Neue Ideen für eine neue Welt: „This Is Not A Design Conference“

Von: kvs
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Kreativen Köpfen könnte hier nächste Woche ein Licht aufgehen: ein Blick in einen Konferenzsaal. Foto: Conrad Weise
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Denken, ausprobieren, gestalten: eine Werkstatt im Design Museum. Foto: Conrad Weise
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Schon von außen ein Highlight: In dem weißen Kubus in Kerkrade ist das Cube, das erste Design Museum der Niederlande, untergebracht. Foto: Conrad Weise
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Bereiten die Design-Thinking-Konferenz vor: Die Teams von Maastricht Disrupt und Cube Design Museum: Noud de Greef, Finn Trost, Rodion Burden, Angelica Rasiewicz, Wouter van Dillen, Victor Carlier, Monny Jonkers, Anja Köppchen (v.l.). Foto: Karen von Schmieden
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Eine interaktive Wand erlaubt einen Blick in die Zukunft. Foto: Conrad Weise

Region. Die Studenten an der US-Universität Stanford sind es gewohnt, nach innovativen Lösungen zu suchen. Eine Studentengruppe wollte herausfinden, wie sie günstigere und bessere Brutkästen für Babys in den Kliniken von Entwicklungsländern bauen können. Dann befragten sie Menschen in den ländlichen Gegenden von Kathmandu und stellten fest, dass die meisten Frühchen nicht einmal in ein Krankenhaus gebracht werden können.

So bauten die Studenten eine Art Inkubator-Schlafsack, in dem die Kinder gewärmt und getragen werden. Der Stückpreis: 25 Dollar. Ein traditioneller Brutkasten kostet rund 20.000 Dollar. Mittlerweile wird die erste Version des „Embrace“-Inkubators in Indien verteilt.

Das ist nur ein Beispiel von vielen, was sich hinter dem Begriff Design Thinking verbirgt. Diese Art von innovativem, gestaltendem und interdisziplinärem Denken soll Lösungen für Herausforderungen der modernen Gesellschaft finden. „Die Welt verändert sich und Probleme werden immer komplexer, daher müssen auch neue Wege gefunden werden, sie effektiv zu lösen“, sagt der 23-jährige Finn Trost. Mit seinem 24-jährigen Kommilitonen Victor Carlier leitet er das neunköpfige Team Maastricht Disrupt, eine Studentenorganisation, die komplexe Herausforderungen mit nutzerzentrierten Prozessen begegnen möchte.

In der Wirtschaft setzen mittlerweile viele Unternehmen auf Design Thinking, um im digitalen Wandel mitzuhalten. Der Softwaregigant SAP, die Innovationsberatung Ideo oder die Telekom versuchen so, sich auf Kundenbedürfnisse einzustellen. Aber besonders für Start Ups oder Universitäten ist der Ansatz spannend. Darum veranstaltet Maastricht Disrupt gemeinsam mit Programm-Manager Gène Bertrand und seinem Team vom Cube Design Museum in Kerkrade die erste Design-Thinking-Konferenz der Euregio: Am Samstag, 1. Oktober, können Besucher einen Tag lang die Methode kennenlernen, ausprobieren und anwenden.

Hinter Design Thinking steht der Gedanke, dass Herausforderungen besser gemeistert werden, wenn Menschen aus unterschiedlichen Disziplinen in einer kreativen Umgebung zusammenarbeiten und einen Prozess durchlaufen, der sich an der Arbeit von Designern orientiert: Sie beobachten und verstehen Nutzer, entwickeln Ideen, bauen Prototypen und testen diese, um sie zu verbessern.

Doch dafür braucht es das Wissen verschiedener kluger Köpfe, so die Devise: Auch auf ihrer Konferenz möchte das Maastrichter Studententeam deswegen facettenreiche Gruppen sehen: Was für Ideen entstehen, wenn Maschinenbauer aus Aachen und Soziologen aus Limburg sich gegenseitig inspirieren?

Solarmodule für Ostafrika

„Mach die Welt zu einem besseren Ort“, heißt einer der ersten Workshops des Tages, hier tauschen sich bunt gemischte Teams aus und entwickeln konkrete Ideen. Vielleicht solche wie das Berliner Start Up Mobisol, das ein Geschäftsmodell für Solarmodule in ländlichen Gebieten Ostafrikas designte und heute 350 Mitarbeiter in Tansania und Kenia beschäftigt.

„This Is Not A Design Conference“ (Das ist keine Design-Konferenz) heißt die Veranstaltung. Das soll klarmachen, dass es nicht nur um Design, sondern darum geht, „etwas zu gestalten, entwickeln, konzipieren“, so Victor Carlier.

Gerade für Studenten soll das eine Gelegenheit sein, sich auszuprobieren: „Design Thinking bereitet sie auf ihr Berufsleben vor“, glaubt Finn Trost. Aber auch Menschen, die nicht mehr an der Universität sind – oder nie an einer waren – sind eingeladen, ihr Wissen einzubringen. „Auf der Konferenz bieten wir theoretische Vorträge, aber auch praktische Erfahrungen an“, erklärt Finn Trost.

Design Thinker aus ganz Europa werden von ihren Projekten berichten – neu gestaltete Nachbarschaftsorganisationen oder innovative Ansätze in der Kommunalverwaltung. Saskia van de Weil stellt Beispiele aus ihrem Projekt „Tante Netty“ in Eindhoven vor, das Strategien für Inklusion und soziale Projekte entwirft. Dazu gehört ein Pop-Up-Frisörsalon, in dem Menschen einen gratis Haarschnitt bekommen, den sie sich sonst nicht leisten könnten.

So soll Design Thinking vor allem praxisorientiert sein: „Wir möchten, dass die Teilnehmer sich hineinstürzen und alles selber ausprobieren“, wünscht sich Victor Carlier. In einem Design-Thinking-Crashkurs erfinden sie beispielsweise selbst ein neues Produkt, in Workshops zum visuellen Arbeiten schöpfen sie ihre zeichnerischen Fähigkeiten aus.

Teilnehmer aus London, Zürich und Amsterdam kommen zu der gemeinnützigen Konferenz: „Eine in der Euregio einmalige Chance zu entdecken, was die Methode für die eigene Zukunft, den Beruf oder die Organisation bewirken kann“, so Gène Betrand. Und zudem findet sie an einem wunderbaren Ort statt, so die Organisatoren: Das Cube wurde im Oktober 2015 als das erste Design Museum der Niederlande eröffnet und vervollständigt mit dem Wissenschaftsmuseum Continium und dem Earth Theater Columbus die Museumslandschaft an der Kerkrader Zugstation.

Permanentes Labor

„Das Cube steht aber nicht für ästhetisches Design“, erklärt Gène Bertrand. „Unsere Definition ist ‚Design für menschliche Bedürfnisse und Ziele’“ – das Museum zeigt auf, warum und wie Objekte für Menschen entwickelt wurden. Gleichzeitig dient es als permanentes Labor für gemeinsame Projekte von Studenten, Designern und dem Publikum.

Doch nehmen sich Menschen heute überhaupt die Zeit fürs intensive Nachdenken? Optimisten der Digitalisierung wie die Maastrichter sehen es so: Die durchschnittliche Arbeitszeit sei in vielen Ländern gesunken – ein Trend, der sich durch technische Errungenschaften fortsetzen werde und mehr Zeit für Kreativität und Experimentierfreude lasse. Und damit auch für die Möglichkeit, selbst Neues zu schaffen, wirtschaftliche Zweige aufzutun und Unternehmen zu gründen.

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