbauen können. Dazu gehört eine Menge Vorarbeit.“ In seinem Fall bedeutet das zunächst einmal: Personalplanung. „Wie sehen die Anmeldezahlen aus? Habe ich genug Lehrer? Das sind die ersten Fragen, die man sich stellt“, erklärt der 63-Jährige. „Oder auch: „Was und vor allem wen brauche ich, um die Umsetzung des Schulkonzeptes zu gewährleisten?“

Das Couven-Gymnasium etwa setzt auf sechs Zukunftskompetenzen. Diese werden als Säulen in die Planung einbezogen, sowohl bei der Personal- als auch bei der Unterrichtsplanung. An der Lütticher Straße gehört etwa der bilinguale Bereich dazu, aber auch Schwerpunkte wie musische Bildung oder Persönlichkeitsentwicklung. „Es ist essenziell, dass alle Fachbereiche und Einzelfächer, die wir abdecken, mit ausreichend Personal besetzt sind“, ergänzt Sonnen. „Klingt selbstverständlich, ist aber eben nicht immer ganz einfach. Schließlich gibt es jedes Jahr Veränderungen im Kollegium, sei es durch Abschiede, Schwangerschaftsausfälle oder Veränderungen im Stundenpensum Einzelner.“

Haben sich der Schulleiter und sein Team („eine eingespielte Kollegentruppe“) die ersten großen Hügel der Unwägbarkeiten hinaufgekämpft und dabei Soll-/Ist-Zustände, Fluktuationen, Sonderaufgaben und Bedarfspläne berücksichtigt, geht es an die Personalbeschaffung. Zu all dem hat die Bezirksregierung Köln den staatlichen Beitrag zur Jahresplanung gesetzt. „Und da gibt es jedes Jahr etwas zu verhandeln“, gibt sich Günther Sonnen diplomatisch, aber bestimmt: „Anspruch und Realität in Sachen Personal gehen meistens auseinander. Ich sage es mal so: Mehr Lehrer, als ich sie bräuchte, um die Vorgaben umzusetzen, habe ich hier noch nicht gehabt.“

Weiter geht der Planungsreigen mit allem, was das Schulleben sonst noch betrifft und mit sich bringt: Ein Terminkalender, in dem alle festen Termine des Jahres – darunter Klassenfahrten, Abiturprüfungen oder Austauschreisen – erfasst sind, ist selbstverständlicher Bestandteil der sommerlichen Planungsphase. „Jede Schule hat sicher ihr eigenes System, wenn es um Unterrichts- und Personalplanung geht“, glaubt Couven-Direktor Sonnen. „Aber den großen Plan für das Drumherum in einem Schuljahr brauchst du eben.“

Eine sogenannte Stundentafel des Landes Nordrhein-Westfalen bildet die Grundlage für die Kernaufgabe, für die Königsdisziplin während der Vorbereitung auf das neue Schuljahr: Die Unterrichtsplanung nimmt am Couven-Gymnasium mehrere Wochen in Anspruch, und Günther Sonnen glaubt nicht, dass es anderswo viel schneller läuft. „Es gibt viel zu berücksichtigen, was über die reine Berechnung von Pflichtstunden oder die Verteilung von Fachkompetenzen hinaus geht“, sagt er. Der Rahmenplan des Landes, die hauseigenen Schwerpunkte, das vorhandene Personal – Jahr für Jahr sei der Stundenplan jedes Mal aufs Neue eine Herausforderung, in Sachen Logistik Fingerspitzengefühl – „und weil es zigfach um soziale Kompetenz geht“.

Pflichtstunden hin, Fächerabdeckung der Lehrer her, „wir müssen immer darauf achten, dass es menschlich stimmt“, sagt der 63-Jährige. „Das gilt für die Schüler- wie für die Lehrerseite. Da gibt es Konstellationen, die sind günstig, andere eben nicht. Wie die Menschen so sind.“ Hat in einem Jahr ein harter Hund eine Klasse unterrichtet, ist unter Umständen im Folgejahr ein sanfteres Gemüt die bessere Wahl. Ist der Pädagoge nach einer Doppelstunde mit Klasse XY am Morgen ausgepowert, gibt man ihm mit Kurs Z die Möglichkeit zur Regeneration – Denkmodelle, die Sonnen und seine Kollegen ständig vor Augen haben. Der Schulleiter benutzt in diesem Zusammenhang auch den Begriff Fairness. „Ich muss die Befindlichkeiten meiner Mitarbeiter kennen, ebenso die Grenzen ihrer Belastbarkeit, und sie dementsprechend einsetzen.“

Zahlen und Namen

Neben all der Denk- und Handarbeit gibt es aber längst Möglichkeiten der Entlastung – via Computer: Die Verteilung der Pflichtstunden und -fächer auf die Klassen und Jahrgangsstufen und damit die Erstellung eines konkreten Stundenplans übernimmt ein Computerprogramm (siehe Box). Erst danach werden den Zahlen auch Namen zugeordnet“, sagt Günther Sonnen. Der Stundenplan als Rechenspiel im großen Stil habe sich zwar von Tafeln und Zetteln auf Bildschirme verlagert, „die soziale Komponente spielt eben immer noch eine große Rolle“.

Und nach dem Stundenplan geht es dann los? In den Tagen kurz vor Schuljahresbeginn stehen noch einmal tausend Dinge, vor allem Vorabgespräche mit Kollegen und Fachkonferenzen, auf dem Programm, sagt der Schulleiter. 500 Unterrichtseinheiten in Klassen und Kursen kommen beim Couven-Gymnasium zusammen. Alle Jahre wieder.

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