Neue Studie soll Umgang mit posttraumatischen Belastungen verbessern

Von: tka
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Er ist Spezialist für Neurofeedbackverfahren: Klaus Mathiak arbeitet seit 2004 an der Uniklinik Aachen. Foto: Andreas Steindl

Aachen. Schlimme Unfälle können Menschen ein Leben lang begleiten, Gewalterfahrungen sie nicht mehr los lassen. Solche traumatischen Ereignisse können im ungünstigen Fall Posttraumatische Belastungsstörungen (PTBS) auslösen, die das Leben langfristig beeinträchtigen.

Die Frage ist: Wie sollen Menschen mit den Auswirkungen des Traumas, zum Beispiel „Flashbacks“, umgehen? Mit dieser Frage setzt sich eine neue Aachener Studie auseinander, bei der Opfer von traumatischen Erfahrungen lernen sollen, mehr Kontrolle über die belastenden Erinnerungen zu erlangen.

In der Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik am Universitätsklinikum untersuchen Klaus Mathiak und Jana Zweerings mit Guido Flatten vom Aachener Euregio-Institut für Psychosomatik und Psychotraumatologie, ob Betroffene mittels Neurofeedback lernen können, ihre Gehirnaktivität zu steuern und so einen anderen Umgang mit Erinnerungen zu erreichen.

Beim Neurofeedbacktraining wird Gehirnaktivität in Echtzeit erfasst und an die Teilnehmer zurückgemeldet. Bislang deuten wissenschaftliche Studien zu PTBS darauf hin, dass Betroffene bestimmte Muster der Aktivierung und Deaktivierung im Gehirn zeigen, wenn sie beispielsweise Trauma-assoziierte Bilder – etwa Fotos von schlimmen Unfällen – sehen. Experten sprechen von einer veränderten Emotionsregulation: Die Betroffenen fühlen anders, wenn sie an ihren Unfall oder die Gewalterfahrung erinnert werden.

In der Aachener PTBS-Studie wird nun im Kernspintomographen gemessen, wo und wie das Hirn von diesen Bildern angeregt wird. Gleichzeitig werden neue Strategien („kognitive Neubewertungen“) angewendet, mit der Erinnerung umzugehen sowie deren Effekt gemessen. „Mittels dieser Strategien sollen die Betroffenen angeleitet werden, alternative Interpretationen negativer Bilder zu finden, um die emotionale Belastung zu reduzieren“, erklärt Mathiak.

Das Neurofeedback soll helfen, die individuellen Fähigkeiten zur Selbstregulation zu erweitern. Die Hirnaktivität wird kontinuierlich gemessen, während die Studienteilnehmer mit negativen Bildern konfrontiert werden. Der Blick geht dabei auf den linken präfrontalen Kortex – eine Gehirnregion, die mit der Regulation von Gefühlen im Gehirn assoziiert wird. Das Ziel ist klar vor Augen: „Wir wollen, dass die Betroffenen den richtigen Umgang mit einer PTBS lernen, damit sie wieder ohne Angst leben können“, erklärt Flatten, der Anfang des Jahrtausends die Trauma-Ambulanz am Klinikum aufgebaut hat. Mathiak kam 2004 ans Klinikum – als Spezialist für Neurofeedbackverfahren.

Die Auswertung der lokalisierten Hirnaktivität in Echtzeit gibt der Forschung eine neue Perspektive. „Wir wussten, dass die Betroffenen in bestimmten Erregungsmustern stecken bleiben, nun können wir direkt messen, wo und wie dies im Hirn passiert“, sagt Mathiak. Es ist gleichermaßen Grundlagenforschung und individuell anwendbares Wissen für die Therapie, was in der Aachener PTBS-Studie auf den Weg gebracht wurde. Die Studie ist in der Halbzeit, eine Teilnahme ist aber immer noch möglich. Weitere Informationen gibt es unter info@euripp.org oder Telefon 0241/40029044.

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