Neue Regionsschreiberin: Slava Vlahovic ist dem Unerwarteten auf der Spur

Von: Sabine Rother
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Optimistisch, neugierig, einfühlsam: Die Journalistin Slavica Vlahovic lebt in Köln. Jetzt begibt sie sich auf die spannenden Erkundungsreisen einer Regionsschreiberin. Ihre Beiträge kann man bald im Internet nachlesen. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Sie ist mit Leidenschaft bei der Sache. Jeder Satz eine neue Idee, eine Freude, eine Frage an „ihre“ Region. Vier Monate lang wird die Bosnierin Slavica Vlahovic (56) die Region Aachen unter die Lupe nehmen, sich von ihrem Umfeld inspirieren lassen und dabei Dinge finden, mit denen sie und die Menschen, denen sie begegnen wird, selbst nicht gerechnet haben.

Die Journalistin, Autorin und Medienpädagogin lebt und arbeitet in Köln – unter anderem für den WDR. Als Regionsschreiberin erhält sie jetzt 1000 Euro monatlich als Honorar und das Nutzungsrecht eines Appartements. In Aachen ist es die Künstlerwohnung im Ludwig Forum.

Anlässlich des 20-jährigen Bestehens der „Regionalen Kulturpolitik“ wurde die Idee der Region Aachen, wechselnde Regionsschreiber als Stipendiaten zu wählen, auf alle zehn NRW-Kulturregionen übertragen. 200 Bewerbungen gab es: Als Wunschort hat Slavica Vlahovic gar nicht Aachen, sondern das Sauerland und das Bergisches Land. „Ja, ich wollte eben wirklich als Alien, als jemand von einem anderen Stern meine Umgebung erfahren, die Idylle finden“, sagt die unternehmungslustige Schreiberin, bei der stets eine große Portion Abenteuerlust mitschwingt.

In Sarajevo ist sie aufgewachsen, hat dort studiert und ein Rundfunkvolontariat absolviert. Ihre Heimat verließ sie kurz vor dem Krieg, um in Deutschland zu lernen und zu arbeiten. Dabei hat sie sich in das Allgäu mit seinen Bergen verliebt – Bosnien stets im Herzen. „Ich habe als Zimmermädchen gearbeitet und das gleich für einen Bericht ,Notizen eins Zimmermädchens‘ genutzt.”

Die ersten deutschen Worte lernte sie von einer türkischen Kollegin: putzen, abstauben, saugen. Doch das war ihr zu wenig. „Ich wollte nicht auf die Rolle des Zimmermädchen reduziert bleiben – mit meinem Diplom in Philosophie.

Ich habe die Zeitung intensiv gelesen und mich immer wieder in Begriffe verliebt, die ich erforschte.“ Dann nahm sie das Erlernen der deutschen Sprache in Angriff. „Ich habe zuvor dauernd meine Familie in Bosnien mit meinem Verdienst unterstützt, jetzt musste ich mal an mich denken“, gesteht sie. In Augsburg hat sie ihr ganzes Geld ins Lernen, gernauer: einen Sprachkurs, investiert. Mit Erfolg.

Ob Sprache oder neue Umgebung – sie nimmt es intensiv und mit fröhlicher Neugier auf. Das „Funkhaus Europa“ beim WDR bedeutete eine wichtige Chance. Als sie einen deutschen Filmer begleiten konnte, der einen Beitrag über Sarajevo-Heimkehrer drehen wollte, verliebte sie sich. Daraus wurde nicht nur eine glückliche Partnerschaft, sondern auch ein Feature „Mein deutscher Mann – Liebeserklärung an einen Exoten“.

Dass man sie als Schreiberin der Region gewählt hat, eröffnet neue Wege und weckt bei ihr enorme Energie. „Ich wandere zurzeit. Letzte Woche bin ich durch Stolberg gelaufen, eine gute Atmosphäre, ich war überrascht, wie verschlafen die Stadt ist. Ich musste an Istrien in Kroatien denken, man muss die Qualität solch einer Stadt neue entdecken und wecken.” Auch Monschau und die Landschaft der Eifel rundum hat sie bereits erkundet.

Ihr Plan: Sich irgendwo mit dem Laptop hinsetzten, in eine Kneipe oder ein Café, jedenfalls an einen Ort, wo sie mit Menschen in Kontakt kommt, die Neugier der anderen weckt, bei Gesprächen Überraschungen erlebt, gefragt wird und Fragen stellen darf „Als Freiberufler ist man meistens zu Hause, arbeitet einsam”, sagt sie. Als Regionsschreiberin möchte sie Teil dieser Region sein und Brücken zwischen Nationen und Menschen bauen will.

„Alle Stationen meines Lebens haben mich geprägt, ob Ex-Jugoslawien oder das Allgäu. Und ich brauche die Impulse von außen.“ Sie brennt auf das Neue, Unerwartete, das sie – da ist sie sich ganz sicher – erkennen und umsetzen wird. Sie sucht, aber sie lässt sich als Regionsschreiberin gleichzeitig bewusst finden. Und sie fühlt sich schnell an einem Ort wohl, der für sie neu ist. „Es wird spannend.“ Ihr Vater sage oft, das alles zu etwas gut sein werde. „Das ist auch meine Devise.“

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