Neue Schwierigkeiten für die Retter in Köln

Von: Markus Peters und Michael Bosse, ddp
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Köln / Stadtarchiv / Einsturz / Bagger
Rettungskräfte haben in den Trümmern des eingestürzten Kölner Stadtarchivs in der Nacht zu Montag die Suche nach dem zweiten Vermissten mit Hochdruck fortgesetzt. Die Arbeit gestalte sich schwierig, da Stein für Stein angetragen werden müsse, sagte ein Feuerwehrsprecher am frühen Morgen. Foto: dpa

Köln. Auch eine Woche nach dem Einsturz des Kölner Stadtarchivs und zweier benachbarter Wohnhäuser ist das Schicksal des zweiten Vermissten noch ungeklärt. Immer wieder mussten die Sucharbeiten unterbrochen werden, da die Sicherheit der Retter durch instabile Gebäudeteile an der Unglücksstelle gefährdet ist.

Konkrete Anhaltspunkte, wo inmitten der Trümmer der 24-jährige Designstudent zu finden sein könnte, habe man derzeit nicht, sagte ein Feuerwehrsprecher am Dienstag. Man werde den Vermissten suchen, bis man ihn gefunden habe.

Die Suche sollte auch in der Nacht zu Mittwoch unvermindert fortgesetzt werden. Die Chance, den Vermissten lebend zu finden, sei gleich null, hieß es. Die eingesetzten Leichenspürhunde haben seit dem Wochenende nicht mehr angeschlagen. Ein ebenfalls bei dem Unglück verschütteter 17-Jähriger war am Sonntag tot geborgen worden.

Die Kölner Verkehrsbetriebe (KVB) sehen auch weiterhin keinen Anlass für einen generellen Baustopp der umstrittenen Nord-Süd-Stadt-Bahn. KVB-Vorstand Walter Reinarz verwies am Dienstag darauf, dass die bestehenden Baustellen engmaschig überwacht würden.

Zudem würden Arbeiten, die nicht vordringlich der Sicherheit des Bauvorhabens dienten, zunächst ruhen gelassen. Der U-Bahn-Bau gilt als wahrscheinliche Ursache für den Gebäudeeinsturz in der Kölner Südstadt.

Nach Angaben von Reinarz wurden im Zuge des seit sieben Jahren laufenden Bauprojekts zwischen 300 und 400 Gebäudeschäden gemeldet. Dabei habe es sich vorwiegend um Risse und Setzungen gehandelt. Zum Ausmaß der Schäden vermochte Reinarz keine Angaben zu machen. Als Konsequenz aus dem Unglück sollen jetzt rund 500 Gebäude entlang der U-Bahn-Trasse von unabhängigen Gutachtern auf Schäden untersucht werden.

Am Dienstagabend wollte die Feuerwehr mit dem kontrollierten Abbruch des stark beschädigten Wohnhauses Severinstraße 232 beginnen. Dies werde nach Angaben der Feuerwehr vermutlich einen Tag lang dauern. Es sei mit seiner inzwischen freigelegten Giebelwand nicht mehr vollständig standsicher und werde nun vollständig abgerissen, auch um einen schnelleren Abtransport des Schutts zu ermöglichen.

Für die angrenzenden, weitgehend intakten Gebäude bestehe durch den Abriss keine Gefahr. Inzwischen wurden von der Unglücksstelle 1700 Tonnen Schutt abtransportiert.

Bereits am Montag konnten die früheren Bewohner der Severinstraße 232 mit Hilfe der Feuerwehr ihr Eigentum aus dem Gebäude holen. Die Wohnungen wurden dabei komplett geräumt.

Den Angaben zufolge musste kurzzeitig auch ein Teil des provisorischen Daches wieder abgebaut werden, das über dem Trümmerkegel errichtet wurde, um den Archivbestand vor Regen zu schützen. Dies sei erforderlich gewesen, weil die Tragfähigkeit einer Wand, auf der das Dach auflag, fraglich war.

Die Archivverwaltungen des Bundes und der Länder erklärten unterdessen ihre „solidarische Hilfe” für das Kölner Stadtarchiv. Die Hilfe solle von Köln aus koordiniert werden, hieß es auf der Archivreferentenkonferenz in Münster-Coerde.

Die Archivverwaltungen des Bundes und der Länder seien zuversichtlich, dass es trotz der erheblichen Verluste des Historischen Archivs der Stadt Köln gelingen werde, das Stadtarchiv zu erhalten und wieder aufzubauen. Die Landesregierung stellt 300.000 Euro für die Soforthilfe nach dem Einsturz des Stadtarchivs zur Verfügung.

Zu den zuletzt auf dem Trümmerfeld gesicherten Kulturgütern gehören unter anderem Akten der ehemaligen Kölner Oberbürgermeister Konrad Adenauer und Ernst Schwering.

Teilweise konnten Mikrofilme gesichert werden. Ob das im Historischen Archiv vorhandene Zeitungsarchiv der Kölner Zeitungen vollständig verloren ist, ist derzeit noch unklar. Bisher konnten noch keine Zeitungsbände gesichert werden. Für eine längere Lagerung des Archivguts hat die Stadt Köln eine entsprechende Halle gemietet.

Kölns Oberbürgermeister Fritz Schramma (CDU) hat am Dienstag den Vizevorsitzenden der Antikorruptionsorganisation Transparency International Deutschland, Peter von Blomberg, zum Ombudsmann für die Opfer des Gebäudeeinsturzes im Severinsviertel berufen.

Die Aufgabe des ehrenamtlichen und unabhängigen Ombudsmanns sei es, die im Bereich der Unglücksstelle durch Bauschäden, Wohnungsverlust oder anderweitig materiell geschädigten Personen mit dem Ziel einer raschen und unbürokratischen Schadensabwicklung zu unterstützen.
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